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07.02.2016

11:42 Uhr

Jürgens Weinlese

Exotik im Glas

VonJürgen Röder

Es muss nicht immer Wein aus den klassischen Anbaugebieten sein - neue Regionen sind im Aufwind. Warum Händler ungewöhnliche Weine verkaufen und wieso in Deutschland die Winzer mehr „ausländische Trauben“ anbauen.

Wein aus ungewöhnlichen Regionen liegen im Trend.

Wein

Wein aus ungewöhnlichen Regionen liegen im Trend.

Bordeaux, Rioja, Toskana und die Mosel – die Liste bekannter und berühmter Weinregionen lässt sich fortsetzen. Doch trotz des vielfältigen Angebotes aus bekannten Gebieten, offerieren viele Händler auch Weine aus exotischen anmutenden Regionen, oder Weine mit ungewöhnlichen Rebsorten.

„Man muss seine Kunden immer wieder überraschen“, begründet Johannes Merwald, Leiter Produktmanagement bei Hawesko, das „exotische Angebot“. Die börsennotierte Hawesko ist mit ihre verschiedenen Vertriebsschienen (Hawesko.de, Jacques, Tesdorpf und Großhändler) und einem Umsatz von fast einer halben Milliarde Euro Marktführerin in Deutschland.

Bereits seit einigen Jahren verkauft der Konzern erfolgreich beispielsweise den bulgarischen Wein Zar Simenon aus der dortigen Region Goritza. Diese ist für die meisten Weinkenner zwar unbekannt, liegt aber auf einem Breitengrad mit der Toskana und Rioja. Oder den griechischen Wein Mount Athos.

Die wichtigsten Weißwein-Rebsorten in Deutschland

Riesling

Riesling ist unbestritten die deutsche Vorzeige-Rebsorte und gehört zu den wirtschaftlichen Stützen der Weinwirtschaft. Mit einer Rebfläche von 23.700 Hektar (23,1 Prozent der gesamten Anbaufläche, Stand 2016) besitzt Deutschland die größte Rieslingrebfläche weltweit und verweist somit Australien und Frankreich mit großem Abstand auf die Plätze zwei und drei. Die Farbe des Rieslingweins ist grünlich gelb bis hell goldgelb. Sein Aroma erinnert an Äpfel, Pfirsiche oder Aprikosen. Geschmack: feinfruchtig, meist säurebetont. Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Müller-Thurgau (Rivaner)

2In der deutschen Weinlandschaft gab der Müller-Thurgau seine Führungsposition in den 1990er Jahren an den Riesling ab. Doch mit einem Flächenanteil von 12,3 Prozent (Stand 2016) hat der Rivaner nach wie vor eine überragende Bedeutung im deutschen Weinbau. Dass er heute auf ca. 12.623 Hektar wächst, verdankt er unter anderem seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und seiner Zugänglichkeit auf für Nichtweinkenner. Die unkomplizierten Müller-Thurgau-Weine sind geschmacklich leicht zugänglich. Meist sind es jugendliche. Leichte und frische Weine für jeden Tag. Farbe: helles Gelb, Aroma: erinnert an zarte Kräuter, Äpfel und Birnen. Geschmack: säuremild. Körper, Gehalt: mittelkräftig.

Grauburgunder

Grauburgunder zählt zu den besten Sorten in Deutschland. Hier hat die Rebsorte wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland nach Italien und den USA an dritter Stelle im Grauburgunderbereich. Zur Zeit sind mehr als 6170 Hektar – das entspricht sechs Prozent der deutschen Rebfläche (2016) – mit dieser Sorte bestockt. Farbe: farbintensiv, hell- bis goldgelb, Aroma: erinnert an Mangos, Nüsse, Mandeln. Der Geschmack ist mild bis säurebetont, der Körper (Gehalt) kräftig und gehaltvoll.

Weißburgunder

Weißburgunder zählt zusammen mit dem Grauburgunder zu den Weißweinsorten mit der derzeit größten Rebflächenzunahme. Mehr als 5160 Hektar oder fünf Prozent der deutschen Rebfläche sind montan mit der Sorte bestockt. Weißburgunder, trocken ausgebaut, mit frischer Säure und feiner Frucht sind ideale Menüweine, aber auch leichte Sommerweine. Farbe: hell- bis strohgelb. Geschmack: etwas säurebetont. Das Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen, Mangos, Nüsse und Quitten, der Körper (Gehalt) ist mittelkräftig.

Silvaner

,Silvaner galt bis Mitte des Jahrhunderts als wichtigste deutsche Rebsorte; mehr als jede zweite Rebe war ein Silvanerstock. Der kontinuierliche Anbaurückgang der letzten Jahrzehnte, insbesondere zugunsten des Müller-Thurgaus, ließ den Flächenanteil auf derzeit 4,8 Prozent (Jahr 2016) sinken. Insgesamt werden 4900 Hektar mit diesen Rebsorten bepflanzt. Silvanerreben liefern im Duft eher verhaltene Weine mit einer milden Säure. Farbe: sehr helles bis intensives Gelb, Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen oder frisches Heu, Geschmack: milde bis mittlere Säure, Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Für Gregory Dal Piaz, Chefredakteur des Weinportals Snooth.com, sollten Weinliebhaber auch neuen, derzeit noch unbekannten, aber aufstrebenden Weinregionen mehr Aufmerksamkeit schenken. Dazu zählen seiner Meinung nach die Türkei, China, New York’s Finger Lakes in den USA und Georgien - Regionen, die seiner Meinung stärker in den Fokus von Weinliebhabern rücken werden.

Die Türkei stellt etwa 28 Millionen Liter Wein jährlich, ist aber noch unbekannt. Für Piaz könnte die Rebsorte Öküzgözü den Durchbruch schaffen. Eine Traube, die mit seinen frischen, fruchtigen Aromen und einem lieblich, hellen Charakter an Dolcetto-Weine aus der italienischen Region Piemont erinnert.

China ist nach Meinung von Piaz im Vergleich zur Türkei eher ein Start-up, verfügt mittlerweile jedoch über eine Anbaufläche von rund 600 000 Hektar. Seit einigen Jahren investieren dort ausländische Konzerne, so zum Beispiel das französische Unternehmen LVMH.

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