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07.04.2011

18:16 Uhr

Streit um Pedelecs

Pflichtversicherung für Elektro-Räder?

VonThomas Schmitt , Christoph van Bürk

Die Versicherer fordern eine Pflichtversicherung für gefährlich schnelle, elektrisch unterstützte Fahrräder. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club reagiert mit Kopfschütteln: Auch Rennradfahrer müssten versichert werden.

Elektrisch verstärkte Fahrräder sorgen für mehr Schub beim Lastentransport, bringen aber auch mehr Geschwindigkeit. Quelle: picture-alliance

Elektrisch verstärkte Fahrräder sorgen für mehr Schub beim Lastentransport, bringen aber auch mehr Geschwindigkeit.

Die Versicherer nehmen Schnell-Radler als neue Kundengruppe ins Visier. Fahrräder mit Elekromotor könnten bis zu 45 Kilometer pro Stunde fahren. Diese Geräte müssten daher im Sinne der EU-Richtlinie 2002/24/EG eigentlich wie ein Kleinkraftrad betrachtet werden, erklärte der Versichererverband GDV. Pflicht wäre dafür eigentlich ein Motorradhelm genauso wie Bremslicht, Abblendlicht, ein Spiegel, ordentliche Reifen und eine Versicherung.

Elektrisch unterstützte Fahrräder (Pedelecs) liegen nach Angaben des GDV in Deutschland im Trend. Die Hersteller freuten sich über zweistellige Zuwachsraten und die Radler über den eingebauten Rückenwind. Doch diese Entwicklung berge nach Ansicht der Versicherer auch Gefahren. Nach vier Crashtests und umfangreichen Fahrversuchen kommen die Unfallforscher in einer Studie zu dem Schluss, dass vor allem die schnellen Pedelecs eine Gefahr für den Fahrer selbst, aber auch für andere Verkehrsteilnehmer sein können.

Da die vorgeschriebene Technik oft fehle, bewegten sich die meisten dieser "Schnell-Radler" illegal auf den Straßen. Daher fordere die Unfallforschung der Versicherer (UDV) eine neue Fahrzeugklasse für schnelle Fahrräder mit Elektromotor. Dazu gehöre dann auch ein Versicherungskennzeichen. Die Rechtslage müsse zumindest für Deutschland schnell geklärt werden, etwa durch eine neuen Kraftfahrzeugklasse für Pedelecs, die schneller als 30 Kilometer pro Stunde fahren können.

Beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) rufen die Forderungen der Versicherer nur Kopfschütteln hervor. So seien schnelle Pedelecs, die mit einer Motorleistung bis 500 Watt und Tretunterstützung Höchstgeschwindigkeiten von 45 km/h erreichen, bereits heute versicherungspflichtig, weil sie ohnehin als Kleinkrafträder gelten.

Leistungsschwächere Modelle (Motorleistung bis 250 Watt, Höchstgeschwindigkeit mit Tretunterstützung 25 km/h) gelten nach EU-Vorschriften als Fahrräder und haben keine Versicherungspflicht. Ihre Fahrer seien wie Radfahrer über eine freiwillig abgeschlossene Privathaftpflicht abgedeckt, die in Deutschland drei Viertel aller Haushalte haben. Einer neuen Klasse räumt der ADFC am Markt keine Chancen ein - notwendig sei eine Kategorie zwischen Fahrrad und Elektromotorrad ohnehin nicht.

Eine Versicherungspflicht macht nach Ansicht des ADFC-Rechtsreferenten Roland Huhn gleich mehrfach keinen Sinn. "Auch sonst wird bei Fahrrädern eine Versicherungspflicht nicht von der Geschwindigkeit abhängig gemacht: Sonst bräuchten Rennradfahrer, die im Training deutlich schneller als 25 km/h fahren, eher eine Pflichtversicherung als die Fahrer von Pedelecs", erklärt Huhn. Der Verkehrsgerichtstag 2009 habe sich außerdem gegen eine Versicherungspflicht für Fahrräder ausgesprochen.

Auch auf ein ganz praktisches Problem macht der ADFC aufmerksam: Äußerlich würden sich langsame und schnelle Pedelcs kaum unterscheiden. Eine Versicherungskennzeichen auch für Pedelecs bis 250 Watt führte dazu, dass die schnellen Elektroräder unkontrolliert auf Radwegen fahren könnten, die allenfalls auf Fahrradtempo ausgelegt sind.

Andere Pedelecfahrer dagegen wünschen sich sogar ein Versicherungskennzeichen, weil man in Verbindung mit der Pflichtversicherung eine preiswerte Diebstahlversicherung für sein Zweirad abschließen kann. Süffisant stellt ADFC-Rechtsexperte Roland Huhn fest: "Ob der GDV diese Nebenwirkung bedacht hat?"

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