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28.01.2017

16:34 Uhr

Süßwarenmesse in Köln

Von Gin Tonic-Schokolade und Pech bringenden Keksen

VonAndreas Neuhaus

Verrückte Verpackungen, extravagante Geschmackskombinationen oder Bio-Süßigkeiten. Auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln müssen sich die Hersteller etwas einfallen lassen, um sich abzuheben. Ein Überblick.

Auf der Süßwarenmesse in Köln werden unter anderem die Pechkekse zu sehen sein. dpa

Trends und Neuigkeiten auf der ISM

Auf der Süßwarenmesse in Köln werden unter anderem die Pechkekse zu sehen sein.

DüsseldorfEs ist gar nicht so einfach, immer neue Geschmacksrichtungen für Schokolade zu finden. Von Lavendel über Rosmarin-Chili bis hin zu „Kölnisch Wasser“ gibt es eigentlich nichts, was es nichts gibt. Der britische Hersteller Coco Chocolate Limited versucht es deshalb mit Gin Tonic. Ob das ankommt? Die Internationale Süßwarenmesse in Köln wird es zeigen.

Vom 29. Januar bis zum 1. Februar trifft sich die Süßwarenbranche in Köln. Oder besser gesagt: der Großteil davon.  Denn die ganz großen Namen wie Haribo, Ferrero, Mars oder Nestlé bleiben der Messe wieder fern. Mittelständische Unternehmen haben sich die Veranstaltung dagegen weiter im Kalender rot eingekreist, in Köln knüpfen sie internationale Kontakte und schließen wichtige Verträge ab. 1.650 Aussteller aus 68 Ländern präsentieren in der Domstadt ihre neuen Produkte, 38.500 Facheinkäufer werden erwartet. Um sich da von der breiten Masse abzuheben, müssen die Hersteller auffallen. Entweder mit extravaganten Geschmackskombinationen oder mit pfiffigen Verpackungen.

Die ISM Cologne

Die internationale Süßwarenmesse

Die Veranstalter beschreiben die Messe als „die größte und wichtigste Süßwaren- und Knabberartikelmesse der Welt“. Jedes Jahr trifft sich die internationale Branche, um die neuesten Trends, die neuesten Produkte und die neuesten Perspektiven vorzustellen, zu entdecken und zu diskutieren. Der gesamte globale Markt spiegelt sich in der einzigartigen Angebotsbreite der ISM wider.

Quelle: ISM Cologne

Laufzeit

Die internationale Süßwarenmesse in Köln findet immer zum Beginn des Monats statt. In diesem Jahr läuft sie vom 29. Januar bis zum 1. Februar.

Besucher

Die ISM ist nur für Fachbesucher geöffnet. Zugelassen sind nur die Einkäufer des Groß- und Einzelhandels. In diesem Jahr werden 38.500 Fachbesucher erwartet.

Die Angebotssegmente

Kakao, Schokolade, Schokoladenerzeugnisse, Zuckerwaren, Feine Backwaren, Knabbererzeugnisse, Eiscreme und Rohmassen bilden das Herzstück der ISM.
Veränderte Konsumentenbedürfnisse bringen bei der ISM neue Ernährungstrends und Produktinnovationen hervor.

Veranstaltungen

Das Rahmenprogramm der ISM bietet für jeden Fachbesucher etwas. Neben einem Forum für nachhaltigen Kakao, Kaffee- und Espresso-Seminaren wird gibt es die verschiedensten Angebote für Händler.

ISM Award

Auch in diesem Jahr wird der ISM Award an eine bedeutende Persönlichkeit mit dem außerordentliche Verdienste um die Süßwaren- und Knabberartikelindustrie verliehen. Preisverleihung ist im Rahmen des Gala-Abends am 29. Januar.

So wie die des deutschen Kaugummi Produzenten Alex Sweets. Der setzt auf ein saures Süßigkeitenspray in Form einer Plastikente. Die sieht mit ihren zusammengekniffenen Augenbrauen und der Zornesfalte zwar nicht sonderlich freundlich aus, soll sie aber beim Name Evil Duck Candy Spray wohl auch nicht. Das Kontrastprogramm dazu bietet der Dino Chomper. Ein grinsender Tyrannosaurus mit Bonbons im Inneren.

Ebenfalls in Köln zu sehen ist der Pechkeks vom gleichnamigen Hersteller. Auf der pechschwarzen Verpackung ist eine Katze abgebildet. Frech und lustig kommt der dunkle Zwilling des Glückskekses daher. Die Kunden sollten allerdings über sich selbst lachen können. Denn wer den ebenfalls schwarzen Keks auseinanderbricht, den erwarten Botschaften wie: „Du bist irgendwie komisch. Und damit ist nicht lustig gemeint.“ Oder: „Heute stehst Du vor dem Abgrund. Morgen bist Du schon einen ganzen Schritt weiter.“

Brexit macht Sorgen: Großer Appetit auf Süßes

Brexit macht Sorgen

Großer Appetit auf Süßes

Zur Freude der Hersteller und Händler verkaufen sich Süßwaren gut. Besonders der Export boomt seit 40 Jahren. Doch der Brexit und der aufkeimende Protektionismus in den USA sorgen die Branche.

Bei den Produkten setzt sich dagegen der Bio-Trend fort, wie Klaus Reingen beobachtet hat. Der Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie berichtet, dass vor allem passgenaue Produkte für die individuellen Bedürfnisse der Kunden wichtig sind. „Hierzu gehören zuckerfreie oder zuckerreduzierte Süßwaren, sowie Produkte, die für die vegetarische oder vegane Ernährung geeignet ist“, erklärt Reingen.

 „No Sugar Sugar” aus Hamburg setzt beispielsweise auf Xylit, einem natürlichen Zuckeraustauschstoff. Diesen nutzt das Unternehmen, um seine Nuss- und Erdnusscreme zu süßen. Außerdem verspricht der Hersteller, dass der Aufstrich durch ein spezielles Rührverfahren besonders cremig ist.

Ebenfalls den Weg in das Snackregal gefunden haben die sogenannten Superfoods wie Quinoa. Aufgrund ihrer hohen Nährstoffdichte sind sie die Stars unter den Lebensmitteln. Auf der Messe präsentiert das Stuttgarter Start-up Papicante beispielsweise einen herzhafter Snackriegel auf Erbsenproteinbasis, für den er Erbsen mit Superfoods kombiniert.

Zucker – der süße Energielieferant

Kohlenhydrat

Zucker ist ein Kohlenhydrat und hat einen hohen Kaloriengehalt. Der Energielieferant kommt in der Natur in verschiedenen Formen vor.

Quelle: dpa/zentrum-der-gesundheit.de

Haushaltszucker

Der Haushaltszucker (Saccarose) wird hauptsächlich aus Zuckerrohr und wie in Deutschland aus Zuckerrüben gewonnen.

Zucker hat viele Namen (1)

Es gibt verschiedene Sorten wie Kristallzucker, Puderzucker, Würfelzucker oder Kandis. In westlichen Gesellschaften ist der Konsum von raffiniertem Zucker zur täglichen Sucht geworden.

Zucker hat viele Namen (2)

Der Zuckergehalt eines Produktes wird häufig absichtlich vor dem Konsumenten „versteckt“. In der Zutatenliste des Etiketts wird der Zucker nämlich nicht unbedingt auch als solcher deklariert. Da steht vielleicht Saccharose oder Glukosesirup (als billiger Ersatz für Haushaltszucker, der nicht minder gefährlich ist).

Zucker hat viele Namen (3)

Oft enthalten Produkte auch reinen Traubenzucker (Glucose), Fruchtzucker (Fructose), Milchzucker (Laktose) oder Malzzucker (Maltose). Bei all diesen Zuckerarten handelt es sich um raffinierte Industriezucker – ganz egal, ob sie nun aus der Milch oder aus Früchten gewonnen wurden.

Fruchtzucker

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, klingt gesünder, hat aber keinen geringeren Energiegehalt als Kristallzucker. So müssen Diabetiker den Fruchtzucker wie normalen Zucker berechnen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass ein Übermaß an Fruktose in der Ernährung die Entwicklung von Fettleibigkeit begünstigt.

Künstliche Süßstoffe

Aspartam ist ein bekannter Süßstoff, der synthetisch hergestellt wird. Er ist in Softdrinks und Kaugummi weit verbreitet. Es gibt immer wieder Debatten, ob künstliche Süßstoffe gesundheitsgefährdend sind. Aspartam wurde in Deutschland 1990 zugelassen, die erlaubte Tagesdosis beträgt 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Natürliche Süßstoffe (Stevia)

Das zerkleinerte Stevia-Blatt ist 30-mal süßer als Kristallzucker. Wird der Süßstoff aus dem Blatt isoliert, erhält man den Süßstoff Steviosid, der 250- bis 300-mal süßer als Zucker ist. Ein weiterer Stoff, der aus der Pflanze gewonnen werden kann, ist das Rebaudiosid-A – 300- bis 450-mal süßer als Zucker.

Gesundheitsrisiko

Heute wird darüber diskutiert, ob Zucker ein Gesundheitsrisiko ist. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker ist in Deutschland und den USA mit mehr als 30 Kilogramm jährlich ähnlich hoch.

Maissirup

Die Amerikaner konsumieren aber mehr Maissirup, der häufig in Softdrinks verwendet wird. Er trägt möglicherweise zu Fettleibigkeit und einigen Erkrankungen bei.

Auch der bulgarische Hersteller Roobar setz auf die Superfoods und kombiniert sie mit getrockneten Früchten und Nüssen zu einem veganen, handgemachten und glutenfreien Keks. Die sind zudem noch einzeln verpackt und enthalten Kokosblütennektar. Extravagant ist auch Pandora Bell aus Irland unterwegs: Mit geräuchertem süßen Lakritz, dass zwei Tage lang kalt über Erlenzweigen geräuchert wird. Der Geschmack ist einzigartig – behauptet zumindest der Hersteller. Dass der polnische Hersteller Paul auf Chips aus getrockneten Süßkartoffeln oder Artischocken setzt, ist dagegen schon fast langweilig.

Doch bei allem Gesundheitsbewusstsein weiß Messe-Geschäftsführerin Katharina Hamma: „Ich kaufe was mir schmeckt. Dieser Aspekt liegt noch vor dem Preis und der Nachhaltigkeit.“

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