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16.01.2007

07:01 Uhr

Literarische Reise durch Brandenburg

Fontanes markige Geliebte

VonKerstin Schneider

Die Popularität einer Gegend steigt mit der Prominenz ihrer Besucher. Seit Paulo Coelho, Shirley McLaine und Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg pilgerten, sind Heerscharen dort unterwegs. Vor 100 Jahren war es en vogue, dem Autor Theodor Fontane auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg zu folgen. Eine literarische Spurensuche.

Im Winter ist es hier im Norden Brandenburgs, knappe 60 Kilometer von Berlin, so ruhig, dass die Seen und Buchenwälder eine ganz eigene magische Anziehungskraft entfalten. Nicht auszudenken, wenn die Pilger Kerkeling oder Coelho in die Fußstapfen des großen märkischen Schriftstellers treten würden.

Zwanzig Kilometer und unzählige Seen liegen zwischen den märkischen Städtchen Fürstenberg und Rheinsberg, das durch Kurt Tucholskys „Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte“ Weltruhm erlangte.

Im Wald rund um Rheinsberg und den Stechlinsee sind noch gepflasterte Kutscherwege zu sehen. Theodor Fontane ließ sich auf seinen Touren treiben: „Immer bin ich unterwegs, immer in Bewegung und am liebsten ohne vorgeschriebene Marschroute, ganz nach Lust und Laune.“

Als Tourismuswegbereiter hat Theodor Fontane ganze Arbeit geleistet. Kaum waren 1890 die Feuer in den Öfen der Glasbauhütten in Neuglobsow am Stechlinsee verglüht, setzte hier der Ansturm der Fontane-Verehrer ein. Neben den berühmten „Wanderungen“ lockte sein Altersroman „Der Stechlin“ die Touristen an. Sie suchten auf den Spuren des märkischen Adeligen Dubslav das Schloss Stechlin und lasen sich die Geistergeschichten von Mordbuchen und den roten Hähnen vor, die von Zeit zu Zeit in dem glasklaren Wasser auftauchen sollen. Das wiederum zählt zu den am besten untersuchten Gewässern der Welt, seit am Südufer das Institut für Limnologie steht.

Noch heute profitieren Ort und See von Fontanes Gebrauchsanweisung für die Mark. Auch was die Investitionen betrifft: Die Touristeninformation in Neuglobsow ist ein klotziger Bau, der nicht recht zu den niedrigen Häusern passen will. Dabei war Fontane zunächst nur der kundige Begleiter eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs, denn die Industrialisierung brachte den Glashütten am Stechlinsee den Untergang.

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