Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2015

12:43 Uhr

Katastrophen am Mount Everest

Was passiert mit dem Berg?

Nach dem großen Himalaya-Erdbeben flohen die meisten Bergsteiger Hals über Kopf aus Nepal. Kein einziger erklomm den Mount Everest. Geht die Geschäftemacherei weiter – oder wird der höchste Berg der Welt geschlossen?

Immer mehr Everest-Bergsteiger kommen aus Asien – vor allem aus Malaysia und Indonesien. dpa

Tourismus im Wandel

Immer mehr Everest-Bergsteiger kommen aus Asien – vor allem aus Malaysia und Indonesien.

Kathmandu„Gipfel zählen nicht“, meint US-Bergsteiger Alan Arnette - zumindest nicht in diesem Jahr in Nepal. Denn ein gewaltiges Erdbeben erschütterte Ende April das Himalaya-Gebirge, riss mehr als 8900 Menschen in den Tod und machte Hunderttausende obdachlos. In dieser Katastrophe war die Lawine am Mount Everest, die durch das Beben ausgelöst wurde und mindestens 18 Menschen in den Tod riss, nur ein winziger Teil.

Dass danach keiner mehr auf den höchsten Berg der Welt steigen konnte, ging im Desaster unter. Dabei ist es das erste Mal seit 41 Jahren, dass eine Saison ohne Gipfelerfolg blieb. Und es ist schon das zweite Katastrophenjahr am Everest in Folge. Im vergangenen Jahr löste sich im Khumbu-Eisbruch ein gigantischer Eisbrocken und begrub zahlreiche Menschen unter sich. 16 Nepalesen starben.

Von dem schweren Erdbeben ist der Gipfel des Mount Everest verschoben worden. Das nordöstlich verlaufende Massiv des höchsten Bergs der Erde sei drei Zentimeter nach Südwesten gewandert, berichtete die amtliche Zeitung „China Daily“ unter Berufung auf die chinesische Kartographiebehörde.

Rekorde rund um den Mount Everest

Erste Menschen auf dem Everest

Edmund Hillary und Tenzing Norgay stehen 29. Mai 1953 als erste Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest.

Erste Frau

Am 16. Mai 1975 erreicht die Japanerin Junko Tabei als erste Frau das Dach der Welt.

Ohne zusätzlichen Sauerstoff

Peter Habeler und Reinhold Messner besteigen den Berg am 8. Mai 1978 ohne künstlichen Sauerstoff.

Winterbesteigung

Die erste erfolgreiche Besteigung im Winter gelingt den Polen Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy am17. Februar 1980.

Solobesteigung

Am 20. August 1980 klettert Reinhold Messner alleine und ohne künstlichen Sauerstoff auf den Gipfel.

Paraglide-Flug

Der Franzose Jean Marc Boivin fliegt nach seinem erfolgreichen Gipfelsturm mit einem Paraglieder vom Berg.

Längster Gipfelaufenthalt

Babu Chiri Sherpa aus Nepal verbringt am 6. Mai 1999 21 Stunden auf dem Gipfel.

Die schnellste Besteigung

Lhakpa Gelu Sherpa aus Nepal gelingt am 26. Mai 2003 der Aufstieg von Süden her in zehn Stunden und 56 Minuten. Von Norden aus stellt der Südtiroler Hans Kammerlander am 24. Mai 1996 den Rekord von 16 Stunden und 45 Minuten auf.

Erste Abfahrt auf Skiern

Davo Karnicar aus Slowenien fährt am 7.Oktober 2000 in fünf Stunden vom Gipfel zum Basecamp ohne die Skier abzuschnallen.

Erste Abfahrt auf einem Snowboard

Der Franzose Marco Siffredi fährt am 23.Mai 2001 mit dem Snowboard vom Gipfel.

Der erste Blinde auf dem Gipfel

Ohne Augenlicht schafft es als erster Erik Weihenmayer aus den USA am 25.Mai 2001 auf den Berg.

Die meisten Besteigungen

Apa Sherpa stand insgesamt 21 Mal auf dem Dach der Welt.

Jüngster Mensch auf dem Everest

Der jüngste Besteiger ist bislang der US-Amerikaner Jordan Romero, der 2010 im Alter von 13 Jahren den Gipfel erreichte.

Ältester Mensch auf dem Everest

Am 23. Mai 2013 erreicht mit dem 80-jährigen Japaner Yuichiro Miura der bislang älteste Mensch auf dem Gipfel.

Dem Bericht zufolge ist der Mount Everest ständig in Bewegung. In den zurückliegenden zehn Jahren sei der Berg insgesamt 40 Zentimeter nach Nordosten gerückt, mit einem Tempo von vier Zentimetern pro Jahr. Außerdem habe er sich um drei Zentimeter aufgerichtet.

Jetzt sei es an der Zeit, den Everest als universelle heilige Stätte zu würdigen, fordert Jan Morris im britischen Magazin „New Statesman“. Keiner solle den 8848 Meter hohen Berg mehr betreten und für seinen Ruhm oder Profit ausnutzen dürfen. Morris hatte schon 1953 über die erste erfolgreiche Everest-Expedition von Edmund Hillary und Tenzing Norgay berichtet. Auch der 2008 gestorbene Hillary mahnte vor Jahren: Gönnt dem Berg etwas Ruhe.

Erneut bebt die Erde

Bestürzende Amateuraufnahmen aus Nepal

Erneut bebt die Erde: Bestürzende Amateuraufnahmen aus Nepal

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Doch Bergsteiger Arnette, der in diesem Jahr selbst im Everest-Gebiet unterwegs war, sieht das anders: „Wenn keiner mehr auf den Gipfel des Everest steigen würde, würden sicherlich viele Träume zerplatzen, aber noch wichtiger ist, dass es den Lebensunterhalt von vielen Menschen beeinflussen würde.“ Sherpas, Träger und Teehaus-Besitzer entlang der Wege leben von den Touristen. In den ländlichen Regionen des bitter armen Nepal gibt es sonst kaum Verdienstmöglichkeiten.

Derzeit ist es ruhig in der Khumbu-Region. Die Abenteuersportlerin Heather Geluk berichtet, dass Ende Mai in fünf Tagen nur fünf Besucher den Sagamartha Nationalpark betreten hätten, während dort sonst in der Hauptsaison im April und Mai Tausende ankämen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×