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23.06.2013

16:46 Uhr

Jürgens Weinlese

„Mit Champagner macht man Dummheiten“

VonJürgen Röder

Der prestigeträchtigste Prickler der Welt ist für seine Anhänger mehr als irgendein Schaumwein, sondern das Original. Warum das Getränk so teuer ist und welches die besten Produzenten sind.

Weinliebhaber Jürgen Röder.

Weinliebhaber Jürgen Röder.

Diesen Hype und das Getue um Champagner kann ich nicht nachvollziehen. Ich trinke ohnehin selten Schaumweine.  Aber wenn ich einen getrunken habe, steht für mich meist immer fest: Der Unterschied zwischen einem guten deutschen Sekt, einem französischen Crémant (Schaumwein außerhalb der Champagne) und einem spanischen Cava ist gegenüber Champagner nicht sehr groß. Der größte Unterschied für mich: Champagner ist deutlich teurer.

Dieses liegt an der Größe der Region. Die Champagne im Nordosten Frankreich  ist nur 34.000 Hektar groß – so groß wie die deutschen Anbaugebiete Mosel und Rheinhessen zusammen. Beachtliche 15 000 Winzer gibt es in dieser Region und, wie beim Portwein, darf nur Champagner auf der Flasche stehen, wenn die Trauben nur aus dieser Region kommen und auch dort verarbeitet wurden. Trotz der kleinen Größe hat die Champagne einen Marktanteil von zehn Prozent. Jährlich werden insgesamt drei Milliarden Flaschen Schaumwein geköpft – mit steigender Tendenz.

Sechs Sterne: Die weltbesten Champgner

Agrapart & Fils

Agrapart-Champagner sind kraftvoll und konzentriert, bestechen durch ihre Reintönigkeit, ihre feine Mineralität und Nachhaltigkeit – Terroir-Champagner! Sie haben deutlich an Komplexität gewonnen in den letzten Jahren, alle drei Jahrgangschampagner gehören heute zum Besten, was die Region Côte des Blancs in der Champagne zu bieten hat. Alle Champagner passen hervorragend zu Meeresfrüchten, Austern, und die etwas gehaltvolleren Jahrgangschampagner auch zu weißem Fleisch.  

Quelle: Champagne 2013 von Gerhard Eichelmann

Jacquesson

Jacquesson-Champagner sind eigenständig und kraftvoll, deutlich vom oxidativen Ausbau im Holz geprägt. Sie sind komplex und eindringlich, lang und nachhaltig, besitzen eine gute Struktur und Substanz und sind immer wieder geprägt von mineralischen Noten. Aperitif-Champagner für Puristen; zum Essen zu genießen für alle, die diese Art von Champagner nicht gewohnt sind.

Krug

Die Champagner des Hauses sind herrlich füllig und konzentriert und dabei faszinierend komplex, lang und nachhaltig, geprägt von der Vergärung in gebrauchten Barriques. Die Jahrgangschampagner besitzen meist eine deutlich höhere Säure als die Grande Cuvée. Man kann alle vielseitig zu Speisen kombinieren – aber wer trinkt schon Krug aus diesem Grund? Man trinkt Krug, weil Krug eben Krug ist.

Salon

Die Champagner von Salon sind sehr typisch für lange auf der Hefe ausgebaute Chardonnay-Champagner der Côte des Blancs. Sie zeigen feine Noten von Brioche und Brotkruste und besitzen gleichzeitig viel Kraft, Säure und Frische. Natürlich kann man sie als Aperitif oder zu Meeresfrüchten und Fisch genießen, aufgrund ihrer Fülle und Substanz können Sie aber hervorragend auch ein ganzes Menü begleiten.

Jacques Selosse

Die Champagner von Anselme Selosse sind enorm eigenständig und dominant, wer sie einmal verkostet hat, der wird sie sofort wiedererkennen. Sie sind füllig und konzentriert, dabei herrlich komplex und immer geprägt von einer enormen Nachhaltigkeit. Sie zeigen durch den Ausbau im Holz mehr oder weniger ausgeprägte oxidative Noten, besitzen aber auch Eleganz und Frische, viel Lebendigkeit und Komplexität – und sie können hervorragend reifen. Es sind Champagner, die sehr gut zum Essen passen, sich vielfältig zu Speisen kombinieren lassen, selbst zu Fleisch oder Käse, die ein ganzes Menü begleiten können.

Warum Champagner so teuer sein muss, hat mein geschätzter Journalistenkollege Clemens Hofmann in einer hörenswerten Radio-Reportage für WDR 5 aufgezeigt. Der Preis für ein Kilo Trauben ist in der Champagne festgelegt: Je nach Lage liegt dieser zwischen 5,50 und sieben bis sechs Euro. Zum Vergleich: Winzer im italienischen Chianti-Gebiet erhalten meist weniger als einen Euro für die gleiche Menge. Und in der spanischen Region Katalonien können Winzer froh sein, wenn sie für ein Kilo Trauben für die Cava-Herstellung 50 Cent bekommen.

„Das Kartell der Perlen – wie die Champagne die Preise macht“ lautet der Titel der Reportage. Das lustigste Zitat aus der Sendung: „Beim Bordeaux denkt man Dummheiten, beim Burgunder sagt man Dummheiten und beim Champagner macht man Dummheiten“.

Kommentare (11)

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oschlau

23.06.2013, 18:25 Uhr

Die haben bei 22,67 m2 pro Winzer eine easy Job.

jakestone

23.06.2013, 19:17 Uhr

Die Rebsorte Pinot Meur scheint ja wirklich selten zu sein oder so eine Arte Geheimprojekt.
Schade, dass diese Weinkolumne nicht solide recherchiert ist. So etwas ist leider schon mehrmals vorgekommen.

Account gelöscht!

23.06.2013, 20:39 Uhr

Widerspruch. Wer Interesse an hochwertigem Schaumwein hat, der kommt an der Champagne nicht vorbei. Punkt. Preis hin oder her. Und ich weiß wovon ich spreche. Ich habe schon Hunderte Schaumweine getrunken; auch in Blindverkostungen und auch die großen Weine aus der Champagne. Wer mal z.B. einen Krug, einen Roederer Cristal, einen Bollinger RD getrunken hat, der wird dies bestätigen. Solche Getränke haben ihren Preis- aber mir persönlich ist es das wert. Dt. Winzersekt, Cremant, Cava haben zum Teil auch Ihre Daseinsberechtigung, kommen aber mit einem guten Champagner nicht mit (obgleich es dort auch Ausreißer nach unten gibt und nicht jeder Champagner automatisch geil ist- so zB die Basiscuvee mancher großer Häuser).

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