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18.01.2007

22:31 Uhr

Orkantief „Kyrill“

Viele Züge dürften auch am Freitag stehen

Während Teile Nordwestdeutschlands gegen 21 Uhr die schlimmsten Folgen von Orkan „Kyrill“ hinter sich hatten, wurde das Sturmzentrum gegen Mitternacht in Berlin erwartet. Die Bahn hat ihre Kunden unterdessen darauf vorbereitet, dass die Züge auch am Freitag wohl nicht wie gewohnt verkehren werden.

"Kyrill" tobt über Deutschland. Quelle: Reuters

"Kyrill" tobt über Deutschland. Quelle: Reuters

HB HAMBURG/BERLIN. Durch den schwersten Sturm seit Jahren sind am Donnerstag in Deutschland mindestens sechs Menschen getötet worden und schwere Schäden entstanden. Zehntausende Reisende saßen fest, da die Bahn ihren Zugverkehr am Abend bis auf wenige Ausnahmen bundesweit stoppte. Auch im Flugverkehr gab es starke Beeinträchtigungen. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu knapp 200 Kilometern in der Stunde fegte der Orkan seit dem Mittag über Deutschland hinweg. Auch in Großbritannien und den Niederlanden kamen mehrere Menschen durch den Orkan um.

Ein zweijähriges Mädchen wurde nach Angaben der Polizei im Münchener Stadtteil Milbertshofen von einer Balkontür erschlagen, die der Sturm aus den Angeln gehoben hatte. Bei Augsburg begrub ein Scheunentor einen 73-Jährigen unter sich. In der Nähe von Heidelberg wurde ein Autofahrer getötet, als er einem umstürzenden Baum ausweichen wollte. Im nordrhein-westfälischen Lippstadt kam nach Angaben der Polizei eine Frau ums Leben, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. Auch in Hildesheim wurde ein Mann von einem Baum erschlagen. In Groß Rodensleben in Sachsen-Anhalt starb ein Mann, als die Wand eines Gasthauses einstürzte. Drei weitere Männer konnten nach Angaben der Polizei in Halberstadt verletzt unter den Trümmern der Mauer gerettet werden.

Bis Freitagmorgen sollte der Orkan nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes über Deutschland hinweg gezogen sein. Nach den stärksten Sturmböen am Abend wurde an der Nordseeküste in der Nacht eine schwere Sturmflut erwartet. Allerdings sollte sie nach Angaben der Behörden mit rund zweieinhalb Metern über dem mittleren Hochwasser einen Meter geringer ausfallen als noch am Morgen vorhergesagt.

Die Bahn erklärte die Einstellung des Zugverkehrs damit, dass die Sicherheit der Reisenden an erster Stelle stehe. Zehntausende Reisende saßen fest. Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte: „Wir liegen - das hatten wir noch nie in dieser Form - still.“ Das Bahnpersonal sei vielerorts aus dem Feierabend zurückgerufen worden. Auf Bahnhöfen würden Decken und Tee bereitgestellt und Notunterkünfte aufgemacht. Bahnmitarbeiter verteilten auch Gutscheine für Hotels und Taxis. Nach Angaben Mehdorns gab es bis zum Abend keine ernst zu nehmenden Unfälle. In der Nähe von Osnabrück saß am Abend nach seinen Angaben auf freier Strecke ein IC mit etwa 180 Fahrgästen fest. In Schleswig-Holstein war am Nachmittag zwischen Elmshorn und Westerland ein Inter City auf einen von dem Orkan entwurzelten Baum aufgefahren. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon.

Die Bahn rechnet damit, dass ein normaler Betrieb am Freitag unmöglich sein wird. Das gelte für den Fernverkehr wie den Nahverkehr, teilte der Konzern mit. Zahlreiche Bahnstrecken seien wegen umgestürzter Bäume und abgerissener Oberleitungen nicht befahrbar. Die Aufräumarbeiten würden die ganze Nacht und teilweise darüber hinaus andauern. Die Bahn empfahl ihren Kunden, sich frühzeitig über die aktuellen Reisemöglichkeiten zu informieren und auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten. Am frühen Morgen will die Bahn die Lage neu beurteilen und dann darüber informieren.

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