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03.09.2011

12:39 Uhr

Sternekoch Ferran Adrià

Kulinarische Meisterwerke für den Gaumen

Der spanische Starkoch Ferran Adrià schafft Kunstwerke für den Gaumen und veränderte die Gourmetszene damit nachhaltig. Sein Restaurant El Bulli soll nun zum Ausbildungszentrum für Spitzenköche umgestaltet werden.

Ferran Adria wurde fünfmal als bester Koch der Welt ausgezeichnet. dapd

Ferran Adria wurde fünfmal als bester Koch der Welt ausgezeichnet.

BerlinViel mehr als Ferran Adrià kann ein Koch nicht erreichen. Sein Restaurant El Bulli wurde mit drei Michelin-Sternen gekrönt, er selbst fünfmal als bester Koch der Welt ausgezeichnet. Bis 2009 hielt Adriàs Gourmettempel an der Costa Brava den Titel des besten Restaurant der Welt. Kaum ein anderer Koch hat in jüngerer Zeit die Küche derart bereichert wie der 50-jährige Katalane. Adrià weiß um seine Bedeutung für die kulinarische Welt. „Sämtliche besten Köche der Welt, die jetzt zwischen 30 und 40 sind, haben ein paar Jahre im El Bulli gearbeitet“, erklärt er stolz. 

Lediglich für sechs Monate im Jahr hatte das Lokal geöffnet, die 50 Sitzplätze pro Abend waren heillos überbucht. Hunderttausende Reservierungsanfragen mussten zuletzt pro Jahr mit Bedauern abgewiesen werden. Adrià hatte es geschafft, das El Bulli zu einer Pilgerstätte werden zu lassen, und das nicht allein deshalb, weil die Anreise zu dem abgelegenen Restaurant an einer einsamen Bucht der Costa Brava recht beschwerlich ist.

Das Köche-Team von Ferran Adria bei der Arbeit. Reuters

Das Köche-Team von Ferran Adria bei der Arbeit.

Heute kaum mehr vorstellbar, aber in Adriàs ersten Jahren als Chefkoch des Restaurants blieb mancher Tisch am Abend unbesetzt. Seine avantgardistische Küche, für die die Menschen heute weder Kosten noch Mühen scheuen, fand zeitweilig nur wenige Connaisseure. 

Vereinte Adrià zunächst die klassische katalanische Küche mit der Moderne, kümmerte er sich bald um grundsätzliche Fragen der Lebensmittelzubereitung und Präsentation. So war er wesentlich am internationalen Erfolg der sogenannten Molekularküche als gastronomisches Modeevent beteiligt. Der traditionelle Kochvorgang wurde gegen biochemische und physikalisch-chemische Prozesse ausgetauscht, und auf den Tisch kamen absonderlichste kulinarische Experimente: Eis, das auf der Zunge heiß wird, Puffreis aus Blutwurst oder Sorbets aus Käse. 

Was Adrià mit seinem 45-köpfigen Team in der Küche allabendlich für die Restaurantgäste zauberte, waren nicht nur kulinarische Meisterstücke, sondern auch hochartifzielle und vergängliche Kunstwerke. Dass er 2007 als erster Koch zur documenta nach Kassel eingeladen wurde, erschien geradezu folgerichtig. 

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