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29.06.2017

16:24 Uhr

Öko-Test

Krebsgefahr durch Mineralöl in der Schokolade

VonThomas Schmitt

Nicht nur Zucker, auch Mineralöl in der Schokolade kann die Gesundheit gefährden. Besonders bedenklich: In fast jeder stark verkauften Sorte sind gefährliche Stoffe nachweisbar. Gewinner und Verlierer im Schoko-Test.

Die Redaktion von Öko-Test hat 40 bekannte Schokoladen-Sorten untersucht. Das Ergebnis ist alarmierend. dapd

Unbeschwerter Genuss?

Die Redaktion von Öko-Test hat 40 bekannte Schokoladen-Sorten untersucht. Das Ergebnis ist alarmierend.

DüsseldorfDass Schokolade meistens süß ist, recht viel Zucker enthält und schlecht für die Figur sein kann, wissen die meisten Verbraucher inzwischen. Dass außerdem auch Stoffe enthalten sind, die ein Ekelgefühl entstehen lassen, ist noch nicht so bekannt. Öko-Test hat nun erneut das Thema Mineralöl in der Schokolade aufgegriffen.

Viel Aufsehen erregte bereits der wissenschaftliche Nachweis, dass Aldi-Schokolade in China mit Mineralöl belastet ist. Für das neue Heft hat die Öko-Test-Redaktion 40 Sorten in Deutschland eingekauft und auf Spuren von Mineralölkohlenwasserstoffe getestet. Sie stammen in erster Linie aus dem Rohöl oder aus der Verarbeitung von Kohle und Erdgas.

Öko-Test: Ein Gewinner und viele Verlierer im Schoko-Test

Worum geht es?

Um Stoffe, die in erster Linie aus Rohöl stammen: Die gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffe, die MOSH – das steht für „mineral oil saturated hydrocarbons“ – und die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe, sogenannte MOAH. Diese Abkürzung steht für „mineral oil aromatic hydrocarbons“.

Quelle: Öko-Test, Heft 7/2017

Test

Alle 40 Schokoladen im Test enthalten MOSH, jede vierte zudem die unter Krebsverdacht stehenden MOAH.

Geringe Belastung

Immerhin zwölf Schokoladen kritisieren die Tester „nur“ aufgrund erhöhter MOSH-Gehalte.

Aldi-Marken

Sehr auffällig ist die unterschiedliche Belastung der Aldi-Süd-Marken Moser Roth und Choceur, die vom selben Hersteller stammen.

Geringe Verunreinigung

Außer Aldi-Süd-Marke Choceur fallen Ritter Sport und Feodora positiv auf. Unter den 13 mit „nicht belastet“ oder „leicht belastet“ bewerteten Schokoladen sind sie am geringsten verunreinigt.

Testsieger

Produkt: Aldi Süd Choceur Feinherb Nuss

Preis pro 100 Gramm: 0,70 Euro

MOSH/POSH: Spuren

MOAH: nein

Testergebnis Mineralöl: nicht belastet

Leichte Belastung

Kinder Schokolade, Lindt Les Grandes 34% Haselnüsse, Milka Weisse Schokolade, Ritter Sport Voll-Nuss und Ritter Sport Weiss + Crisp.

Extreme Belastung

Hachez Ecuador Edel Zartbitter Chocolade, Ja! Zartbitter Schokolade, J.D. Gross Edelschokolade Arriba Superieur, Moser Roth Bourbon Vanille und Moser Roth Caramel.

Extreme Belastung

Moser Roth Edel Bitter 70% Cacao, Moser Roth Edel Bitter 85% Cacao, Moser Roth Edel Vollmilch und Tip Schokolade Alpenmilch.

Test-Verlierer

Die mit Abstand höchste Verunreinigung steckt in der Ja! Zartbitter Schokolade von Rewe. Der gemessene Wert ist zehnmal (!) so hoch wie die höchste Abwertungsstufe im Test.

Chemisch betrachtet geht es um tausende Verbindungen in zwei Hauptgruppen: gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe, die MOSH („mineral oil saturated hydrocarbons“), und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, die MOAH („mineral oil aromatic hydrocarbons“). Der gesamte Bereich ist noch nicht gut erforscht, deshalb sind zur Gefährlichkeit bisher nur Tendenzaussagen möglich.

„Klar ist, dass MOSH sich in Lymphknoten, Leber, Milz und Fettgewebe anreichern und Organe schädigen können – im Tierversuch haben Wissenschaftler Schäden an Leber und Lymphknoten nachgewiesen“, stellt Öko-Test fest. „MOAH sind noch bedenklicher: In dieser Gruppe befinden sich Substanzen, die in geringsten Mengen Krebs erregen können.“

Definitiv unter Krebsverdacht stehe die Gruppe der aromatischen Kohlenwasserstoffe, deren chemischer Aufbau aus drei bis sieben Ringsystemen bestehe, berichtet die oberste europäische Lebensmittelbehörde Efsa. Den Umkehrschluss, dass die übrigen Verbindungen unbedenklich seien, zögen daraus aber nur besonders mutige Lebensmittelhersteller.

Mineralöl haben Verbraucherschützer inzwischen in vielen Lebensmitteln festgestellt. Übertragen wird es vor allem durch die Verpackung. Kartonverpackungen seien besonders kritisch, wenn sie aus Altpapier beständen, das Mineralöl aus Druckfarben enthalte. Auch Umkartons, die beim Transport oder für die Lagerung im Supermarkt verwendet werden, könnten eine Quelle sein.

Kommentare (3)

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Herr Holger Narrog

30.06.2017, 08:35 Uhr

Der Artikel ist sehr selektiv und geeignet/beabsichtigt irrationale ökoreligiöse Ängste zu schüren.

Sehr wahrscheinlich ist mit dem Lesen des Handelsblatts (Drucktinten aus Diesel + Russ) eine grössere MOSH/MOAH Exposition verbunden als das Essen von Schokolade.

Grundsätzlich kommen wir in allen Lebensbereichen mit Mineralölbestandteilen in Berührung. Die wesentlichsten Quellen sind das Auto/Tanken, Abgase älterer Autos ohne Kat, der Heizöltank. Mit einer GC Analyse lassen sich auch geringste Spuren auch in Lebensmitteln nachweisen. Die Aufnahme dieser Stoffe über Lebensmittel ist jedoch im Vergleich zu den anderen Expositionen sehr gering.

Man unterscheidet zwischen MOAH (Aromatische Kohlenwasserstoffe), MOSH (Nicht-aromatische Kohlenwasserstoffe), POSH (Kohlenwasserstoffe die für den Lebensmittelkontakt explizit zugelassen sind). Vielfach werden POSH und auch natürliche Kohlenwasserstoffe im Lebensmittel bei der GC Analyse als MOSH detektiert.

Bei einigen MOAH besteht der Verdacht das diese krebsauslösend wirken können. Dies wurde in Tests mit sehr viel höheren Dosierungen ermittelt als diese im normalen Leben aufgenommen werden. Die im Artikel genannten " Definitiv unter Krebsverdacht stehe die Gruppe der aromatischen Kohlenwasserstoffe, deren chemischer Aufbau aus drei bis sieben Ringsystemen bestehe". Diese Moleküle gehen bei Raumtemperaturen nicht in die Gasphase über und sind demzufolge nicht im Lebensmittel zu erwarten.

Der Eintrag sehr geringfügiger Spuren an MOSH/MOAH in die Schokolade geschieht über mit Dieselöl behandelte Jutesäcke in den Kakaoernteländern. Ähnliches findet man bei Reis, tropischen Nüssen etc.. Eine weitere Eintragsquelle sind Wellpappkartons, Zeitungsdruckfarben bestehen aus Dieselöl und Russ. Beim Papierrecycling gelangen diese in die Wellpappe ( Die grössere Exposition ist wohl das Lesen von Zeitungen).

Herr Holger Narrog

30.06.2017, 08:49 Uhr

Teil 2 Lebensmittelrechtliche Situation

Aktuell gibt es keine expliziten Grenzwerte für Mineralöl (MOSH/MOAH) in Lebensmitteln. Man kann einen solchen Wert über das Lebensmittelrecht in der EU über die EU Direktive 1935/2004 allenfalls indirekt herleiten.

Aufgrund des Medienhypes in Deutschland ist das BfR (Bundesamt für Risikobewertung) aktiv geworden und hatte Entwürfe für eine Empfehlung veröffentlicht.

Da der Medienhype um MOSH/MOAH weitgehend auf den Deutschsprachigen Raum begrenzt ist, ist die EFSA (EU) bislang nicht aktiv geworden, bzw. priorisiert andere Themen. Eine europäische Regelung wird noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen.

Herr Holger Narrog

30.06.2017, 09:25 Uhr

Teil 3 Rolle der Zeitungen im Rahmen der "Krebsgefahr durch Mineralöl" in Lebensmitteln.

Mit dem Anfassen der Zeitung bekommt man schwarze Finger. Dies liegt daran dass die Druckfarben aus Dieselöl+Russ bestehen. Die Aufnahme von Mineralölbestandteilen beim regelmässigen lesen der Zeitung ist wahrscheinlich grösser als die beim Essen von Lebensmitteln.

Die ausgelesenen Zeitungen werden als Altpapier recycled. Dieses Altpapier kommt regelmässig in Faltschachteln und Wellpappkartons zum Einsatz. MOSH/MOAH aus Zeitungsaltpapier ist die bedeutendste Kontaminationsquelle in Lebensmitteln.

Insofern beschwört man einen Hype den die gedruckten Zeitungen wesentlich verursacht haben.

Mögliche Abhilfe: Nutzen anderer, teurerer Druckfarben für den Zeitungsdruck.

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