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23.10.2011

09:42 Uhr

Luxus-Label für alle?

Versaces Scheitern mit einer H&M-Kollektion

VonYavi Bartula

Versace für die Massen: Ab Mitte November hängt Donatellas Mainstream-Kollektion bei H&M. Es ist der Versuch, für den durchschnittlichen Mode-Fan zu produzieren. Das Luxus-Label scheitert jedoch an der Alltagstauglichkeit.

Eines ist garantiert: Mit dieser Hose und Korsage ist Frau Mittelpunkt jeder Party. PR Versace

Eines ist garantiert: Mit dieser Hose und Korsage ist Frau Mittelpunkt jeder Party.

DüsseldorfKarl Lagerfeld, Lanvin oder Jimmy Choo haben's erfolgreich vorgemacht, jetzt zieht Donatella Versace nach: Sie kooperiert mit H&M und designt für Herbst und Frühjahr eine Capsule Collection für „normale" Modefans. Doch sie paust nicht bei ihren Vorgängern ab, sondern kreiert ganz im Stil von Versace ihre eigenen unverwechselbaren Kunstwerke.

Glamourös, elegant und prächtig – so präsentiert sich Versace bereits seit mehr als 30 Jahren und verkauft Kleidung, (Wohn-)Accessoires und Kosmetika im höchsten Preissegment. Auf ihren charakteristischen Stil verzichtet Donatella auch bei ihrer H&M-Kollektion nicht, schraubt jedoch großzügig am Preis. Tücher und Leggings gibt es schon für 29,95 Euro, Taschen und Schuhe ab 99 Euro, Kleider und Jacken kosten bis zu 299 Euro.

Das Versace-Kissen kann ab dem 17.11. für 39,90 Euro jedem gehören. PR Versace

Das Versace-Kissen kann ab dem 17.11. für 39,90 Euro jedem gehören.

Damit sind die Stücke zwar immer noch keine Schnäppchen, für Markenfanatiker aber ein fairer Deal. Für den lohnt es sich sogar, am frühen Morgen des 17. Novembers lange vor Einlassbeginn gute Startplätze in unmittelbarer Nähe der Sicherheitsmänner zu sichern. Erfahrene Starkollektion-Jäger kennen das aus vergangenen Saisons, als bereits andere Mode-Götter in die Niederrungen des Massenverkaufs hinab stiegen und ihre Stücke bei H&M an die Stangen hängen lies: Man muss schnell sein, am besten schon vorher genau wissen, was man will. Bekanntlich gibt es noch am Nachmittag nur noch Restposten.

Die Frage ist, ob es sich diesmal wirklich lohnt. Donatella Versace war sehr bemüht, ihrer Linie treu zu bleiben und sogar noch eins draufzusetzen. Als ob sie ihre bisher durch Schönheitsop’s gesicherte Jugendlichkeit auch in ihren Werken manifestieren wolle, überbietet sie sich diesmal in Farben, Verzierungen und Mustern. Diese Kollektion ist nicht einfach nur schick und prunkvoll, sondern zusätzlich auch wild, rockig, kitschig und grell.

Kommentare (3)

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ocean1973

23.10.2011, 22:44 Uhr

wie kommt man zu so einer meinung??? jeder der sich auch nur ein bischen für designermode interressiert wird die entwürfe von versace goes h&m absolut großartig finden...es ist eine zeitreise durch jahre und collectionen....

mary_alexandra

24.10.2011, 18:58 Uhr

die quintessenz des artikels scheint wohl etwas an dir vorbeigegangen zu sein, ocean1973?!
schließlich wird hier an keiner stelle die qualität des labels oder gar der kollektion angezweifelt, es wird lediglich verdeutlicht, dass der otto-normal-verbraucher in diesem look etwas deplatziert wirken dürfte.
allein colour blocking hat die menschen hier zulande in diesem sommer schon überfordert,weshalb die neon farben schnell wieder platz machen mussten für weitaus leichter verträgliche pastell-töne...
nicht die kollektion an sich ist gescheitert, sondern der versuch etwas für die große masse zu schöpfen. jenes allerdings bedurfte gar keines versuches, da kunst nicht immer etwas für die große masse sein sollte, sondern lediglich für den kenner und liebhaber!
super artikel!

IanKognito

24.10.2011, 21:57 Uhr

Die Kritik an der Kollektion ist scharf beobachtet, treffend und mit einem Augenzwinkern nicht allzu eingrenzend, was es angenehm gemacht hat, den Artikel zu lesen.

Der erste Kommentar auf der Seite hingegen schmeckt fade …

Die folgende Kritik macht selbst nicht den Anspruch des Karamellbonbons, versucht aber den Drops zu lutschen:

Die Frage die sich der Modeinteressierte stellen sollte ist doch vielmehr die, warum es H&M brauch um einen Kanon der letzten Modejahrzehnte durch Versace alleine, in einer einzigen Kollektion um die Ohren geklatscht zu bekommen − ob nun schick oder nicht sei dahin gestellt. Die Pluralität im Geschmack und in der Mode ist eine Chance für jedes einzelne Unternehmen seine Stärke hervorzuheben, mit H&M zu kooperieren, mag den Bekanntheitsgrad der eigene Marke fördern, entspricht aber eigentlich nicht den Prinzipien, die sich eine highclass Marke verpflichtet fühlen sollte. Aber selbst das Argument ist irrelevant, denn zu enge Grenzen waren noch nie von Vorteil und produktiv für die freie Entfaltung sowie Experimentierfreudigkeit. Nur, begegnen wir hier einer der Kriterien? Was H&M angeht, so ist die Firma eine Kette, die sich auf das Kopieren von Trends spezialisiert hat und sowieso abkupfert was das Zeug hält. Eine eigene Linie innerhalb dieser Idee zu etablieren, stellt die eigenen Ansprüche in den Schatten einer Massentauglichkeit. Wer Lust empfindet, im Strom der verschwimmenden Grenzen, des ästhetischen Modepluralismus zu paddeln und ein Bad im Versace-Tümpel zu nehmen, der wird mit der neuen Kollektion gut und erfrischt von dort herauskommen. Die Kritiker werden weiterhin gegen den Strom schwimmen und sich nicht blenden lassen von der Farbenfroheit, die einem hier geboten wird. Fazit der Postmoderne: Es ist für jeden was dabei… greift zu oder lasst es.

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