Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2013

13:11 Uhr

Jürgens Weinlese

Lagerschrank als Statussymbol

VonJürgen Röder

Damit ihre großen Weine nach vielen Jahren die optimale Trinkreife erreichen, ist manchen Genießern nichts zu teuer. Sie zahlen für diese Edelobjekte, die auch im Wohnzimmer stehen können, hohe Summen.

In dem richtigen Weinlagerschrank werden große Weine im Laufe der Jahre komplexer.

In dem richtigen Weinlagerschrank werden große Weine im Laufe der Jahre komplexer.

Was hat die Pariser U-Bahn mit Wein zu tun? Hier die Auflösung: Die Erschütterungen beim U-Bahn-Bau sollen – unbestätigten Gerüchten zufolge - viele Weine in den angrenzenden Kellern zerstört haben. Damit ist keine zerbrochene Flasche gemeint, sondern der Inhalt soll deutlich an Qualität verloren haben bzw. ungenießbar geworden sein.

Auch wenn es nur ein Gerücht ist, theoretisch ist das möglich, denn Weine, die jahrelang reifen sollen, benötigen dafür drei wichtige Voraussetzungen:  Der Lagerraum muss feucht und dunkel sowie – damit kommt der U-Bahnbau ins Spiel - möglichst erschütterungsfrei sein.

Drei Gründe für einen Weinschrank

Überreste im Wein

Während des Reifeprozesses setzten sich Sedimente in der Flasche bzw. im Behälter ab. Dabei handelt es sich um tote Hefezellen, nicht lösliche Bestandteilen des Fruchtfleisches und bei jüngeren Weinen um Rückstände von Kernen und Schalen der Trauben. Diese Überreste werden unter Weinkennern als Depot bezeichnet. Im reiferen Wein besteht es aus Weinsteinkristallen und speziell bei Rotwein aus Tannin-Polymeren und unlöslichen Substanzen, die zur Klärung oder Filtration zugesetzt wurden. Das Auftreten von Depot ist kein schlechtes Zeichen, sondern deutet auf hohe Qualität und Reife hin. Vibrationen können dazu führen, dass sich die Sedimente wieder im Wein verteilen, die sich zuvor während des Reifungsprozesses abgesetzt hatten. Beim Dekantieren wird es vom Inhalt getrennt.

Feuchtigkeit

Der Korken muss elastisch bleiben, um die Weinflaschen langfristig zu verschließen. Deswegen sollen Flaschen auch nur liegend lagern, damit die Korken immer von Wein umspült sind. Denn wenn der Korken undicht wird, oxidiert der Wein. Passiert das über mehrere Jahre lang, bekommt der Wein oxidative, überreife Noten – wie beispielsweise bei einem Madeira. Und so soll ein Rotwein nicht schmecken.

Temperatur

Die sollte kurzfristig nicht schwanken und möglichst stabil bleiben – Temperaturen zwischen 10 und 16 Grad kommen in Frage. Kühlschränke eignen sich trotz gleichbleibender Temperatur nicht, weil die zu oft vibrieren Erschütterungen die Lagerfähigkeit des Weins einschränken. Außerdem sind Kühlschränke meistens zu kalt eingestellt. Dadurch kann sich der Korken zusammenziehen und Luft kommt in die Flasche. Als Ergebnis flutscht der Korken viel zu leicht raus.

Ich frage mich immer, wer solche Keller überhaupt hat. Infrage kommen meiner Einschätzung nach nur Altbauten. Der Keller meiner Eigentumswohnung  ist weder feucht oder dunkel und die Temperaturen schwanken stark. Wenn er wenigstens isoliert wäre, dann hätte ich mit einem speziellen Keller-Klimagerät meinen Keller noch in einen sogenannten Naturkeller verwandeln können. Ist er aber leider nicht. Deshalb habe ich mir einen Weinlagerschrank gekauft und auf der Suche viele interessante Details erfahren.

Gesucht habe ich einen Weinlagerschrank, in denen gute Weine nach Jahren oder Jahrzehnten ihre optimale Trinkreife erreichen können. Also keinen Schrank, um Weine auf die ideale Trinktemperatur vorzuhalten.  Dieses ist in der Gastronomie ein großes Thema. Einen normalen Kühlschrank als Lager zu nutzen, das geht nur für ein paar Monate. Diese vibrieren zu stark und sind meistens zu kalt eingestellt. Und bei zu hohen Temperaturen altert der Wein schneller.

Ziel der Alterung ist, dass der Wein komplexer und vielschichtiger wird. Auch Weißweine, wie zum Beispiel hochkarätige Chardonnays oder Rieslinge können gelagert werden, in der Regel sind es aber Rotweine.  Als Faustregel gilt: umso dunkler, umso kräftiger, umso tanninlastiger (gerbstoffreicher) ein Wein in seiner Jugend ist, umso mehr wird er sich durch die Lagerung verändern.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.07.2013, 23:05 Uhr

Cromme zeigt darin seinen 1982 Petrus
Die anderen ihren Hartz 4

Account gelöscht!

20.07.2013, 23:25 Uhr

Na, komm rüber Kollege aus München. Habe gerade 37 Siemensianer aus dem Mittelmanagement gefeuert. Ergibt 6 Petrus. Leider nur 1981.

Account gelöscht!

21.07.2013, 03:25 Uhr

Endlich wieder mal ein wirklich interessantes Thema!
Die erwähnten 5.000€ sind für einen Weinsammler sicher kein Problem, aber was macht man bei einem politisch verursachten Stromausfall, womöglich in einem heißen Sommer?
Oder hat das Gerät ein eigenes Notstromaggregat?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×