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11.12.2014

10:56 Uhr

Londons Kultviertel

Kein Sex mehr in Soho

Einst war Soho berüchtigt wegen seiner Clubs und seiner Party-Kultur. Doch inzwischen ist das Londoner Stadtviertel zum Objekt von Immobilienspekulanten geworden. Dagegen formiert sich nun prominenter Widerstand.

Demonstranten protestieren gegen die Schließung von „Madama Jojo's“ in Soho. Auch Stars trauern um Londons schönen Schmuddel. AFP

Demonstranten protestieren gegen die Schließung von „Madama Jojo's“ in Soho. Auch Stars trauern um Londons schönen Schmuddel.

London„Madame Jojo's“ ist tot. Aber das Dahinscheiden der Londoner Institution ging alles andere als leise vonstatten. Die Schließung des altehrwürdigen Varietés und Nachtclubs hat vielmehr einen Streit zwischen Stadtentwicklern, Bewohnern und Künstlern um die Seele Sohos entfacht – dem Ausgehviertel, Rotlichtbezirk und kreativen Herzen der britischen Hauptstadt.

Mit den wuchernden Immobilienpreisen in London entstehen auch in einst eher zwielichtigen Gegenden reihenweise gläserne Wohntürme und Bürogebäude. Dagegen regt sich Widerstand. Die Gegner, darunter Schauspieler Benedict Cumberbatch („Sherlock“, „12 Years a Slave“), warnen davor, dass Soho das gleiche Schicksal wie dem Times Square in New York widerfahren könnte, der zu einem Touristenviertel ohne Ecken und Kanten geworden sei.

„Ich finde, das ist ein Raub. Ein Raub an den Menschen, die „Madame Jojo's“ besuchen und ein Raub an den Menschen, die dort auftreten“, sagt der Musiker Tim Arnold, der vor dem verschlossenen Eingang des Clubs steht.

London: Achten Sie auf ihr Benehmen

Absolutes Rauchverbot

In allen geschlossenen Räumen! Ob in der Gastronomie, in Büros oder dem öffentlichen Verkehr – in London ist das Rauchen strengstens untersagt.

Nie unbeobachtet

London ist die Stadt mit den meisten Videokameras, die jede Bewegung erspähen und die Aufnahmen notfalls gegen Sie einsetzen – zum Beispiel, wenn Sie in der Öffentlichkeit Alkohol trinken oder einen Zigarettenstummel auf den Boden werfen. Und dann wird’s teuer!

Bitte nicht schubsen

Es ist voll und eng, aber Drängeln ist trotzdem ein absolutes No-Go! Und wenn Sie es doch mal eilig haben, dann überholen Sie die Schlange auf der Rolltreppe von links. Sind Sie geduldig, stehen Sie demnach bitte rechts.

Manieren nicht vergessen

Freundlichkeit und Höflichkeit sind wichtige Elemente der englischen Mentalität und es wäre nett, wenn Sie sie ihnen auch entgegen bringen würden. Zum Beispiel mit einem „excuse me“, wenn Sie an einer im Weg stehenden Person vorbei möchten, mit einem „thanks“, wenn Ihnen jemand die Tür aufhält und am allerbesten mit einem großzügigen Trinkgeld.

Sperrstunde vorverlegt

Warum die Engländer an Ihrem Hotelpool schon am Nachmittag so viel trinken und kurz vor dem Abendessen sturzbetrunken sind? Weil sie es nicht anders kennen. Das Nachtleben in London ist zwar stürmisch, aber kurz. Pubs schließen gegen 23 Uhr, Bars schon um 2 Uhr. Nur in den Clubs kann das Licht erst in den frühen Morgenstunden angehen.

Geht gar nicht: Intoleranz

In London leben über 30 Kulturen zusammen, wovon nur knapp über 50 Prozent Christen und ein Drittel ausländischer Herkunft sind. Dass Sie in London vielen Hindus, Muslimen oder Buddhisten begegnen, sollte Sie vorab vor unangebrachter Intoleranz oder gar lautstarkem Protest warnen. Denn diese multikulturelle Vielfalt ist das, was London zu der Stadt gemacht hat, die Sie jetzt bewundern.

Was nicht passt, muss draußen bleiben

Das Luxuskaufhaus Harrods erlaubt sich eine harte Tür- und Verhaltensphilosophie. Zwar darf in der Regel jeder das Haus betreten, doch dieser jeder muss gepflegt erscheinen. Tabu sind subkulturelle Kleidungsstücke, große Jugendgruppen und Rucksäcke am Rücken – nehmen Sie diese in die Hand, ist die Aufsicht vielleicht sogar gnädig.

Der Singer-Songwriter, der als Soho Hobo auftritt, hat Freunde und Kollegen um sich geschart, neben Cumberbatch und dem Schauspieler und Comedian Stephen Fry auch Roger Daltrey, den Sänger der legendären Band The Who. Ihr Ziel: Die Schließung rückgängig machen.

In Arnolds Ader fließt Soho-Blut. Seine Großmutter trat in verschiedenen Zirkus- und Varieté-Shows auf, seine Mutter war ein „Windmill Girl“ in Sohos erstem Nacktrevue-Club, dem „Windmill Theatre“. Arnold hat über die Jahre viele Musikclubs schließen sehen, aber der Verlust von „Madame Jojo's“ brachte das Fass schließlich zum Überlaufen.

Neben der Art-Deco-Einrichtung machten den Club vor allem seine bunte Auswahl von Musikern zwischen Adam Ant bis Adele, von DJs, Comedians, Burlesk-, Travestie- und Cabaret-Shows zum Kult. „Alle Bereiche der Kultur leben in Soho zusammen“, sagt Arnold. „Madame Jojo's“ sei ein Symbol für diese Vielfältigkeit gewesen. „Es ist ein Mikrokosmos mit all dem, was wir uns von der Welt wünschen.“

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