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07.07.2015

17:26 Uhr

Kleiderordnung an Schulen

Debatte zwischen Dresscode und Sexismus

Junge Frauen sollen anziehen, was sie möchten – aber bitte nicht zu viel Haut zeigen. Das Verbot von Hotpants an einer süddeutschen Schule sorgt für das Comeback einer hitzigen Debatte um Selbstbestimmung und Sexismus.

StuttgartIn den 60er Jahren waren Miniröcke ein Aufregerthema, heute sind es die Hotpants: Heiße Temperaturen entfachen an deutschen Schulen allsommerlich die Diskussion über die angemessene Kleidung für den Unterricht. In Horb am Neckar hat nun eine Werkrealschule in einem Elternbrief die vorläufige Regel aufgestellt: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants...), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ Eine endgültige Kleiderordnung werde noch gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Eltern erstellt.

Fragt sich nur, für wen aufreizend und warum: Die Antwort gibt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Man müsse sich in die heranwachsenden jungen Männer hineindenken. „Da geht mit dem einen oder anderen das Kopfkino durch.“ Damit sei die Ablenkung vom Unterricht programmiert. Überdies sei die Schule ja kein Laufsteg. Appelle für weniger luftige Bekleidung seien für Lehrer aber heikel, weil manche Eltern auf Persönlichkeitsrechte der Kinder pochten und letztere zu Trotzreaktionen neigten. „Man kann als staatliche Schule eine dezentere Kleidung genauso wenig anordnen wie eine Schuluniform.“

Der Argumentation, die kurzen Hosen lenken vom Unterricht ab, halten Frauen entgegen, dass es doch die Männer seien, die den weiblichen Körper sexualisieren. dpa

Hot Pants oder nicht?

Der Argumentation, die kurzen Hosen lenken vom Unterricht ab, halten Frauen entgegen, dass es doch die Männer seien, die den weiblichen Körper sexualisieren.

Das sei an Privatschulen viel einfacher, weil dort über privatrechtliche Verträge viel geregelt werden könne. Am Stuttgarter Heidehof-Gymnasium etwa, einer evangelischen Privatschule, liegen XXL-T-Shirts bereit; sie sollen unziemliche Blößen bedecken.

Auch die Horber Schule rechnet wohl mit Elternkritik, denn in dem Brief heißt es: „Es geht uns dabei nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes.“ Vielmehr solle die Regelung beitragen zu einem „gesunden Schulklima, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden“.

Im Kultusministerium sagt eine Sprecherin: „Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen.“ Kleiderregeln oder gar Vorschriften gebe es an öffentlichen Schulen nicht. Gefährde ein sexy Outfit allerdings die Ordnung des Unterrichts, dürfe die Schule eingreifen.

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