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14.04.2013

09:27 Uhr

Jürgens Weinlese

Flaschenpost für Peer

VonJürgen Röder

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück trinkt keinen Pinot Grigio für unter fünf Euro. Handelsblatt-Online-Weinliebhaber Jürgen Röder hält dagegen und hat ihm drei Flaschen dieser Rebsorte geschickt.

Weinliebhaber Jürgen Röder.

Weinliebhaber Jürgen Röder.

Würden Sie eine Flasche Pinot Grigio - oder Grauburgunder wie die Rebsorte auf Deutsch heißt  - unter fünf Euro kaufen? Peer Steinbrück tut das laut einem Interview nicht und hat damit eine große Diskussion angezettelt und viel Kritik anhören müssen. Beispielsweise von Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts.

„Persönlich geärgert hat mich die Aussage, dass man unter fünf Euro keinen vernünftigen Wein kaufen kann“, sagte sie. Weniger gestört hat sie die Bezeichnung Pinot Grigio für Grauburgunder, der übrigens in Frankreich Pinot Gris heißt.

Denn auch die deutsche Weinindustrie vermarktet ihre Rebsorten im Ausland nicht mit heimischen, sondern mit internationalen Bezeichnungen,  zum Beispiel den Spätburgunder im Ausland unter den Namen Pinot Noir. Schließlich geht der Name Spätburgunder Ausländern schwerer über die Lippen – und Chinesen schon gar nicht.

Die wichtigsten Weißwein-Rebsorten in Deutschland

Riesling

Riesling ist unbestritten die deutsche Vorzeige-Rebsorte und gehört zu den wirtschaftlichen Stützen der Weinwirtschaft. Mit einer Rebfläche von 23.700 Hektar (23,1 Prozent der gesamten Anbaufläche, Stand 2016) besitzt Deutschland die größte Rieslingrebfläche weltweit und verweist somit Australien und Frankreich mit großem Abstand auf die Plätze zwei und drei. Die Farbe des Rieslingweins ist grünlich gelb bis hell goldgelb. Sein Aroma erinnert an Äpfel, Pfirsiche oder Aprikosen. Geschmack: feinfruchtig, meist säurebetont. Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Müller-Thurgau (Rivaner)

2In der deutschen Weinlandschaft gab der Müller-Thurgau seine Führungsposition in den 1990er Jahren an den Riesling ab. Doch mit einem Flächenanteil von 12,3 Prozent (Stand 2016) hat der Rivaner nach wie vor eine überragende Bedeutung im deutschen Weinbau. Dass er heute auf ca. 12.623 Hektar wächst, verdankt er unter anderem seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und seiner Zugänglichkeit auf für Nichtweinkenner. Die unkomplizierten Müller-Thurgau-Weine sind geschmacklich leicht zugänglich. Meist sind es jugendliche. Leichte und frische Weine für jeden Tag. Farbe: helles Gelb, Aroma: erinnert an zarte Kräuter, Äpfel und Birnen. Geschmack: säuremild. Körper, Gehalt: mittelkräftig.

Silvaner

,Silvaner galt bis Mitte des Jahrhunderts als wichtigste deutsche Rebsorte; mehr als jede zweite Rebe war ein Silvanerstock. Der kontinuierliche Anbaurückgang der letzten Jahrzehnte, insbesondere zugunsten des Müller-Thurgaus, ließ den Flächenanteil auf derzeit 4,8 Prozent (Jahr 2016) sinken. Insgesamt werden 4900 Hektar mit diesen Rebsorten bepflanzt. Silvanerreben liefern im Duft eher verhaltene Weine mit einer milden Säure. Farbe: sehr helles bis intensives Gelb, Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen oder frisches Heu, Geschmack: milde bis mittlere Säure, Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Grauburgunder

Grauburgunder zählt zu den besten Sorten in Deutschland. Hier hat die Rebsorte wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland nach Italien und den USA an dritter Stelle im Grauburgunderbereich. Zur Zeit sind mehr als 6170 Hektar – das entspricht sechs Prozent der deutschen Rebfläche (2016) – mit dieser Sorte bestockt. Farbe: farbintensiv, hell- bis goldgelb, Aroma: erinnert an Mangos, Nüsse, Mandeln. Der Geschmack ist mild bis säurebetont, der Körper (Gehalt) kräftig und gehaltvoll.

Weißburgunder

Weißburgunder zählt zusammen mit dem Grauburgunder zu den Weißweinsorten mit der derzeit größten Rebflächenzunahme. Mehr als 5160 Hektar oder fünf Prozent der deutschen Rebfläche sind montan mit der Sorte bestockt. Weißburgunder, trocken ausgebaut, mit frischer Säure und feiner Frucht sind ideale Menüweine, aber auch leichte Sommerweine. Farbe: hell- bis strohgelb. Geschmack: etwas säurebetont. Das Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen, Mangos, Nüsse und Quitten, der Körper (Gehalt) ist mittelkräftig.

Meine Suche nach einem Grauburgunder unter fünf Euro war nicht einfach. Ein Pluspunkt für die Steinbrücksche These: Der Wein war entweder zu teuer oder es war kein Wein, den ich empfehlen konnte. Und Weine unter drei Euro habe ich erst gar nicht probiert, weil der Winzer auch von etwas leben muss. Und wenn man den Preis für Glasflasche, Korken, Etikett abzieht, kann nicht viel Geld für den Winzer übrigbleiben sein.

Ich habe auch im Freundeskreis meiner Weinexperten nachgefragt. Die meisten haben bei dem Kriterium „unter fünf Euro“ abgewunken. Manche haben mir sechs Euro als Untergrenze für einen vernünftigen Grauburgunder genannt.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

14.04.2013, 10:19 Uhr

Nur soviel:Mein Kompliment zu dieser mit soviel Liebe zum Wein und Sachverstand dazu erstellten 'Jürgens Weinlese'.Sie bestätigt teils eigene Erfahrungen,teils regt sie zu Neuem an!Herzlichen Dank und Wohl bekomm's weiterhin.
Heinz-Werner Raderschatt

Pro-d

14.04.2013, 10:30 Uhr

Gratulation zu dieser tollen Idee.

Herr Steinbrück ist eben ein Mann aus dem Volk, man könnte fast sagen, er ist einer von uns und wir bestimmt sich freun, wenn er nicht immer nur diese billigen Weine trinken muss, die man für unter 1000 EURO verrammscht.

Einen schönen Sonntag

Bmehrens

14.04.2013, 10:36 Uhr

Zitat: "Herr Steinbrück trinkt keinen Pino Grigio für unter 5 Euro".
DER lässt sich sogar das ALKOHOLTRINKEN BEZAHLEN!

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