Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2014

18:49 Uhr

Scheidung an Wall Street

Schmutziger Rosenkrieg im Drogensumpf

VonPetrina Engelke

Drogen, Fremdgehen, Rache: Das begeistert nicht nur Nachmittagsfernsehgucker, sondern auch die Wall Street. Ein Scheidungskrieg macht Investmentbanker Sage Kelly zum wahren „Wolf of Wall Street“ – und nervt dessen Firma.

Das Führungsduo der New Yorker Investmentbank Jeffries bittet seine Healthcare Investment-Abteilung zum „freiwilligen“ Kokaintest. Der Hintergrund ist mindestens skurril. Getty Images

Das Führungsduo der New Yorker Investmentbank Jeffries bittet seine Healthcare Investment-Abteilung zum „freiwilligen“ Kokaintest. Der Hintergrund ist mindestens skurril.

New YorkStell dir vor, es ist Drogentest – und alle gehen hin. Was bisher für Banker ein Witz war, ist an der Wall Street plötzlich Ernst geworden. Die New Yorker Investmentbank Jefferies berichtet in einem Rundschreiben an Kunden und Freunde davon, wie das Führungsduo seine Healthcare Investment-Abteilung zum „freiwilligen“ Kokaintest abholt.

„Wir machen jetzt einen Drogentest, macht ihr mit?“, fragten Jefferies-CEO Richard Handler und Verwaltungsratschef Brian Friedman demnach. Dabei war zuvor nicht einmal jemand mit einer Tüte Koks erwischt worden. Aber Gerüchte über Exzesse im Umfeld des Abteilungsleiters Sage Kelly machen Jefferies zu schaffen.

Alles nur, weil dessen Noch-Ehefrau Christina vor Gericht auspackt – und dabei fast 20 Namen von Bankern und Biotech-Größen nennt, die zusammen mit ihrem Mann regelmäßig und extrem über die Stränge geschlagen haben sollen. Kokain war dabei demnach nur eine Droge unter vielen.

Promi-Scheidung: Was Christina Kelly enthüllt

Das Dokument

In dem Scheidungskrieg zwischen Sage und Christina Kelly kursieren jede Menge schmutzige Details. Grundlage dafür ist ein Dokument, das von den Änwälten der Frau vor Gericht vorgelegt worden ist und dann an die Öffentlichkeit gelangte.

Quelle: Eidesstattliche Erklärung von Christina Kelly zur Gegenklage im Sorgerechtsstreit, eingereicht in New York am 22.10.2014.

Erstes Date

Christina und Sage Kelly lernen sich in einer Bar in Manhattan kennen. Daraufhin lädt er sie zu einem Rendezvous ein. Darüber schreibt Christina Kelly: „Beim Essen bestellte Sage eine Flasche Barolo-Wein. Dann eine zweite. Und eine dritte. Nach dem Essen war mir sehr schwindlig. Sage dagegen schien ganz okay zu sein.“

Sex ...

Christina Kellys Aussage zufolge nimmt Sage sie nach dem ersten Dinner mit nach Hause, bietet ihr Kokain an, drängt sie dazu, noch mehr zu nehmen. Und ...

... auf Drogen

...führt sie dann ins Schlafzimmer. „Damals war mir nicht klar, dass das Sages Formel für Sex mit einer Frau ist: Alkohol und Kokain als Wegbereiter für Sex.“

Kokain & Co.

„Die Geschäftskollegen und Kunden, mit denen weder ich noch mein Anwalt auf Sages Veranlassung sprechen dürfen, schließen Menschen ein, die von Sages Missbrauch von Alkohol, Kokain, Molly und anderen Substanzen wussten.“

Beweisfoto

Eins von mehreren Beweisfotos beschreibt Christina Kelly als den Wohnzimmertisch von Myriad Solutions-CFO Mark Hosny. Er zähle zu Sages Drogenclub aus Freunden, Geschäftspartnern und Kunden. Sie gibt an: „Auf dem Tisch sieht man einen Kokainhügel, etwas zum Zerdrücken, eine zusammengerollte Dollarnote zum Schnupfen und die schwarze Kreditkarte von Mark Hosny.“

Abteilungsparty ...

„Vor einigen Jahren war Sage bei der jährlichen Party für seine Kollegen bei Jefferies so betrunken, dass er am Pool unseres Hauses sitzend urinierte – mit heraushängendem Penis. Ich steckte diesen ...

... mit Vollabsturz

...zurück in seine Badehose, weil Sage das nicht selbst schaffte; dann bat ich zwei seiner Geschäftspartner um Hilfe, ihn ins Schlafzimmer zu bringen. Zum Ende der Party (die um 11 Uhr begann und gegen 15 Uhr endete) musste ich an Sages Stelle die Dankesrede halten.“

Frauentausch ...

„Mit der Frau eines Kollegen hatte Sage Sex im Pool unseres Hauses. Bei einer anderen ausschweifenden Nacht stiftete Sage eine sexuelle Begegnung an, ...

... mit Geschäftspartnern

...bei der er mit der Freundin seines Geschäftspartners Marc Beer schlief, und ich mit Marc.“

Der eidesstattlichen Erklärung seiner Exfrau zufolge hielt Sage Kelly im Sommer 2011 einen „Mushroom Day“ in ihrem Sommerhaus in den Hamptons ab. Dabei soll er bereits um 11 Uhr morgens so außer Rand und Band gewesen sein, dass seine Partyfreunde aus der Finanzbranche die Tüte mit den psychoaktiven Pilzen versteckten.

Doch kurz darauf soll Kelly ihnen von draußen entgegengekommen sein, sein Gesicht mit einem Streifenmuster aus Blut bemalt und triumphierend: „Ich habe die Tüte gefunden!“ Die damals sechsjährige Tochter des Paares soll die Szene mitangesehen haben. Deshalb berichtet Christina Kelly jetzt davon: Sie will darlegen, warum ihr Ex als Vater nicht taugt.

Im Juni 2014 reicht Sage Kelly die Scheidung ein; Christina erfährt davon eigenen Angaben zufolge aber erst Ende Juli. Unterdessen hatte Sage heimlich Kameras in der gemeinsamen Fifth-Avenue-Wohnung einbauen lassen.
Vor Gericht führt er kurz darauf Bilder einer trinkenden, koksenden Christina Kelly als Beweismaterial vor, um das einstweilige Sorgerecht für die Kinder an sich zu reißen. Das gelingt. Im Oktober reicht Christina Kelly Gegenklage ein – mit einem 26-seitigen Papier voller Sex, Drugs – und Inkontinenz.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.11.2014, 19:32 Uhr

Scheidungen müssen nicht immer schmutzig sein.
Oft wurde nur an vorsorglicher Arbeit gespart.

Sobald der/die Partner(in) sich (unzulässige) Vorteile sichern möchte, wird meist mit Dreck geworfen.

Dann rächt sich das Vertrauen, die Komplizenschaft und die schlechte Planung für den Fall der Trennung.

In USA ist die Lage ohne vorherig abgeschlossene schriftliche ausführliche Regelungen kaum in den Griff zu bekommen.

Denn ohne Vereinbarung zählt, was das Gericht so meint, was angemessen wäre bei Abfindung, Unterhalt und Sorgerecht. Man ist in Gottes und der Anwälte Hand - fürchterlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×