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21.01.2007

10:25 Uhr

Nach orkan

Bahnverkehr weitgehend wieder nach Fahrplan

Nach dem Wüten des Orkans hat sich der Schienenverkehr in Deutschland wieder normalisiert. Die Bahn teilte mit, dass die Züge des Nah- und Fernverkehrs wieder weitgehend nach Fahrplan rollten. Allerdings droht den Reisenden neues Unheil.

HB FRANKFURT. Nach dem Sturm muss sich Deutschland nun auf Schnee einstellen. Bereits am Sonntag soll es im Bergland die ersten Schneefälle geben, zu Wochenbeginn wird es dann auch im Flachland immer kälter, und es soll auch dort schneien, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Zünftiger Schneefall ist demnach im Süden und Osten zu erwarten, aber auch der Rest des Landes darf auf ein paar Schneeschauer hoffen.

Beeinträchtigungen wegen gesperrter Streckenabschnitte und notwendiger Reparaturen an Gleisen und Oberleitungen durch den Orkan "Kyrill" gab es indes nur noch in Teilen Nordrhein-Westfalens sowie auf einzelnen Nahverkehrsstrecken in Brandenburg. In Ostdeutschland waren am Samstag noch tausende Menschen ohne Strom. Reparaturarbeiten senkten aber kontinuierlich die Zahl der Unversorgten.

Trotzdem hält die Kritik am Katastrophen-Management der Deutschen Bahn an: Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann erklärte in der „Neuen Presse“ in Hannover, der Stopp des Zugverkehrs sei zwar richtig gewesen, aber die Information der Kunden „katastrophal und stümperhaft“. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, es habe offensichtlich keinen ausreichenden Notfallplan gegeben.

Bahnsprecher Martin Walden sagte, bei dem kompletten Fahrstopp sei es für die Sicherheit der Passagiere am wichtigsten gewesen, dass die Züge nicht auf freier Strecke, sondern in Bahnhöfen hielten. Die Entscheidung sei zum richtigen Zeitpunkt gefallen, andernfalls hätte der Bahnverkehr erst mit viel größeren Verzögerungen wieder aufgenommen werden können. „Unter dem Eindruck des Störumfangs und der Zeit, die insgesamt vergangen ist, sind wir sehr zufrieden mit dem, was wir zu Stande gebracht haben“, betonte Walden. Das Unternehmen versprach Kulanz bei Entschädigungsfragen, obwohl wegen „höherer Gewalt“ kein Rechtsanspruch darauf besteht.

Unionspolitiker nahmen die Bahn in Schutz. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte der „Welt“, die Bevölkerung habe sehr gelassen reagiert und gut verstanden, dass es richtig gewesen sei, Züge nicht fahren zu lassen. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Hans-Peter Friedrich sagte der „Neuen Presse“, Warn- und Krisenpläne hätten funktioniert, auch bei den Verkehrsunternehmen: „Für die Sicherheit muss im Zusammenhang mit Naturkatastrophen alles getan werden. Dass gleichzeitig die alltäglichen Abläufe nach Fahrplan funktionieren, kann keiner erwarten.“

Kritik gab es auch wegen der Sturmschäden am Neubau des Berliner Hauptbahnhofs. „Man muss fragen, ob es nicht durch hemdsärmlige Einsparungen beim Bau des Hauptbahnhofes zu Mängeln gekommen ist“, sagte Hermann. Die Berliner Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, sprach sich im „Spiegel“ für die Suche nach möglichen Konstruktionsfehlern aus.

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