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29.08.2014

16:54 Uhr

Spott für Sommeranzug

Obama in Beige – Yes we tan!

Modesünde mit Folgen: Nach einem Auftritt von Barack Obama wird mehr über seinen altbackenen Anzug geredet als über das, was er zu sagen hatte. Die USA sehen Beige – oder: wie aus „Yes we can“ „Yes we tan“ wurde.

WashingtonDer Anzug geht nicht, keine Frage. Zu groß, zu breit die Schultern und vor allem: die Farbe! Ein Beige-Ton, wie man ihn in Deutschland aus den Zeiten von Erich Honecker in Erinnerung hat. Nur, dass wir uns nicht mehr in den letzten Tagen der DDR befinden, sondern im Sommer 2014 im Weißen Haus. Und der Mann im beigefarbenen Anzug Barack Obama heißt.

Beim ersten wichtigen Termin nach der Rückkehr aus dem Urlaub lösten Jacke und Hose des US-Präsidenten bei vielen mehr Interesse aus als all das, was Obama zu den aktuellen Weltkrisen zu sagen hatte. Die sozialen Netzwerke waren sofort voll des Spottes. Noch während der Pressekonferenz gab es mehr als 4000 Nachrichten dazu. Auf Twitter bekam der „Tan Suit“ („Beiger Anzug“) einen eigenen Account.

„Obama ist angezogen wie mein Großvater an einem Sonntag im August“, seufzte eine Reporterin des US-Magazins „Time“. Ein Kollege von der „Washington Post“ lästerte: „Wer hat Obama den alten Anzug gegeben, den mein Vater immer zur Kirche trug?“ Zugleich begann der Wettbewerb ums beste Wortspiel. Besonders beliebt: die Abwandlung von Obama-Slogans wie „Yes we tan“.

Mit Ausnahme der Modekolumnistin Robin Givhan („Das ist ein Zweireiher in einer Farbe, die Jahreszeit und Gelegenheit perfekt angemessen ist“) stand dem Präsidenten kaum jemand zur Seite. Auch sie meckerte allerdings, dass Obama der Anzug „wie immer“ ein wenig zu groß“ geraten sei. Er selbst verkniff es sich, in die Debatte einzusteigen.

Im Standard-Look unterscheidet sich der amerikanische Präsident nicht von anderen westlichen Politikern: grauer oder blauer Anzug, weißes Hemd, Krawatte. Auf Mode legt er angeblich keinen großen Wert. Besser so, wenn ein Politiker nicht als abgehoben oder eitel gelten will. In einem „Vanity Fair“-Interview begründete er das vor zwei Jahren so: „Ich will keine Entscheidungen darüber treffen müssen, was ich esse oder anziehe. Ich habe auch so genug zu entscheiden.“

Dabei ist sich Obama durchaus im Klaren darüber, wie man mit Kleidung Akzente setzen kann. Auf so martialische Auftritte wie sein Vorgänger George W. Bush in Kampf-Uniform hat er bislang verzichtet. Er gibt sich lieber locker - wie im vergangenen Sommer bei seiner Rede am Brandenburger Tor, wo er sich der Hitze wegen der Jacke entledigte. Unter guten Freunden, so sagte er damals, sei das ja wohl erlaubt.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Stroebele

29.08.2014, 17:23 Uhr

und, was ist so schlimm an diesem Anzug?
vermutlich tragen die größten Lästerer weiss-rote Ringelsocken oder irgendwelche karierten Putzlappen.

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