Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.10.2014

17:49 Uhr

Jürgens Weinlese

„Wir müssen uns auf den Klimawandel vorbereiten“

VonJürgen Röder

Der Spanier Miguel A. Torres hat die Weinwelt verändert - und einen internationalen Konzern aufgebaut. Wie sich der Ausnahmewinzer auf den Klimawandel vorbereitet und wie er sein China-Geschäft profitabel gestaltet hat.

Miguel A. Torres (r.) im Kreise seiner Familie: (v.l.) Miguel Torres, Marimar Torres, Arnau Torres, Juan M. Torres, Ehefrau Waltraud Maczassek und Mireia Torres.

Miguel A. Torres (r.) im Kreise seiner Familie: (v.l.) Miguel Torres, Marimar Torres, Arnau Torres, Juan M. Torres, Ehefrau Waltraud Maczassek und Mireia Torres.

Wenn es einen internationalen Winzer gibt, dann ist es Miguel A. Torres. Der 73-jährige hat die Weinwelt weltweit verändert. Der Präsident des gleichnamigen Unternehmens wurde für seine Verdienst um Weinbau, Umweltfreundlichkeit und innovatives Management mehrfach ausgezeichnet. Das 1300 Mitarbeiter starke Unternehmen, das 2012 einen Umsatz von 231 Millionen Euro verzeichnete, hat eigene Standorte in Spanien, Chile, USA, Schweden und China und baut auf mehr als 2400 Hektar Wein an. Es exportiert in 150 Länder und führt 50 eigene Marken. Miguel Torres ist seit 1967 mit einer Deutschen verheiratet, der Düsseldorferin Waltraud Maczassek. Einer seiner Schwerpunkte ist die Forschung.

Hallo Herr Torres, lohnen sich denn ihre Investitionen in die Forschung?
Eindeutig ja, auch wenn ich dafür jährlich ein bis zwei Millionen Euro in die Hand nehmen muss. Auch während der Finanzkrise war die Summe siebenstellig. Unser zentrales Forschungsprojekt ist die Auswirkung des Klimawandels, daran forschen wir ständig, denn wir müssen uns auf den Klimawandel vorbereiten. Manche Winzer wollen so weitermachen wie ihre Großväter; das geht nicht.

Erzielen Sie auch konkrete Ergebnisse mit ihren Forschungen?
Ja, da gibt es viele Beispiele. Wir haben unter anderem eine Hefe für die Gärung entwickelt, die den Alkoholgehalt um ein Prozent senkt. Der Klimawandel mit seinen höheren Temperaturen sorgt für schwere, fette Weine. Mittlerweile gibt es Weine, allerdings nicht von Torres-Weingütern, mit 15 Prozent Alkohol. Das finde ich zu hoch. Vor zwei Jahren habe ich den ersten Wein getrunken, der mit dieser Hefe produziert wurde.

Und hat er Ihnen geschmeckt?
Er hatte leider etwas an Aroma verloren, deswegen forschen wir weiter und verkaufen die Hefe nicht. Aber ich glaube, dass das bestimmt noch ein neues Geschäftsmodell werden wird. Aber wir verbessern durch unsere Forschung nicht nur die Weinherstellung, sondern auch den Weinanbau. Ein spezieller Schädling verursacht bei uns rund 800 000 Euro Schaden pro Jahr, durch unsere Forschung konnten wir das deutlich eingrenzen.

Wie wirkt sich denn der Klimawandel bei Ihnen konkret aus?
Wir experimentieren auf einer großen Fläche mit vielen verschiedenen Rebsorten. Die Frage ist: Wie können wir den Wein an die höheren Temperaturen angleichen? In den vergangenen 40 Jahren ist beispielsweise die Temperatur in der Penedès-Region in Katalonien um ein Grad gestiegen, so dass wir dort jetzt zehn Tage früher ernten müssen als noch vor 20 Jahren. Jede Rebe braucht eine bestimmte Temperatur. Wenn die Temperatur dauerhaft nur ein oder zwei Grad steigt, sinkt die Qualität der Trauben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×