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07.01.2010

15:02 Uhr

Ost-West-Achse

Bahn meldet nach Zugunglücken weniger Verspätungen

Nach zwei Zugunglücken auf der wichtigen Ost-West-Achse der Bahn zwischen dem Rheinland und Berlin ist der Verkehr am Donnerstag langsam wieder angelaufen. Mit Verspätungen sei aber zu rechen, teilte ein Bahnsprecher am Morgen mit.

In Vennebeck bei Minden sprangen mehrere Waggons aus den Schienen. dpa

In Vennebeck bei Minden sprangen mehrere Waggons aus den Schienen.

VENNEBECK/NEUBECKUM. Auf der Strecke hatte es vor allem am Mittwoch erhebliche Behinderungen gegeben, verschiedene Abschnitte für den Nah- und Fernverkehr waren gesperrt. Am Mittwochnachmittag waren nahe Vennebeck bei Minden mehrere Waggons eines Güterzugs entgleist. Nur einen Tag zuvor waren bei Neubeckum im Münsterland - kaum hundert Kilometer entfernt – ebenfalls etliche Wagen eines Güterzugs aus den Schienen gesprungen.

Nachdem am Mittwochabend am Unglücksort bei Vennebeck eines von insgesamt vier Gleisen wieder freigegeben werden konnte, ist am frühen Donnerstagmorgen auch der Fernverkehr in Neubeckum wieder angelaufen. „Die Fernzüge fahren in Neubeckum versuchsweise wieder den Regelweg. Aber sie müssen sich ein Gleis teilen und können nur abwechselnd in Nord- bzw. Südrichtung fahren“, erklärte der Bahnsprecher. Außerdem könne es passieren, dass das ein oder andere Gleis noch einmal gesperrt werden müsse. Zunächst könnten die Züge auch nur sehr langsam am Unglücksort vorbeifahren.

Trotzdem rechnet der Bahnsprecher für Donnerstag nicht mehr mit extremen Verspätungen im Fernverkehr. „Wir haben vielleicht noch den ein oder anderen Ausreißer, aber das ist im Gegensatz zu gestern sehr erträglich“, hieß es. Am Mittwoch war es zu Zugausfällen und Verspätungen von mehr als zwei Stunden gekommen, weil alle Fernzüge zum Teil weite Umwege fahren mussten. Für den Donnerstag rechnet die Bahn mit Verspätungen zwischen 15 Minuten und einer Stunde. Im Nahverkehr komme es jedoch weiter zu stärkeren Behinderungen. „Den Nahverkehr müssen wir weiter umleiten. Zwischen Hamm und Neubeckum sowie zwischen Vennebeck und Löhne fahren weiterhin Busse“.

Unterdessen meldet der Tagesspiegel, dass die FDP die Rechte der Fahrgäste verbessern will. „Wir wollen in diesem Jahr aktiv werden und Nägel mit Köpfen machen“, sagte Hans-Michael Goldmann, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Derzeit können Fahrgäste 25 Prozent ihres Ticketpreises zurückverlangen, wenn der Zug mindestens eine Stunde Verspätung hat. Die FDP will diese Regelung zugunsten der Kunden verschärfen. Künftig soll es eine 25-prozentige Erstattung bereits bei halbstündigen Verzögerungen geben, sagte Goldmann, bei Verspätungen von einer Stunde sollen die Passagiere 50 Prozent des Fahrpreises zurück bekommen. Dagegen will die Union vorerst beobachten, wie sich die geltenden Regeln bewähren. Man wolle zunächst abwarten, wie die Bahn die bisherige Entschädigungsregelung handhabt, hatte Peter Bleser, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der CDU-/CSU-Fraktion, bereits am Montag dem Tagesspiegel gesagt.

Die Bergungsarbeiten an den beiden Unfallstellen gestalten sich wegen des Neuschnees voraussichtlich auch am Donnerstag schwierig. „Im Tagesverlauf erfolgt dann aber die komplette Schadensaufnahme“, kündigte der Sprecher an. Wie hoch die Kosten nach den beiden Zugentgleisungen sind, ist noch nicht absehbar. Die Schäden sind aber so schwer, dass es sich um ganz erhebliche Summen handeln dürfte. Zur Unfallursache in Neubeckum sowie in Vennebeck konnte die Bahn am Donnerstagmorgen noch keine neuen Erkenntnisse mitteilen.

Die Verkehrsclubs riefen die Autofahrer angesichts des anhaltenden Winterwetters zu besonderer Wachsamkeit und Vorsicht auf. „Selbst die üblicherweise vorbildlich eingestellten Straßenräumdienste und Pannenhelfer sind aber keine Garantie dafür, dass alles weiter störungsfrei läuft“, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Er rät vor allem zur Gelassenheit: „Wenn bei uns ein paar Autos stecken bleiben, wird die Strecke unter dem Eindruck dramatisierender Fernsehbilder gleich zum nationalen Notstandsgebiet erklärt.“

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) wies darauf hin, dass starke Schneefälle innerhalb weniger Stunden Verkehrsschilder bedecken und teilweise verschwinden lassen können. Der Automobilclub erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die meisten Schilder dennoch beachtet werden müssen und grundsätzlich weiter gelten.

ACE-Sprecher Hillgärtner rief die Autofahrer dazu auf, Eigenverantwortung zeigen. „Ein Anspruch auf besonders gute Straßenverhältnisse besteht nicht.“ Gerade bei winterlichen Straßenverhältnissen liege es in der Verantwortung von Kraftfahrer und Halter eines Fahrzeuges, sich selbst und andere durch eine den Witterungsverhältnissen angepasste Fahrweise und eine wintertaugliche Ausrüstung zu schützen.

Generell sei es besser, bei anhaltendem Schneesturm auf Autofahrten gänzlich zu verzichten. Spezielle Überholverbote und sonstige Fahrbeschränkungen auf Autobahnen gelten bei Schneefall und glatter Fahrbahn für Lkw. Autofahrer sollten in diesen Tagen warme Kleidung, Essen und warme Getränke bei sich haben. So lassen sich die Zeiten bis zur Bergung aus Eis und Schnee leichter überbrücken.

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