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02.03.2017

11:38 Uhr

Kantinenkritik Hugo Boss

Premiumessen in der Provinz

VonGeorg Weishaupt
Quelle:Handelsblatt Magazin

Eine Kantine? Gibt es bei Hugo Boss nicht. Der Metzinger Konzern will mit seinem Mitarbeiterrestaurant auch anspruchsvolle Modeleute in der schwäbischen Provinz bei Laune halten. Das ist nicht immer billig. Ein Test.

Auch optisch ansprechend. Andreas Körner für Handelsblatt Magazin

Blick in die Hugo-Boss-Kantine

Auch optisch ansprechend.

MetzingenNein, eine Kantine gibt es bei Hugo Boss nicht. „Das Wort vermeiden wir“, erklärt Andreas Schilski, Director Central Services. Auf dem Firmencampus in Metzingen speisen die Mitarbeiter im Restaurant „Times“. Der Premium-Anspruch der Modemarke macht eben auch vor dem Mittagessen nicht halt.

Die Nicht-Kantine ist eine lange, hohe Halle mit Betonfußboden und grauen Sichtbetonwänden. Der Raum erhält die nötige Wärme durch das gedämpfte Licht und das hellbraune Holz der langen Tische und Sitzbänke, die zum Zusammenrücken auffordern. Ein Symbol, das zur Branche passt: Sie ist derzeit geprägt von Rabattschlachten und Store-Schließungen.

Die 2.300 Modeleute in der Zentrale können wählen zwischen fünf Menüs, die es wegen freundlicher Zuschüsse bereits ab 3,10 Euro gibt. Beim breiten Angebot von der Salat- über die Gemüsebar bis zum Front-Cooking fällt die Wahl schwer. Am Ende gewinnt der „Boss-Grillteller“, der Name verspricht Qualität. Die vier Filetstücke werden in einer gusseisernen Pfanne mit Grilltomate serviert.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°1-2017.

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Das Rindfleisch ist saftig. Die Vorspeise mit gegrillter Aubergine schmeckt ebenso delikat wie das fruchtige Paprikagemüse und das Dessert mit überbackenen Kirschen. Das üppige Testmenü kostet 10,10 Euro – nicht gerade günstig. Es soll aber auch anspruchsvolle Modemacher in der schwäbischen Provinz bei Laune halten. Wer es preiswerter mag, geht in die Kaffeebar und gönnt sich Brezel oder Törtchen.

Nachhaltigkeit hat bei Boss eine immer größere Bedeutung – nicht nur im Modegeschäft. Auch fürs Restaurant setzt der Konzern auf frische Produkte aus der Region, sei es Obst, Gemüse, Fleisch oder Fisch. Selbst den Kaffee liefert eine Rösterei aus Metzingen. Und auch mit Müllbergen soll bald Schluss sein: 130.000 Pappbecher pro Jahr wandern bislang in die Tonne. Künftig erhalten die Modeleute nur noch Koffeinhaltiges in Boss-Kaffeebechern aus Porzellan – die sie allerdings kaufen müssen, für rund fünf Euro.

Foto: Andreas Körner für Handelsblatt Magazin

Foto: Andreas Körner für Handelsblatt Magazin

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