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14.02.2015

09:43 Uhr

Partnersuche im Social Web

„Tinder macht richtig süchtig“

VonSonja Schärf

Smartphones machen es möglich: Immer mehr suchen ihren Partner über soziale Netzwerke – und das immer und überall. Besonders gut geht das mit Tinder, der erfolgreichsten Dating-App. Ein Erfahrungsbericht.

Flirtwüste Deutschland: Nur jeder Dritte ist offen für einen Flirt. Dies ergab eine Studie der Online-Partnervermittlung ElitePartner. obs

Flirtwüste Deutschland: Nur jeder Dritte ist offen für einen Flirt. Dies ergab eine Studie der Online-Partnervermittlung ElitePartner.

Düsseldorf„It’s a Match!“ leuchtet auf Saras Display auf. Der sympathisch aussehende junge Mann mit den blauen Augen und den netten Grübchen, den Sara vorhin noch auf ihrem Display auf die „Interessant“-Seite geschoben hat, hat anscheinend auch Gefallen an ihrem Profil gefunden.

Ein Dialog-Fenster öffnet sich und Sara kann mit ihm schreiben. Der junge Mann ist für Sara kein Unbekannter: „Er studiert mit Freunden von mir, ich hab ihn schon auf einigen Partys gesehen“. Gesprochen hat sie aber noch nie mit ihm, da musste erst die Dating-App Tinder nachhelfen.

Das Geschäft mit der Liebe ist kein Neues. Schon seit der Etablierung des Internets wirtschaften Online-Dating-Portale mit dem Wunsch nach der großen Liebe und Zweisamkeit. Ob Parship, Friendscout24 oder Elitepartner – im Internet mangelt es nicht an Möglichkeiten für Singles, den perfekten Partner zu suchen.

Partnersuche: Welcher Typ sind Sie?

1. Die Pechvögel

49 Prozent der in einer Studie von Elitepartner.de befragten Singles hatten bis jetzt schlichtweg noch kein Glück mit der Suche nach dem richtigen Partner. 50 Prozent der Frauen und 48 Prozent der Männer hätten gern eine Beziehung, lernen auch regelmäßig neue Menschen kennen, sagen aber von sich, dass der oder die Richtige einfach noch nicht dabei war.

Quelle: Lisa Fischbach, Diplom-Psychologin, Single- und Paarberaterin von ElitePartner.de aus „Die ganze Welt von 1 bis 10“ von Fischer-Verlag

2. Die Anspruchsvollen

Blond, blaue Augen, romantisch, treu, ehrlich, gutsituiert, beruflich erfolgreich – so in etwa könnte die Kriterienliste der „Anspruchsvollen“ aussehen, die der ideale Partner erfüllen muss. 41 Prozent der Befragten gehören zu dieser Gruppe. Ihnen stehen die hohen Ansprüche im Weg: Sie möchte zwar gerne einen Partner, aber keiner genügt ihren Wünschen.

3. Die Gehetzten

Job, Familie, Hobbys, Freunde – es ist nicht einfach, alles unter einen Hut zu bekommen und sich aktiv um die Suche nach einer neuen Liebe zu kümmern. 36 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einfach zu viel zu tun haben, um sich der Partnersuche zu widmen.

4. Die Schüchternen

Ihnen ist vermeintlich der ideale Partner schon oft über den Weg gelaufen, doch 17 Prozent der Befragten trauen sich einfach nicht, ihn oder sie anzusprechen. Interessant ist, dass die Schüchternheitsfalle eher die Männer zu belasten scheint: 29 Prozent der Männer, aber nur zehn Prozent der Frauen sehnen sich nach einer Beziehung, trauen sich aber nicht, auf jemanden zuzugehen.

5. Die Einsamen

Für 16 Prozent ist es schwierig, den richtigen Partner zu treffen, weil sie nur selten ausgehen. Zu den „Einsamen“ zählen eher Männer: 21 Prozent der männlichen Befragten, aber nur 14 Prozent der weiblichen sagen, dass sie nur wenige Freunde haben, selten ausgehen und aus diesem Grund niemanden kennenlernen, der ihnen gefällt.

6. Die Selbstbewussten

Ein gesundes Selbstbewusstsein wirkt sich meistens positiv auf die Partnersuche aus. Doch 13 Prozent sehen genau das als Krux und denken, dass sie andere mit ihrem Selbstbewusstsein abschrecken könnten und deshalb keinen Partner finden. 19 Prozent der weiblichen Befragten, aber nur vier Prozent der männlichen führen ihr Singledasein auf ihr großes Selbstbewusstsein zurück.

7. Die Trauernden

Um etwas Neues anfangen zu können, sollte man erst mit dem Alten abschließen. Das finden auch zwölf Prozent der befragten Singles und geben an, dass sie noch an ihrer alten Beziehung hängen und aus diesem Grund noch nicht bereit für einen neuen Partner sind.

8. Die Armen

Neun Prozent der befragten Singles meinen, dass sich keiner in sie verliebt, weil sie zu wenig Geld haben. Diesen Singletyp findet man vor allem beim männlichen Geschlecht: 13 Prozent der Männer, aber nur sieben Prozent der Frauen fühlen sich durch ihre schlechte finanzielle Situation gehemmt und denken, dass diese einer Partnerschaft im Wege steht.

9. Die Hässlichen

Neun Prozent der Befragen sagen, dass sie Single sind und den richtigen Partner bis jetzt noch nicht gefunden haben, weil sie nicht attraktiv genug sind. Dieser Singletyp kommt eher bei Männern vor: 14 Prozent der Männer, aber nur sechs Prozent der Frauen finden sich nicht attraktiv genug, um jemanden kennenzulernen.

10. Die Überzeugten

Die Freiheit und Unabhängigkeit voll ausnutzen, keine Diskussionen um Abwasch und herumliegende Klamotten in der Wohnung – immerhin acht Prozent der Befragten schätzen die Vorteile des Singledaseins. Sie sind überzeugte Solisten und möchten im Moment keine neue Partnerschaft eingehen.

Mit der Verbreitung des Smartphones hat sich das Dating-Geschäft vor einigen Jahren dann auch auf mobile Apps ausgeweitet. Eine der bekanntesten Datingapplikationen für mobile Geräte ist inzwischen Tinder (engl. für „Zunder“), das es erst einige Jahre gibt.

Im Jahr 2012 von dem Amerikaner Jonathan Badeen gegründet, stieg Tinder in den vergangenen drei Jahren zur erfolgreichsten Dating-App der Welt auf. Mehr als 30 Millionen Menschen weltweit suchen über Tinder die große Liebe. Im vergangenen Jahr verdoppelte sich die Zahl der User alle drei Wochen.

Auch Sara ist Single und nutzt Tinder. Sie ist 25 Jahre alt, hat das Studium gerade abgeschlossen und schnell einen gut bezahlten Job gefunden. Trotzdem fehlt etwas: „Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, hätte ich gerne jemanden, mit dem ich die Erlebnisse meines Tages teilen kann“, sagt sie und lächelt schüchtern.

Nach Feierabend ist oft wenig Zeit für Unternehmungen und auf Partys traut sie sich nur selten, Männer anzusprechen. Vor einiger Zeit hat sie deswegen Tinder ausprobiert und nutzt die App nun regelmäßig. Die einsamen Feierabende auf dem Sofa verbringt Sara oft damit, sich die von Tinder vorgeschlagenen Profile anderer Singles in ihrer Umgebung anzuschauen.

Die Funktion von Tinder ist simpel. Über den GPS-Standort erkennt die App andere User, die in der direkten Umgebung des Benutzers zuletzt eingeloggt waren. Wenn die Angaben zu denen von dem Benutzer passen, werden sie ihm vorgeschlagen.

Kommentare (3)

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Herr D. Dino54

16.02.2015, 11:09 Uhr

Merkt diese Generation(en) nicht, welche DATEN man fremden (keine Freunde) übergibt ???

WER diese Art Partnerschaft sucht, sollte mal darüber nachdenken, ob er diese sensiblen Daten am öffentlichen Aushang, egal wo, preis geben würde ???

LIEBE passive ELTERN, liebe betroffene NAIVEN, denkt nach, bevor IHR eure Daten an Fremde, keine FREUNDE weitergibt !

Die VERBLÖDUNG muss gestoppt werden !!!

Herr Joly Joker

16.02.2015, 12:34 Uhr

Flacher Artikel! Zuhause wartet das Smartfon - aber hallo..... wer lässt das denn zu hause? Die Dinger werden mit ins Bettgenommen, liegen neben der badewanne oder auch zwischen den Schenkeln. Was ist denn das für ein Author? Ein Smartfon scheint er nicht zu haben. Und wenn dann hat er es nicht aktivieren können.

Frau Sabine Vötig-zigmann

16.02.2015, 20:14 Uhr

Das ist ein Super-Artikel, trifft genau die Probleme unserer Zeit. Das sollte uns zu denken geben!!

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