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08.11.2015

11:11 Uhr

Jürgens Weinlese

Weinmessen boomen

VonJürgen Röder

Profis, Liebhaber oder Händler: Veranstaltungen über Wein gibt es in Hülle und Fülle. Überblick über die neuesten Weintrends und neue Jahrgänge geben Weinmessen. Immer stärker im Fokus stehen junge Weintrinker.

Leitmesse für Weinprofis ist die Prowein, die jedes Jahr in Düsseldorf veranstaltet wird. dpa

ProWein in Düsseldorf

Leitmesse für Weinprofis ist die Prowein, die jedes Jahr in Düsseldorf veranstaltet wird.

„Rund 2 000 Weinveranstaltungen mit überwiegend regionalem oder lokalem Charakter gibt es in Deutschland jährlich“, schätzt Alexander Schreck, Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft des Weinnetzwerks Weinplus. „Leider gibt es darüber keine validen Zahlen.“ Üblich ist dabei die Unterteilung der Leistungsschauen in drei Kategorien: die Veranstaltungen nur für Profis, öffentliche Messen für private Weinliebhaber und Präsentationen regionaler Weingüter.her ehrenamtlich gearbeitet, jetzt wird professionelles Personal bezahlt“, sagt Schreck. Seiner Ansicht nach versuchen einige Anbieter aus den Treffen ein Geschäftsmodell zu entwickeln.

Die wichtigsten Weißwein-Rebsorten in Deutschland

Riesling

Riesling ist unbestritten die deutsche Vorzeige-Rebsorte und gehört zu den wirtschaftlichen Stützen der Weinwirtschaft. Mit einer Rebfläche von 23.700 Hektar (23,1 Prozent der gesamten Anbaufläche, Stand 2016) besitzt Deutschland die größte Rieslingrebfläche weltweit und verweist somit Australien und Frankreich mit großem Abstand auf die Plätze zwei und drei. Die Farbe des Rieslingweins ist grünlich gelb bis hell goldgelb. Sein Aroma erinnert an Äpfel, Pfirsiche oder Aprikosen. Geschmack: feinfruchtig, meist säurebetont. Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Müller-Thurgau (Rivaner)

2In der deutschen Weinlandschaft gab der Müller-Thurgau seine Führungsposition in den 1990er Jahren an den Riesling ab. Doch mit einem Flächenanteil von 12,3 Prozent (Stand 2016) hat der Rivaner nach wie vor eine überragende Bedeutung im deutschen Weinbau. Dass er heute auf ca. 12.623 Hektar wächst, verdankt er unter anderem seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und seiner Zugänglichkeit auf für Nichtweinkenner. Die unkomplizierten Müller-Thurgau-Weine sind geschmacklich leicht zugänglich. Meist sind es jugendliche. Leichte und frische Weine für jeden Tag. Farbe: helles Gelb, Aroma: erinnert an zarte Kräuter, Äpfel und Birnen. Geschmack: säuremild. Körper, Gehalt: mittelkräftig.

Grauburgunder

Grauburgunder zählt zu den besten Sorten in Deutschland. Hier hat die Rebsorte wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland nach Italien und den USA an dritter Stelle im Grauburgunderbereich. Zur Zeit sind mehr als 6170 Hektar – das entspricht sechs Prozent der deutschen Rebfläche (2016) – mit dieser Sorte bestockt. Farbe: farbintensiv, hell- bis goldgelb, Aroma: erinnert an Mangos, Nüsse, Mandeln. Der Geschmack ist mild bis säurebetont, der Körper (Gehalt) kräftig und gehaltvoll.

Weißburgunder

Weißburgunder zählt zusammen mit dem Grauburgunder zu den Weißweinsorten mit der derzeit größten Rebflächenzunahme. Mehr als 5160 Hektar oder fünf Prozent der deutschen Rebfläche sind montan mit der Sorte bestockt. Weißburgunder, trocken ausgebaut, mit frischer Säure und feiner Frucht sind ideale Menüweine, aber auch leichte Sommerweine. Farbe: hell- bis strohgelb. Geschmack: etwas säurebetont. Das Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen, Mangos, Nüsse und Quitten, der Körper (Gehalt) ist mittelkräftig.

Silvaner

,Silvaner galt bis Mitte des Jahrhunderts als wichtigste deutsche Rebsorte; mehr als jede zweite Rebe war ein Silvanerstock. Der kontinuierliche Anbaurückgang der letzten Jahrzehnte, insbesondere zugunsten des Müller-Thurgaus, ließ den Flächenanteil auf derzeit 4,8 Prozent (Jahr 2016) sinken. Insgesamt werden 4900 Hektar mit diesen Rebsorten bepflanzt. Silvanerreben liefern im Duft eher verhaltene Weine mit einer milden Säure. Farbe: sehr helles bis intensives Gelb, Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen oder frisches Heu, Geschmack: milde bis mittlere Säure, Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Zu den neuen Veranstaltern von derartigen Messen zählen auch die Supermärkte, die ihr Weinangebot in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt haben. So bietet etwa der Discounter Lidl mittlerweile den berühmten Süßwein Château d’ Yquem für 349 Euro an. Und viele einzelne Händler von Rewe oder Edeka gestalten den Weinkauf erfolgreich als Erlebniskauf.

Sie bieten auch Verkostungen mit Winzern in großen Hallen oder Flächen an - wie zum Beispiel der Kölner Weinkeller (Rewe-Geschäft) oder die Edeka-Filiale Zurheide in Düsseldorf. „Solche Veranstaltungen ständen Fachhändlern auch gut zu Gesicht“, meint Michael W. Pleitgen, Leiter der Weinakademie Berlin, und Weinmarketing-Dozent an der Hochschule Heilbronn.

Die wichtigsten Rotwein-Rebsorten in Deutschland

Spätburgunder

Was der Riesling qualitativ für die Weißweine bedeutet, verkörpert der Spätburgunder oder Pinot Noir unter den Rotweinen: die Spitze. In Deutschland sind 11.787 Hektar Rebfläche (Stand 2016) mit der Sorte Spätburgunder bestockt, das entspricht einem Anteil von 11,5 Prozent an der Gesamtrebfläche. Traditionell werden die besten Spätburgunder aus hochreifen Trauben gewonnen. Der Anbau der Rebsorte verlangt sehr viel Sorgfalt und stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. Seine Farbe ist rubinrot bis granatrot. Sein Geschmack erinnert an Brombeeren, Kirschen, Erdbeeren, Holunder und Pfeffer. Der Geschmack ist etwas gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.

Dornfelder

Längst ist die Neuzüchtung von 1955 zu einem deutschen Rotweinklassiker gereift und erfreut sich seit Jahren einer immensen Nachfrage. Heute sind 7741 Hektar mit der roten Traube bestückt (Stand 2016), das sind 7,6 Prozent der deutschen Rebfläche. Es gibt zwei unterschiedlich Ausbaustile. Der ersten betont die Fruchtaromen und wird jung auf den Markt gebracht. Andere Winzer bauen den Dornfelder im großen oder kleinen Holzfass aus und betonen mehr die Gerbstoffe. Die Farbe ist violett bis schwarzrot und sehr farbdicht, das Aroma erinnert an Holunder und Brombeeren. Der Geschmack ist gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.

Portugieser

Der Portugieser gilt als unkomplizierter, fruchtiger und frischer Wein für jeden Tag. Die Trauben sind im Alkohol meist leichter als andere Rotweine. Bei deutlicher Ertragsreduzierung sind auch tiefrote, füllige und kraftvolle Rotweine möglich. Die Anbaufläche liegt bei 3064 Hektar, rund drei Prozent der gesamten deutschen Rebfläche. Die Farbe ist hell- bis rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren und Erdbeeren. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper leicht bis mittelkräftig.

Trollinger

In Württemberg ist der Trollinger die meistangebaute Rotweinsorte und hat sich zu einem „schwäbischen Nationalgetränk“ entwickelt. Es ist ein frischer und unkomplizierter Wein für jeden Tag. Eine gewisse Restsüße verleiht den harmonischen Trinkweinen zusätzliche Süffigkeit. In der warmen Zeit sollte man Trollinger unbedingt leicht gekühlt servieren. Die Rebsorte wird auf einer Fläche von 2230 Hektar angepflanzt (Stand 2016, 2,2 Prozent der gesamten Anbaufläche). Die Farbe ist ziegelrot bis helles rubinrot, das Aroma erinnert an Erdbeeren, Johannisbeeren und Kirschen. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper (Gehalt) leicht bis mittelkräftig.

Schwarzriesling (Müllerrebe)

Insbesondere bei den Württembergern, aber nicht nur dort, erfreut sich der Schwarzriesling großer Beliebtheit. In offiziellen Rebsortenlisten findet man die Bezeichnung „Müllerrebe“. In Frankreich heißt die Müllerrebe „Pinot Meunier“ und gehört zu den drei Champagnerrebsorten. In Deutschland beschränkt sich der Schwarzriesling-Anbau weitgehend auf Baden-Württemberg. Dennoch erreicht die Sorte einen Anteil von zwei Prozent der deutschen Rebfläche (1995 Hektar).Die Farbe ist rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren, Kirschen, Himbeeren und Brombeeren. Der Geschmack weist mittlere Gerbstoffe auf, der Körper ist mittelkräftig und gehaltvoll.

Manche Fachhändler wie die Weinhalle in Nürnberg oder Rindchen’s Weinkontor in Hamburg können zwar derartige Veranstaltungen als Hausmesse mit mehreren Tausend Besuchern auf die Beine stellen, doch vielen Fachgeschäften fehlt dafür die notwendige Größe.

Abhilfe schafft ein neuer Trend: „Mittlerweile kombinieren Anbieter Weinmessen mit einem weiteren Thema“, erläutert Schreck. Bekannt und langjährig bewährt ist die Verbindung von Wein und Nahrungsmitteln. Wein mit Käse oder Schokolade gehört zu den Klassikern, die Verbindung mit asiatischer Küche oder mit Chili ist indes erst in den vergangen Jahren neu entstanden und wird oft auf Foodmessen mit Sterneköchen gezeigt.

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