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04.05.2011

15:30 Uhr

Müngstener Brücke gesperrt

Bahn vergisst Passagiere bei Kalkulation

Seit Monaten ist Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke gesperrt: Die Bahn saniert das Konstrukt zwischen Solingen und Remscheid. Für Züge ist die Strecke zwar freigegeben, die können allerdings nur ohne Passagiere fahren.

Die Müngstener Brücke ist 107 Meter hoch - Deutschlandrekord. Quelle: dpa

Die Müngstener Brücke ist 107 Meter hoch - Deutschlandrekord.

SolingenMehrfach musste die Bahn die angekündigte Wiedereröffnung der Müngstener Brücke im Bergischen Land verschieben. Der jüngste Grund ist besonders ungewöhnlich: Die Bahn hat die Passagiere vergessen. Im Antrag an das Eisenbahnbundesamt (EBA) wurde das Leergewicht eines Zuges zugrunde gelegt. „Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck an den statischen Berechnungen mit dem neuen Gewicht“, sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch in Düsseldorf. Wann wieder Personenzüge über die Brücke rollen dürfen, ist offen.

Die denkmalgeschützte Bogenbrücke verbindet in Nordrhein-Westfalen Solingen mit Remscheid. Vor 112 Jahren wurde sie über das Flusstal der Wupper gebaut. Die Stahlkonstruktion ist 107 Meter hoch und 465 Meter lang.

Vor einem Jahr hatte das Eisenbahnbundesamt die Bahn aufgefordert, die Standsicherheit der Brücke nachzuweisen. Bis dahin sollten Züge das Bauwerk nur noch in Schrittgeschwindigkeit passieren. Im November sperrte die Bahn die Müngstener Brücke dann überraschend - wegen Sanierungsarbeiten. Seitdem müssen die Passagiere - täglich mehrere Tausend - das Tal mit Bussen durchqueren. Eigentlich sollte die Sperrung noch 2010 wieder aufgehoben werden, doch der Frost machte der Bahn einen Strich durch die Rechnung und verzögerte die Arbeiten.

Vor einigen Wochen reichte die Bahn dann einen Genehmigungsantrag beim EBA ein. „Darin war für die Züge teilweise ein Gesamtgewicht von 69,9 Tonnen angegeben“, sagte der Bahnsprecher. „Kurioserweise stellte sich dann aber heraus, dass es sich dabei um das Leergewicht der Züge handelte. Mit Passagieren muss man von 81 Tonnen ausgehen.“

Die erteilte Genehmigung des EBA erlaubte ein Zug-Gesamtgewicht von 72 Tonnen, bei einer Achslast von zehn Tonnen. „Züge, die diese Vorgaben einhalten, dürfen die Brücke befahren“, sagte ein EBA-Sprecher am Mittwoch. Doch Anfang der Woche scheiterten sogar Probefahrten mit leeren Zügen: Das Achsgewicht war zu groß. „Die Bahn muss jetzt neue statische Berechnungen durchführen und bei uns einreichen“, sagte der EBA-Sprecher.

Dies soll nach Angaben des Bahnsprechers „schnellstmöglich“ geschehen - allerdings mit der notwendigen Sorgfalt, „damit das dieses Mal 150-prozentig klappt“

Von

dpa

Kommentare (2)

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derostenistrot

05.05.2011, 08:44 Uhr

wurde die Berechnung von den hochgelobten und hervorragend ausgebildeten Migrationsingenieuren durchgeführt, oder gar in China oder Indien in Auftrag gegeben?

dano1952

05.05.2011, 12:26 Uhr

Es spielt keine Rolle, wer die Berechnung durchgeführt hat, sondern, wer hat die Daten für den Auftrag geliefert - die hochbezahlten Deutsche Bahn Manager, die dafür keine Konsquenzen tragen.
Wer zahlt - wir, die Kunden und die Steuerzahler.

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