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22.01.2010

16:10 Uhr

Schwarzbuch Bahn

304 Seiten Trost für Pendler

VonChristoph Kapalschinski

Überfüllte Wägen, überteuerte Strecken, ausspionierte Mitarbeiter: Ein "Schwarzbuch" trägt alle Fehler und Vorfälle der Deutschen Bahn zusammen. Das ist zwar verdienstvoll, aber unzureichend. Was dem Buch fehlt, ist eine Analyse der angeprangerten Missstände.

Schwarzbuch Deutsche Bahn: Die Autoren berichten in dem Buch von übermüdeten Zugführern und ausgebooteten Kritikern. Presefoto

Schwarzbuch Deutsche Bahn: Die Autoren berichten in dem Buch von übermüdeten Zugführern und ausgebooteten Kritikern.

DÜSSELDORF. Es liegt in der Natur einer Anklageschrift, dass sie nur Negatives auflistet - und davon möglichst viel. Schmutz, Fehlplanung, Fahrlässigkeit, Gemeingefährdung: all das führt auch das Schwarzbuch Deutsche Bahn der Fernsehjournalisten Christian Esser und Astrid Randerath auf. Akribisch haben sie zusammengetragen, wie das Staatsunternehmen Kunden, Mitarbeiter und Staat ausnimmt, ausnützt, ausbeutet.

Sie berichten von überfüllten Waggons, überteuerten Schnellstrecken und übermüdeten Zugführern, von ausgeschalteten ICE-Bremsen, ausspionierten Mitarbeitern und ausgebooteten Kritikern. Die meisten Vorwürfe sind bekannt, doch durch lange Zitate von Mitarbeitern, Kunden und Gewerkschaftern gewinnen sie an Plastizität. Zudem trägt das Schwarzbuch die Vorfälle einmal komplett zusammen.

Viel Kritik, wenig Analyse

Die Autoren beschreiben das Unternehmen Deutsche Bahn als einen Egotrip von Bahnmanagern, Hauptfeind ist Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn, und profilierungssüchtigen Politikern. Ihretwegen baue die Bahn unprofitable Schnellstrecken zwischen den Metropolen und stelle gut angenommene Regionalverbindungen ein. Sparvorgaben allerorten führen zu Wartungsmängeln bei ICEs und bei S-Bahnen, die die Sicherheit gefährden. Die Mitarbeiter litten unter inakzeptablen Arbeitsbedingungen. Als Ergebnis sieht das Schwarzbuch eine Bahn, die den Menschen in Deutschland kaum noch dient. Auch die finanziellen Ziele der Bahnreform seien nicht erreicht worden. Dass die Bahn mittlerweile profitabel arbeitet, sei ein Rechentrick: Mit der Bahnreform seien die jährlichen Abschreibungen einfach um Milliarden heruntergerechnet worden. Die Investitionen lägen mittlerweile sogar niedriger als die Abschreibungssummen.

Was dem Buch als Anklageschrift fehlt, ist die eingehende Analyse der angeprangerter Missstände. So beschränkt sich die Betrachtung weitgehend auf den Personenverkehr und kommt so zu dem Schluss, der Aufbau der internationalen Speditionssparte sei herausgeworfenes Geld. Unberücksichtigt bleibt, ob im europäischen Verkehrswettbewerb - mit mehr Wettbewerbern auch auf der Schiene - weltweite Zukäufe für die langfristige Überlebensfähigkeit der Deutschen Bahn als Güterlogistiker nicht notwendig sind.

Überhaupt bleibt die Kritik am Privatisierungskurs unvollständig, da Vergleiche mit anderen Bahnen - bis auf die Erwähnung des europäischen Musterschülers Schweizer Bundesbahnen - nicht vorkommen. Insbesondere der Vergleich mit Bahn-Flächenländern wie Frankreich, Italien oder Japan wäre aufschlussreich. So bleibt der schale Eindruck, die Anklageschrift plädiere für eine Schlaraffenlandbahn, die mit properen Regionalzügen, gepäppelt mit viel Staatsgeld, im dichten Takt in jedes deutsche Dorf dampft.

Kommentare (1)

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Reiner Mueller

22.01.2010, 22:11 Uhr

Es ist ein Skandal! Nein nicht die bahn und ihre Unzulänglichkeiten, es ist ein Skandal, dass GEZ finanzierte Journalisten das allzeit beliebte "bahn-bashing" zur persönlichen Profilierung benutzen. Und dann ist das noch schlecht recherchiert und lückenhaft.

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