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27.12.2016

11:34 Uhr

Jürgens Weinlese

Vom „Unfall-Champagner“ zum Trendgetränk

VonJürgen Röder

Den französischen Winzern aus der Champagne ist es gelungen, aus einem lange verpönten Schaumwein ein Trendgetränk zu machen: dem roséfarbenen Champagner. Mit welchen edlen Tropfen man das neue Jahr feiern sollte.

Die deutsche Tennisspielerin feiert ihren Erfolg beim Tennisturnier in Melbourne. Aus der Flasche spritzt der typische, helle Champagner. Die Farbe Rosé dagegen taucht öffentlich seltener auf, ursprünglich galt Champagner in dieser Farbe sogar als "Unfall" bei der Herstellung. dpa

Angelique Kerber

Die deutsche Tennisspielerin feiert ihren Erfolg beim Tennisturnier in Melbourne. Aus der Flasche spritzt der typische, helle Champagner. Die Farbe Rosé dagegen taucht öffentlich seltener auf, ursprünglich galt Champagner in dieser Farbe sogar als "Unfall" bei der Herstellung.

Düsseldorf1833 galt: „Niemand, der etwas von Weinen versteht, würde jemals einen roséfarbenen Champagner trinken, wenn er etwas anderes bekommen kann.“ Das schrieb damals der britische Weinjournalist Cyrus Redding. Selbst 150 Jahre später, im Jahr 1983, stand für den Weinkritiker Michael Broadbent fest: „Roséweine, nicht nur Champagner, haben so wenig Charakter … für gewöhnlich sehr wenig, wenn Traubenaroma und meist nur neutralen Geschmack“.

Aktuelle Zahlen widerlegen diese Einschätzung: Im vergangenen Jahr exportierten die französischen Winzer 14,1 Millionen Flaschen Rosé-Champagner in die EU (inklusive Drittländer), Anfang des Jahrtausends waren es erst 3,2 Millionen. Mehr als jeder zehnte Champagner (11,4 Prozent Marktanteil) in Deutschland ist mittlerweile roséfarben.

Zwar exportierte der bekannte Hersteller Veuve Clicquot bereits 1775 den ersten Rosé-Champanger nach Lausanne. Doch erst 1968 positionierte sich Laurent Perrier mit einem derartigen Champagner auf den Markt und eroberte erste kleine Marktanteile. „Solche Champagner sind fruchtig, leicht und optisch attraktiv“, wirbt Christian Josephi vom deutschen Bureau du Champagne in Stuttgart für die Rosés.

Begriffe aus der Champagnerwelt

Assemblage

Den Prozess der Zusammenstellung der Cuvées aus den verschiedenen Rebsorten nennt man Assemblage. Nach der Festlegung welche Grundweine in welchen Anteilen in die jeweiligen Champagner eingehen, werden diese in große Tanks zusammengeführt und dann auf Flaschen gefüllt. Quellen: Eichelmann Champagnerführer, Bureau du Champagne

Tirage

Jede Flasche erhält dann den sogenannten „Liquer de Tirage“, eine Mischung aus Zucker und Hefen. Dieser „Liquer de Tirage“ bewirkt, dass die Weine eine zweite Gärung durchlaufen, durch die aus profanem Wein Champagner wird. Denn die Kohlensäure, die bei dieser zweiten Gärung freigesetzt wird, bleibt in der Flasche.

Das Rütteln

Durch die zweite Gärung entsteht in der Flasche ein Depot, das aus abgestorbenen Hefen besteht. Dieses Depot muss wieder aus der Flasche entfernt werden. Diesem Zweck diente das Rütteln der Flaschen – dadurch sammelt sich dieses Depot unter dem Korken. Heutzutage erfolgt dieser Prozess überwiegend computergesteuert.

Degorgement

Sind die Flaschen gerüttelt, wird der Flaschenhals kurz vereist. Dann wird die Flasche entkorkt und das Hefedepot herauskatapultiert. Durch das Degorgieren wird also die abgestorbene Hefe aus der Flasche entfernt, aufgefüllt wird mit einem so genannten „Liqueur de Dosage“, auch Liqueur d’Expedition genannt. Wie dieser erzeugt wird, ist oft Geheimnis des Hauses. Dafür verwendet werden beispielsweise Reserveweine, Traubensaftkonzentrat oder konzentrierten Zuckersirup aus Traubenmost.

Dosage

Nach der Höhe der Dosage, dem Zuckergehalt pro Liter Wein, unterscheidet man verschiedene Champagnertypen. Die meisten Champagner werden heute „brut“ angeboten, immer beliebt werden Brut Nature (ohne Dosage) und Extra Brut.

Brut ohne Jahrgang – der wichtigste Champagner

Der Gros der Produktion macht der Brut ohne Jahrgang aus, der in der Regel aus zwei oder drei verschiedenen Rebsorten und aus verschiedenen Jahrgängen erzeugt wird. Ziel der großen Häuser ist es, den Stil ihres Brut ohne Jahrgang über Jahre hinweg konstant zu halten. Es ist der Einstiegschampagner jedes Hauses, in der Regel auch der preisgünstigste.

Blanc de Blancs

Der Blanc de Blancs ist ein Champagner, der ausschließlich aus weißen Trauben hergestellt wird, das heißt im Normalfall Chardonnay.

Jahrgangschampagner

Dabei stammt der Grundwein aus einem einzigen Jahr. Jahrgangschampagner müssen mindestens drei Jahre auf der Hefe lagern, bevor sie in den Verkauf kommen dürfen. Früher hat man Jahrgangschampagner durchschnittlich in drei von zehn Jahren erzeugt, heute gibt es Produzenten, die fast jedes Jahr Jahrgangschampagner herstellen.

Prestigecuvées

Jeder Erzeuger kann seinen Champagner Prestigecuvées nennen. In der Regel bezeichnet man damit die Spitzenchampagner der großen Häuser, die sich durch einen Spitzenpreis auszeichnen. Die meisten davon haben auch eine Jahrgangsbezeichnung.

In früheren Zeiten war ein rosafarbener Ton bei dem edlen Getränk unerwünscht, er galt damals als „Unfall-Champagner“. Dabei ist es kein Problem, solch einen Farbton zu erzeugen. Von den drei mit Abstand wichtigsten Trauben, die in der Champagne angebaut werden, haben zwei eine rote Farbe: Pinot Noir (Spätburgunder) und Pinot Meunier (Schwarzriesling). Hinzu kommt noch die weiße Rebsorte Chardonnay. Für einen hellen Schaumwein wird aus den roten Trauben nur der Saft gepresst und weiterverarbeitet.

Bei der Herstellung von Rosé-Champagner haben die Produzenten alle Freiheiten: Sie können Weißwein und Rotwein mischen, als sogenannten Rosé d'Àssemblage; oder – typisch für Erzeuger mit hohen Pinot-Noir-Beständen – einen Rosé de Macération (auch Saignéé) herstellen. Aus der Maische, die aus Most, Traubenschalen und -kernen besteht, werden in diesem Fall bis zu 72 Stunden lang die roten Inhaltstoffe gewonnen (Mazeration). So wie bei der Produktion von Rotwein.

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