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04.01.2008

16:40 Uhr

Lernen von den großen Meistern

Star-Stunden

VonUlrike Wiebrecht

Wenn man von großen Meistern besser lernt, sollte der Skilehrer schon Weltcuperfahrung haben. Oder besser gleich ein Weltmeister sein. Wie Franz Klammer. Der Champion lädt die Gäste von Bad Kleinkirchheim schon mal zum gemeinsamen Skilaufen ein. Von den Großen lernen können Wintersportler aber nicht nur dort.

Steht man einigermaßen sicher auf den Brettern, ist die Franz-Klammer-Abfahrt ein einzigartiges Erlebnis. Foto: dpa

Steht man einigermaßen sicher auf den Brettern, ist die Franz-Klammer-Abfahrt ein einzigartiges Erlebnis. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Bad Kleinkirchheim mischt sich der mehrmalige Weltmeister Franz Klammer immer mal wieder unter Carver und Snowboarder, um die rund hundert Pistenkilometer in den Kärntner Nockbergen hinunterzuwedeln.„Es ist doch ein schönes Familien-Skigebiet“, meint er. „Außerdem bin ich da zu Hause. Warum sollte ich dann hier nicht auch Ski fahren, wenn ich Zeit habe?“ Dass die Lifte nicht die schnellsten sind, scheint ihn nicht zu stören. Dafür hat er ja „seine“ Piste, die nach ihm benannte schwarze Abfahrt, die mit bis zu achtzig Prozent Gefälle Austragungsort diverser Weltcup-Rennen ist. Nach dem Klammer-Stich, einem 600 Meter langen Extrem-Steilhang mit 35 Grad Neigung, geht es steil nach unten. Wer nicht rechtzeitig bremst, könnte nach dem Thermenschuss schon mal im Außenbecken des frisch renovierten Römerbads landen.

Steht man dagegen einigermaßen sicher auf den Brettern, ist die Franz-Klammer-Abfahrt ein einzigartiges Erlebnis. Erst recht, wenn Franz Klammer selbst mitfährt. Dazu besteht in jedem Januar Gelegenheit, wenn der Champion die Gäste von Bad Kleinkirchheim zum gemeinsamen Skilaufen einlädt. „Auf die Kante gehen, Schwung durchziehen und voll in die nächste Kurve beschleunigen“, lautet sein Patentrezept. Allerdings will er den bis zu vierzig Teilnehmern keinen sportlichen Nachhilfeunterricht geben. „Im Vordergrund soll der Spaß stehen“, dämpft er von vornherein allzu große Erwartungen. „Nur wenn ich etwas ganz Gravierendes sehe, greife ich auch mal ein.“

Dann schwingt er sich rasant von der 2 000 Meter hohen Kaiserburg hinunter, deren rote Pisten ideal zum Einfahren sind. Auch wenn sein letzter Sieg in Kitzbühel schon ein paar Jahre zurückliegt – mancher hat Mühe, ihm zu folgen. Doch der 54-Jährige bleibt zwischendurch stehen, wartet, bis wieder alle da sind – und nutzt die Zeit auch gleich, um den Fahrstil der einzelnen Mitfahrer zu begutachten. „Lass deine Hüfte und die Knie stabil“, ruft er einer Skiläuferin zu und passt anschließend genau auf, ob seine Worte auch befolgt werden. „In der Linkskurve geht es schon ganz gut. Aber sieh zu, dass du das auch rechts hinkriegst.“ Mag sein, dass einen ebenso gut ein halbwegs erfahrener Skilehrer auf solche Dinge aufmerksam machen würde. Doch wenn Franz Klammer es tut, wirkt es doppelt. Und schon scheint alles wie von selbst zu laufen.

Und der Einkehrschwung? Auch der wird nicht ausgelassen. Am wohlsten fühlt sich Franz Klammer beim „Weltcup-Poldl“ unter dem Wasserbüffelkopf bei St. Oswald. Wirt Leopold Gruber war selber Weltcup-Starter und ist ein guter Freund des prominenten Kärntners.

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