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22.09.2011

17:12 Uhr

Markenschutz

Skurriler Kampf um Bier und Käse

Der Streit um Bier und Käse aus Bayern beschäftigt zum Oktoberfest die Gerichte. Wann darf Obazda so heißen und darf sich eine holländische Brauerei „Bavaria“ nennen?

Bei ihren Leib- und Magenspeisen kennen die Bayern kein Pardon, weder beim Gebräu aus Hopfen und Malz noch bei gemischten Käseresten. Ginge es nach der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft, soll künftig nur noch Obazda heißen, was auch in Bayern hergestellt wurde. Dann dürfte auch etwa einer der größten Obazda-Hersteller „Pflaum's feine Frische“, der das Bayrische Käsegemisch seit Jahrzehnten produziert und damit gerade jetzt zum Oktoberfest besonders viel davon an die Biergärten ausliefert, seine Obazda nicht mehr so nennen.

Obazda mit Zwiebeln (links) wird in den Festzelten auf dem Oktoberfest in München serviert. dpa

Obazda mit Zwiebeln (links) wird in den Festzelten auf dem Oktoberfest in München serviert.

Denn das Unternehmen sitzt in Leutkirch im Allgäu und damit zwei Kilometer hinter der bayrischen Grenze. Daher hat Pflaum gegen den Antrag der Bayrischen Milchwirtschaft, dass Obazda künftig eine GGA, eine „Geschütze Geografische Angabe“ wird, Einspruch eingelegt - und erstmal recht bekommen. Das Bundespatentgericht in München hat am Donnerstag eine Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamts auf. Damit ist der Streit aber noch nicht zu Ende. Das Patent- und Markenamt muss neu prüfen. Die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft hatte argumentiert, dass der Markt ohne den gesetzlichen geografischen Schutz bald von sächsischen, spanischen und chinesischen Billigimitationen überrollt werden.

Was ist Obazda?

Wie ist Obazda entstanden?

Ursprünglich diente der Obazda zur Verwertung weich gewordener Käse-Reste. Sie wurden zusammengemischt - bayerisch: „obazd“ – und mit Gewürzen angemacht. Im 19. Jahrhundert, als der Obazda aufkam, gab es keinen Kühlschrank - man wollte aber kräftig gereiften Käse nicht wegwerfen.

Was ist drin?

Die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft hat dazu eine Rahmenrezeptur entwickelt. Sie entspreche früheren Rezepturen, die dafür eigens recherchiert worden seien:  - 40 bis 60 Prozent Camembert und/oder Brie, wahlweise zusätzlich Romadur und/oder Limburger, Frischkäse, Butter, Gewürze und Gewürzextrakte, Zwiebeln und Salz.

Was darf auf keinen Fall in den Obazda?

Nach althergebrachter Herstellungsweise dürften aber keine Konservierungsstoffe und keine Verdickungsmittel verwendet werden.

Was ist bei der Herstellung umstritten?

Nach der „Rahmenrezeptur“ soll noch Rahm und Molkeneiweiß zum Obazdn zugegeben werden dürfen. Durch Rahm werde der Obazde abgefettet, wodurch er leichter bekömmlich sei und streichfähiger werde. Molkeneiweiß erhöhe die Eiweißwertigkeit des Obazda, die durch den Butter- und Rahmzusatz etwas verloren geht. Des Weiteren verhindere das Molkeneiweiß ein Ausölen des Obazdn bei der Thermisierung. Gerade diese Wärmebehandlung ist umstritten. Denn viele Firmen machen den Käse „kalt“ haltbar durch den Konservierungsstoff Sorbinsäure mit dem Argument, der Käse werde sonst breiig und verändere den Geschmack.

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