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21.01.2007

15:10 Uhr

Sturmwarnung

Berliner Hauptbahnhof erneut gesperrt

Der Berliner Hauptbahnhof ist zum zweiten Mal binnen weniger Tage wegen eines drohenden Sturmes geräumt worden. Hunderte Reisende waren betroffen. Offenbar bekommt die Deutsche Bahn die Sicherheitsprobleme an dem Milliarden-Bau nicht in den Griff. Auch auf anderen Bahnstrecken läuft noch nicht alles wieder glatt.

Die Bahn evakuiert den Berliner Hauptbahnhof erneut wegen Sturms. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Bahn evakuiert den Berliner Hauptbahnhof erneut wegen Sturms. Foto: dpa

HB BERLIN. Schon wieder Behinderungen im Bahnverkehr: Der Berliner Hauptbahnhof ist drei Tage nach dem Orkan „Kyrill“ erneut wegen Sturms vorsorglich gesperrt worden. Betroffen waren sowohl S-Bahn-, als auch der Regional- und der Fernverkehr. Nur im unterirdischen Teil des Bahnhofs hielten noch Züge, allerdings lediglich zum Ausstieg der Fahrgäste.

Nach den jüngsten Schäden am Hauptbahnhof habe man sich entschieden, die Station ab Windstärke acht vorsichtshalber zu schließen, hieß es in einer Erkärung der Bahn. Dies sei am Sonntag der Fall gewesen. Der Deutsche Wetterdienst hatte für den Raum Berlin/Brandenburg eine Unwetterwarnung mit Gefahr orkanartiger Böen bis Windstärke elf herausgegeben. Hunderte Reisende waren von der Sperrung betroffen. Sie mussten bei Wind und Regen das Gebäude verlassen. Das Bahnhofspersonal konnte keine Auskunft geben

Beim Durchzug des Orkans „Kyrill“ am Donnerstag und Freitag waren tonnenschwere Stahlteile aus der Fassade des neuen Bahnhofes beschädigt worden. Ein Stahlträger war herabgestürzt und hatte eine Treppe des Bauwerkes beschädigt.

Der Unfall hatte bundesweit für Aufregung gesorgt. Wer allerdings die Verantwortung für trägt, bleibt unklar. Der imposante Bau in Sichtweite des Bundeskanzleramtes und des Reichstages war erst vor rund acht Monaten eröffnet worden. Die Bundestagsfraktion der Grünen will über die Frage der Verantwortung auch im Verkehrsausschuss beraten.

Einem Bericht des „Tagesspiegel am Sonntag“ zufolge soll der Deutschen Bahn ein Sicherheitsrisiko am Hauptbahnhof bereits in der Planungsphase bekannt gewesen sein. Das wies ein Bahnsprecher umgehend zurück. „Hinsichtlich der schwimmend gelagerten Träger in der Stahlkonstruktion gab es keinerlei Sicherheitsbedenken in der Planungsphase, im Genehmigungsverfahren bei der Baubehörde des Bezirks Mitte von Berlin, während der Bauausführung und bei der Abnahme der Bauleistung“, erklärte er. Die Bahn habe ein Bauwerk übernommen, bei dem sie davon ausgehen konnte, dass es nach allen Regeln der Technik geplant, genehmigt, gebaut und abgenommen wurde.

Auch der international tätige Star-Architekt Gerkan äußerte sich zurückhaltend. „Es ist gefährlich, schon jetzt Schuldzuweisungen von sich zu geben, bevor die Ursache sicher geklärt ist“, sagte der 72- Jährige, dem der Vorfall eigenen Angaben zufolge schlaflose Nächte bereitet hat. Er habe einen Prüfstatiker beauftragt, der sich bereits vor Ort einen Eindruck vom derzeitigen Bahnhof gemacht habe. „Wir müssen sehen, was nicht planmäßig ausgeführt wurde und für welche Veränderungen es vielleicht keine Genehmigungen gab“, sagte er.

„Es ist richtig, dass die Träger nur aufgelegt sind - aber das Stahlgerüst ist so konstruiert, dass sich die Träger eigentlich nicht bewegen können“, erklärte von Gerkan. „Wenn es aber richtig ist, sie zu verschweißen, dann ist das in Ordnung. Aber ich frage mich, ob man das nicht auch schon vorher hätte tun können.“

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