Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.08.2012

13:53 Uhr

Neuer Katalog

Ikea lässt die Sofas tanzen

VonDésirée Linde

Eine App soll den neuen Ikea-Katalog zum Leben erwecken – etwa durch Videos mit tanzenden Sofas. Die abrufbaren Extras sind aber wie ein Ikea-Möbel, bei dem man zum Ende des Aufbaus merkt, dass die letzte Schraube fehlt.

Füllt bald die deutschen Briefkästen: der neue Ikea-Katalog. Ikea

Füllt bald die deutschen Briefkästen: der neue Ikea-Katalog.

DüsseldorfIkea glaubt, sie gefunden zu haben: die letzte fehlende Schraube. Die, die dem schwedischen Unternehmen an dem Möbelstück fehlte, das in die digitale Innovation führen soll. Die neue Schraube heißt App und das alte Möbel Katalog.

Bis Mitte September landen von den 31 Millionen Exemplaren des 336 Seiten starten Druckwerks fast 26,5 Millionen in den deutschen Hausfluren. Der Katalog lebt bei Ikea weiter. Dabei ist er ein Relikt aus Zeiten, in denen noch ständig die Kanne Filterkaffee auf den deutschen Küchentischen stand und Tapeten mit beigefarbenem Ringelmuster noch schick waren. Als man noch schick sagte.

Spätestens mit dem Ende der großen Versandhäuser war auch das Ende des Katalogs eingeläutet. Während der Quelle-Katalog 2010 zum letzten Mal in den deutschen Briefkästen lag, hat auch Otto – der letzte große Riese – nur noch eine Auflage von rund fünf Millionen Stück. Auch der letzte Neckermann-Katalog ist längst ausgeliefert.

Doch bei dem Möbel-Riesen verhält es sich anders: Der Katalog ist nicht Pfeiler des Unternehmens, es ist ein launiges Add-On für echte Ikea-Fans, unter denen die „Einrichtungsbibel“ längst Kultstatus hat. Und ein solches Add-On ist auch die App selbst, die die Ikea-Möbel „zum Leben erwecken“ soll. Durch sie will Ikea das angestaubte Prinzip Katalog in die hippe Moderne führen.

Die Geschichte von Ikea

1943 - Gründung

Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

1948 - Möbel im Sortiment

Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

1951 - Der erste Katalog

Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

1956 - Möbel zum Selbstbauen

Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

1958 - Das erste Einrichtungshaus

Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

1963 - Ikea expandiert ins Ausland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

1974 - Ikea kommt nach Deutschland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

1979/2 - Klippan feiert Premiere

Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

1984 - Ikea Family wird gegründet

Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

1985 - Ikea erreicht die USA

Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

1991 - Ikea nutzt die Wende

Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

1998 - Ikea expandiert nach China

Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

1999 - Anders löst Anders ab

Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

2000 - Ikea startet Online-hop

Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Leben auf den geduldigen Seiten Papier soll das Prinzip der Augmented Reality (etwa „erweiterte Realität“) bringen. Auf gut 40 der 336 Seiten ist ein stilisiertes Smartphone abgebildet. Hält man sein echtes Smartphone (mit installierter App) in etwa 30 Zentimetern darüber und drückt den angezeigten Scan-Button, öffnen sich plötzlich Schranktüren, man kann Möbelstücke drehen, den Esstisch erweitern oder sehen, dass man auf der Arbeitsplatte der Küche Teig ausrollen oder Tischtennis spielen kann.

Oder man hört Ikeas Creative Director Mats Nilsson in einem Video erläutern, was er sich bei der auf der Katalogseite gezeigten neuen Design-Kollektion gedacht hat. In einem anderen Video beginnen Sofas zu tanzen. Meist aber besteht die erweiterte Realität via Smartphone in weiteren Bildern der Möbelstücke. Wer kein Smartphone hat, kann sich immerhin einen Teil der Augmented Reality auch über die Homepage holen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×