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29.04.2014

20:28 Uhr

Kochen im Fernsehen

„Mich widert diese Geschäftemacherei an“

VonTimo Steppat

Früher standen Köche am Herd, heute sind sie Medienmarken. Der legendäre Gastro-Kritiker Wolfram Siebeck verurteilt diese Entwicklung. Fernsehkoch Frank Rosin hält dagegen: „Guter Geschmack muss sich finanzieren können.“

Frank Rosin ist einer der besten Köche deutschlandweit. Sein Restaurant in Dorsten wird mit zwei von drei Sternen bewertet. obs

Frank Rosin ist einer der besten Köche deutschlandweit. Sein Restaurant in Dorsten wird mit zwei von drei Sternen bewertet.

Es läuft gut für Frank Rosin. Im Dezember trat er in der Castingshow „The Taste“ als eine Art Dieter Bohlen der Kulinarik auf. Bei Kabel 1 rettet er Restaurants vor der Pleite. Jetzt beginnt „Hell's Kitchen“ bei Sat 1. Dort bringt er Prominenten wie der Schauspielerin Christine Kaufmann das Kochen bei. In wenigen Tagen startet die Werbekampagne von Aral: Das Gesicht von Frank Rosin wird in diesem Sommer an Hunderten von Tankstellen deutschlandweit hängen. Wer genügend Punkte sammelt, bekommt eine Grill-Fibel, die unter Rosins Namen erscheint, und nimmt am Gewinnspiel Teil. Hauptpreis: Einmal Grillen mit dem Maestro.

Frank Rosin ist Medienstar, Werbegesicht, Unternehmer und Frank Rosin ist Koch. Laut dem Guide Michelin, immer noch Maßstab in der gehobenen Gastronomie, ist er sogar einer der besten deutschlandweit – sein Restaurant, das „Rosin“ in Dorsten, wird mit zwei von drei Sternen bewertet.

In den letzten zehn Jahren wurde Kochen zum Kulturgut. Feine Speisen interessierten nicht mehr bloß die Leserschaft des „Feinschmeckers“, sondern ein breites Fernsehpublikum. Die vielen Fernsehköche wie  Rosin, die vor der Kamera brutzeln, sind zu Botschaftern des guten Geschmacks geworden. Köche sind nicht mehr bloß Dienstleister, die in der Küche schwitzen, schuften, schreien und am Ende mit wenig Geld nach Hause gehen. Köche sind heute auch Künstler, Ernährungsberater und Unterhalter.

Die Aufmerksamkeit für das Kochen ist groß, trotzdem bewegen sich viele Sternerestaurants permanent am Rande einer Pleite. Im vergangenen Jahr gab der Düsseldorfer Peter Nöthel seine zwei Sterne im Guide Michelin zurück. Die Auszeichnung war für ihn eine Bürde, eine Last, die er 24 Jahre getragen hat. Nöthels „Hummerstübchen“ gehörte zu den wenigen Restaurants der Spitzenklasse, die sich allein finanzieren müssen. Stephan Gerhard glaubt, dass heute noch rund ein Viertel der Top-Restaurants in Deutschland unabhängig ist und nicht von einem Mäzen oder einem Hotelbetrieb gegenfinanziert werden. Gerhard ist Chef der Unternehmensberatung Treugast, die auf Restaurants spezialisiert ist. Er wird häufig gerufen, wenn zwar das Renommee stimmt, nicht aber die Geschäftszahlen eines Betriebs.

Mit der Begeisterung für das Kochen lässt sich zumindest im Restaurantbetrieb oft nicht genug Geld verdienen. „Der Stern drückt die Anerkennung der Branche aus“, sagt Gerhard. „Früher ergab sich daraus auch wirtschaftlich ein Umsatzplus.“ Früher, das war bevor die steuerliche Absetzbarkeit von Geschäftsessen eingeschränkt wurde. Früher, das war auch vor der Krise, die Firmen zum Sparen zwang und mit der die Zahl der repräsentativen Abendessen sank. Zum Vertragsabschluss muss es nicht unbedingt ein 200 Euro-Menü geben, ein gutes Steak kann auch reichen. Die  Umsatzzahlen der Sternerestaurants brachen massiv ein. Trotzdem bleiben die Personal- und Lebensmittelkosten gleich hoch, ebenso der Anspruch an den Stern, sagt Stephan Gerhard. Es entsteht ein Missverhältnis, das Restaurant schreibt Verluste.

Frank Rosin kennt diese Probleme. Anfang der 1990er Jahre eröffnete er sein Restaurant in Dorsten im Ruhrgebiet. Das größte Problem war in den ersten Jahren immer das Geld, erinnert er sich. In dieser Zeit hat Rosin gelernt, ein Unternehmer zu sein. Er entwickelte ein langfristiges Konzept für seinen Betrieb und er erkannte, dass er wachsen muss, um erfolgreich sein zu können. Er gründete unter anderem eine Catering-Firma. 2009 kam Frank Rosin ins Fernsehen. Im Rückblick ist es eine steile Medienkarriere: Zunächst Auftritte in Reality-Formaten wie dem „Fastfood-Duell“ oder am Freitagabend bei „Kerner kocht“, wenig später bekommt der 47-Jährige eine eigene Sendung. „Rosins Restaurants“ ist eine Art Lebenshilfesendung für Gastronomen, Kochen plus menschliches Drama. Im ZDF tritt Rosin in der „Küchenschlacht“ und bei „Topfgeldjäger“ als Juror auf. Hobbyköche stellen unter Zeitdruck ein Gericht her, Rosin entscheidet, wer in die nächste Runde des Wettbewerbs kommt.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

29.04.2014, 21:02 Uhr

Im TV verdient man eben mehr Kohle als in einer stinkigen Küche.

Account gelöscht!

02.05.2014, 15:12 Uhr

Mich würde es doch brennend interessieren wieviel Frank Rosin bezahlt bekommt, solchen "BRÜHWÜRFEL-QUÄLERLN", die sich auch noch Köche nennen, das eigentlich richtige Handwerk des Kochens, in ihren Kaschemmenküchen, nachträglich beizubringen!

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