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17.02.2016

13:14 Uhr

Preisschwankungen

Von der Volatilität des Olivenöls

Der Markt für Olivenöl ist groß – und dass es genug gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Mal macht schlechtes Wetter die Ernte zunichte, dann wieder richten Betrüger Schaden an. Die Preise? Höchst volatil.

Schlechte Ernten lassen bei den großen Produzenten die Ölpreise steigen. dpa

Olivenöl

Schlechte Ernten lassen bei den großen Produzenten die Ölpreise steigen.

Athen/Madrid/Rom35 Euro kosten 0,1 Liter des exklusiven kretischen Olivenöls „Lambda“ im Onlineshop des Herstellers – ein handgenähtes Ledertäschchen für die edle Flasche inklusive. Über solch extreme Preise können die Menschen in den klassischen Olivenöl-Ländern Spanien, Italien und Griechenland nur den Kopf schütteln. Dasselbe Unverständnis allerdings zeigen sie angesichts deutscher Discounter-Tiefstpreise. Denn so einfach, sagen sie, ist die Ernte und Produktion von Olivenöl nun auch wieder nicht.

Wie für andere Nahrungsmittel gilt auch für das „flüssige Gold“: Gute Qualität hat ihren Preis - und der schwankt je nach Angebot und Nachfrage. Für 2016 dürfte der Bedarf gerade mal so gedeckt sein, vermuten Experten. Manche beobachten bereits Preissteigerungen, die auch die deutschen Verbraucher treffen. So hat etwa das Düsseldorfer Marktforschungsunternehmen IRI Information Resources ermittelt, dass der Preis für Olivenöl im Jahr 2015 um fast 20 Prozent angestiegen ist. Als Grund gelten die wetterbedingt schwache Ernte Spaniens im Vorjahr sowie eine Pilzinfektion der italienischen Olivenbäume.

In Spanien, dem größten Olivenöl-Produzenten der Welt, wird nun für 2016 eine eher mittelmäßige Ernte erwartet. Die Regierung der Region Andalusien, wo gut 80 Prozent des spanischen Olivenöls herkommen, geht für dieses Jahr von einer Produktion von rund 1,3 Millionen Tonnen Öl aus. „Mit diesem Ertrag wird die Versorgung der Märkte knapp gesichert sein“, sagt der Präsident des Bauernverbandes ASAJA in der Provinz Córdoba, Ignacio Fernández de Mesa. „Es wird nicht an Olivenöl fehlen, aber es wird auch kein Überfluss herrschen.“

Entsprechend sind die Preise noch immer relativ hoch und die Aussichten ungewiss: „Wenn die Trockenheit der vergangenen Monate bis zur Blütezeit der Olivenbäume im April oder Mai anhält, werden die Preise wieder in die Höhe schießen“, heißt es beim spanischen Branchendienst agroinformacion.com.

So finden Sie ein gutes Olivenöl

Wahl des Geschäfts

Suchen Sie sich ein Geschäft, in dem Sie Olivenöle vor dem Kauf verkosten können und dessen Personal ein paar grundsätzliche Fragen dazu beantworten kann, wie, wo und von wem sie hergestellt wurden. Olivenölfachgeschäfte und Ölbars gibt es immer mehr – auch bei Feinkostanbietern, auf Märkten und in Supermärkten.

Wahl anderer Anbieter

Wenn Sie das Öl vor dem Kauf nicht kosten können, wählen Sie einen Anbieter mit strikten Qualitätskontrollen bei Produktion und Auswahl. Dazu gehören Olive Press (www.theolivepress.com), Zingerman's (www.zingermans.com), Beyond the Olive (www.beyondtheolive.com) oder Corti Brothers (www.cortibros.biz).

Frisches Öl

Natives Olivenöl wird nicht im Alter besser wie ein guter Wein. Im Gegenteil, es ist leicht verderblich und verliert nach dem Pressen an Geschmack und Aroma. Das passiert noch schneller, wenn das Öl in Flaschen abgefüllt ist. Deshalb sollten Sie so nah am Produzenten (z.B. einer Olivenmühle) wie möglich kaufen und das Öl in sauberen Edelstahlcontainern lagern.

Behälter

Am besten eignet sich als Behälter dunkles Glas – es schützt vor Licht.

Etiketten

Wenn Sie keinen Verkäufer zu rate ziehen können, vertrauen Sie auf das Etikett. Besonders wichtig ist dabei, dass das Öl als „nativ extra“ ausgezeichnet ist. Bei anderen Bezeichnungen wie zum Beispiel „rein“ oder „Olivenöl“ wurde das Öl noch chemisch raffiniert.

Haltbarkeitsdatum

Um der Frische Ihres Öls sicher zu sein, sollten Sie Produkte mit Haltbarkeitsdatum oder gar Erntetermin kaufen. Nach Möglichkeit sollten Sie Öle aus der diesjährigen Ernte bevorzugen. Wenn ein Öl noch zwei Jahre lang haltbar ist, wird es vermutlich noch frisch sein. Aber Vorsicht: Auch beim Haltbarkeitsdatum kann gepfuscht werden. Statt der Ernte wird dann der Tag der Abfüllung als Ursprung gewählt. Kontrollierbar ist das nicht.

Herkunft

Wenn ein Etikett besagt, das Olivenöl sei in Italien verpackt oder abgefüllt worden, heißt das nicht, dass das Öl auch aus Italien stammt. Italien ist einer der größten Importeure von Olivenölen. Eine italienische Flagge auf der Verpackung heißt aber noch nichts. Öle, bei denen der genaue Herstellungsort nicht auf der Packung steht, sollten Sie daher meiden.

Farbe des Öls

Die Farbe des Öls sollte keine Rolle spielen. Ob Grün oder Gold oder Strohgelb – echte native Olivenöle sind nicht an der Farbe, sondern am fruchtigen Geschmack und Geruch zu erkennen.

Typ des Öls

Der Öltyp sollte zum Essen passen. Kräftiges Öl – oft bezeichnet als „robust“, „frühe Ernte“ oder „körperreich“ – sollten Sie dabei für deftige Speisen wie Pfeffersteak, bruschetta oder aromatisches Gemüse verwenden. Mildere Öle mit Auszeichnungen wie „mild“, „zart fruchtig“ oder „späte Ernte“ eignen sich besser für Fisch, Hühnchen oder Kartoffeln.

Preis

Auch, wenn der Preis eine Rolle spielt: Wer ein gutes Öl kaufen will, sollte sich nicht von Schnäppchenpreisen verführen lassen. Echtes natives Olivenöl ist kostspielig, dafür sollten Sie mindestens acht Euro einplanen. Natürlich ist aber auch ein hoher Preis kein Garant für Qualität.

Zertifizierungen

Zertifizierungen auf Etiketten sind nicht immer eine Qualitätsgarantie. Vertrauen kann man aber nationalen und staatlichen Olivenölverbänden wie Australian Olive Association, California Olive Oil Council und Association 3E. Auch die North American Olive Oil Association und der internationale Olivenölrat zertifizieren Olivenöl.

Informationen

Ausführliche Informationen und aktuelle Ressourcen zum Kauf und Genuss guter Öle finden Sie auf www.extravirginity.com.

Auch Italiens Olivenernte war in den vergangenen Jahren schwer belastet. Schuld daran trug die bakterielle Infektion Xylella, die landesweit viele Bäume heimsuchte. Hinzu kam die Fliege Bactrocera oleae, deren Larven das Fruchtfleisch der Oliven fressen. Dem Bauernverband Coldiretti zufolge sank die Jahresproduktion von Olivenöl deshalb zwischenzeitlich auf unter 300.000 Tonnen.

Als Konsequenz müssen italienische Verbraucher mit deutlichen Preissteigerungen zurechtkommen. Und auch der Betrug beim Handel mit Olivenöl nimmt zu: Kriminelle verkaufen minderwertiges Olivenöl als „extra vergine“ oder geben importiertes Öl als original italienisches Produkt aus. Coldiretti warnt bereits vor einer „Invasion“ minderwertigen Olivenöls aus dem Ausland – so stieg der Import aus Tunesien 2015 um insgesamt 681 Prozent.

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