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09.07.2015

16:30 Uhr

Soziale Netzwerke und Sportspiele

Onlinesucht trifft nicht nur Nerds

Hunderttausende Menschen in Deutschland sind internetsüchtig. Neben Rollenspielen kommen immer nicht mehr von sozialen Netzwerken los. Die Auswirkungen sind schwerwiegend – und einer Alkohol- oder Drogensucht ähnlich.

Wer mehr als 500 Online-Freunde hat oder mindestens 2,6 Stunden pro Tag Computer spielt, gilt als suchtgefährdet. dpa

Riskogruppe

Wer mehr als 500 Online-Freunde hat oder mindestens 2,6 Stunden pro Tag Computer spielt, gilt als suchtgefährdet.

Frankfurt/MainMit Windel tagelang vorm Rechner im Rollenspiel oder einsame Dauer-Ballerei am Bildschirm: Die gängigen Klischees exzessiver Computernutzer bröckeln. Internetsucht kann nach Ansicht von Fachleuten jeden treffen. Die Abhängigen seien älter und häufiger Frauen als von der Wissenschaft angenommen, stellt der Initiator der ersten moderierten virtuellen Selbsthilfegruppe für Internetabhängige (webC@re), Benjamin Wockenfuß, fest.

Gut jeder Vierte der rund 100 Betroffenen, die im vergangenen Jahr in dem bundesweiten Vorzeigeprojekt Unterstützung suchten, sei 30 bis 40 Jahre alt gewesen, sagte der Therapeut von der Drogenhilfe in Köln am Rande einer Fachtagung in Frankfurt. Jeder Fünfte war danach sogar über 40 Jahre alt. 30 Prozent der Teilnehmer waren Frauen, fast genauso viele gaben soziale Netzwerke als Suchtmittel an.

Ein wachsendes Problem sieht der Suchttherapeut in elektronischen Sportspielen, bei denen es auch um Geld geht. „Vor dem Hintergrund der Glücksspielsucht bringen sie eine neue Facette.“ Glücksspiel im Internet zähle zu den besonderen Risiken von Computersucht, sagt Andreas Gohlke von der Glücksspiel-Ambulanz der Uni Mainz. Andere Risiken seien mehr als 500 Online-Freunde und mindestens 2,6 Stunden Computerspiel pro Tag.

Hunderttausende sind nach Einschätzung der Fachleute in Deutschland internetsüchtig. Eine zwei Jahre alte Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums ging von 560 000 Abhängigen aus. „Das Phänomen ist in den letzten Jahren immer stärker geworden“, sagt der Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS), Wolfgang Schmidt-Rosengarten. Andere Fachleute schätzen die Zahl der Betroffenen auf bis zu eine Millionen, berichtet Wockenfuß.

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