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15.01.2008

08:03 Uhr

Schweiz

Das Tor zum Vielleicht

VonOliver Abraham

In der Schweiz wird derzeit der längste Eisenbahntunnel der Welt gebaut. Auf halber Strecke, tief im Berg, könnte zudem der spektakulärste Bahnhof der Welt Wirklichkeit werden. Besuchen kann man die Baustelle schon jetzt.

Insgesamt 153 Kilometer muss sich die Tunnelbohrmaschine durchs Gestein des Gotthard-Basistunnels graben. Foto: AP

Insgesamt 153 Kilometer muss sich die Tunnelbohrmaschine durchs Gestein des Gotthard-Basistunnels graben. Foto: AP

Was diesen Ort so faszinierend macht, ist die Vorstellung, hier eigentlich niemals sein zu können. 1 400 Meter Gneis liegen über dem Verschiebebahnhof: Es herrscht eine seltsame Atmosphäre, Wasser drückt aus den Wänden, der Fels ist irritierend warm. Der Besucher spürt den Druck, der auf dem Gestein lastet – ein Platz, der nicht für den Menschen geschaffen ist. Gut 500 sind trotzdem dort.

Wenn die Vision der „Porta Alpina“ doch noch wahr wird, werden es in Zukunft sogar noch sehr viel mehr sein. Dann sollen nicht mehr nur Bauarbeiter und eine Handvoll Auserwählter dort unten unterwegs sein, dann soll der spektakulärste Bahnhof der Welt Wirklichkeit werden. Tief im Bauch der Berge. Eventuell. Vielleicht. Möglicherweise. Alles fraglich?

Der Hintergrund: In der Schweiz wird derzeit der längste Eisenbahntunnel der Welt gebaut. Damit dies schneller vonstatten geht, wird nicht allein von den beiden Portalen aufeinander zugebaut. Es gibt sogenannte Zwischenangriffe, von denen der Tunnel ebenfalls vorangetrieben wird. Einer davon soll nach Beendigung der eigentlichen Tunnelbauarbeiten – geplant ist dies im Jahre 2015 – zur Bahnhofsanlage Porta Alpina ausgebaut werden.

Seit dem vergangenen Herbst ist die Vision verkehrspolitisch mausetot. Der Kanton Graubünden hat vorläufig auf die Realisierung der Porta Alpina verzichtet. Die technischen, betrieblichen, aber besonders die finanziellen Risiken erschienen der Trägerschaft aus Kanton, Region und Gemeinde als nicht verkraftbar, vor allem ohne die klare Zusage der Schweizer Bundesbahn.

Trotz aller Widerstände soll das Projekt dennoch umgesetzt werden, hofft Arthur Loretz. Er ist Co-Präsident des Fördervereines „Visiun Porta Alpina“ und macht sich seit Jahren für die Realisierung stark. Private Gelder müssen her, mit drei Investoren sei er im Gespräch, sagt Loretz. Es geht um 50 Millionen Franken, die der Ausbau der Baustelle und geplanten Nothaltestelle zum Bahnhof kosten würde, nicht viel verglichen mit den mindestens 15 Milliarden, die die Alpenunterquerung kosten wird.

Zurück in den Berg: Die kleine Bahn rumpelt und lärmt über die Gleise in den Berg, einen knappen Kilometer ist dieser Zugangsstollen lang. Umsteigen. Klirrend fallen die Türen des Korbs ins Schloss, und der Aufzug stürzt ins Bodenlose. 80 Sekunden dauert der Fall, 800 Meter tiefer haben Bauarbeiter eine große Halle in den Berg gesprengt. Das Treiben auf der Tunnelbaustelle ist emsig, Loren und Loks werden verschoben, sonderbare Geräte zusammengebaut und in einen der vielen Stollen verschoben. Die Maschinen sind gigantisch, ameisenhaft ist der Mensch in der Unterwelt von Sedrun.

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