Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2015

07:43 Uhr

Super Bowl

Sex, Suff und Sport

VonAxel Postinett

Der Super Bowl infiziert das ganze Land. Ob grölender Hardcore-Fan oder hipper Yuppie: Die USA verfolgt das Mega-Sportspektakel live – zu Hause oder in Bars, inklusive Stipperinnen und All you can eat. Ein Streifzug.

New England gegen Seattle: Fast die Hälfte der Super Bowl-Zuschauer ist weiblich. AFP

Patriot-Fans schauen den Super Bowl

New England gegen Seattle: Fast die Hälfte der Super Bowl-Zuschauer ist weiblich.

San FranciscoLarry Flint weiß, wie man Sportfans anlockt. Freier Eintritt bis 19 Uhr in seinem verruchten Stripclub Hustler Club in der Amüsiermeile North Beach in San Francisco verfehlt seine Wirkung nicht. Fünf Dollar kostet der Eintritt, aber da ist heute ein „All you can eat“-Buffet enthalten. Ein Witz. Es gibt Hot Dogs, Hamburger, Pommes – und das ist hier sowieso immer inklusive.

„Üblicherweise ist es sonntags besser“, sagt die im Hustler wie üblich knapp bekleidete Kellnerin. Viele Stammkunden seien zuhause. Familie, Frau, Kinder, Nachbarn, sagt sie. So ist das eben. Aber langsam füllt sich das Keller-Etablissement mit einem Frauenüberschuss 10:1 dann doch. Ein Bier kostet vier Dollar. Ein Drink für ein Mädchen neun Dollar.

Szenenwechsel Mission Distrikt. Im angesagten Szeneplatz Pedros Cantina kostet ein einfaches Anker Steam Bier sieben Dollar, Essen gibt es nur zur Halbzeit und auf wenige Gerichte einen kleinen Rabatt.
Rund 380 Gäste fasst Pedro's direkt gegenüber von dem Stadion AT&T-Park. Vielleicht 50 Gäste sind um halb eins mittags schon da, und auf den 17 Flachbildschirmen läuft noch stummgeschaltet das Super Bowl-Vorgeplänkel zu lauter Rap-Musik aus der hauseigenen Anlage.

Pedro's ist verbunden mit Pete’s Tavern, der größten Sportsbar in San Francisco. Zusammen sind es fast 800 Fans, die hier legal feiern und auf zusammen über 40 Flatscreens das Spiel verfolgen können. Aber an Tagen wie heute sind es eher tausend. Wer zählt da schon.

Fakten zum Super Bowl

Zuschauer

Allein in den USA saßen im vergangenen Jahr im Schnitt 111 Millionen Menschen vor dem Fernseher. Den Spitzenwert erzielte dabei die Halbzeitshow mit Bruno Mars – mit 115 Millionen Zuschauern. In Deutschland sahen 980.000 Leute bei Sat.1 zu.

Werbespots

Für 30 Sekunden Werbung zahlen die Unternehmen 2015 satte 4,5 Millionen Dollar. Das sind nochmal 500.000 Dollar mehr als noch im Vorjahr.

Deutschland

In Deutschland wird auch in diesem Jahr Sat.1 den Super Bowl übertragen. Kick-off ist um 00:30 Uhr deutscher Zeit.

Der Spielerort

Gespielt wird in Glendale im Bundesstaat Arizona – im University of Phoenix Stadium. Das fasst aktuell 63.400 Zuschauer und wurde ab dem Jahr 2003 für knapp 455 Millionen Dollar gebaut. Die Arena verfügt, wie die Arena in Gelsenkirchen, über ein schließbares Dach und ein fahrbares Spielfeld mit Naturrasen.

Die Vorjahreschampions

Die Seattle Seahawks gehen als Titelverteidiger in den Super Bowl. Star des Teams ist Quarterback Russell Wilson.

Der Star

Russell Wilson hat in seiner NFL-Karriere schon 1877 Yards selbst erlaufen und elf Touchdowns erzielt. Damit gilt er als Musterbeispiel der neuen Generation der Quarterbacks, die ein eigenes Laufspiel entwickelt haben und sich nicht auf das Werfen der entscheidenden Bälle beschränken.

Die Herausforderer

Im vergangenen Jahrzehnt waren die New England Patriots so etwas wie der FC Bayern des American Footballs. In 2001, 2003 und 2004 gewann das Team um Quarterback Tom Brady den Super Bowl.

Der Star

Tom Brady könnte sich mit einem Sieg in diesem Jahr bereits seinen vierten Super-Bowl-Ring sichern. Das haben vor ihm nur die Legenden Joe Montana und Terry Bradshaw geschafft.

Der Super Bowl ist eine echte Herausforderung für die Gastronomen. Eine Reihe kleinerer Restaurants in der Stadt hat schlicht heute dicht gemacht. Andere versuchen mit Aktionen Gäste anzulocken. Wer eine Pizza kauft, bekommt die zweite umsonst. Oder es gibt für 30 Dollar pro Person ein Menü und Sitzrecht bis Spielende. Die Playland Bar gibt halben Preis auf alle Getränke bei jedem Touchdown.

Denn in den Sportsbars in Downtown San Francisco gehört kostenloses Essen nicht nur beim Super Bowl zum Standardprogramm. Ob Outsiders, Kristi, Chelsea Place oder Aces: Überall biegen sich die Tische unter kostenlosen Hot Dogs, Hamburger, Tacos und Chicken Wings.

Heute hat der Turkey Verschnaufpause, dem es Thanksgiving an den Kragen geht. Zum Super Bowl, rechnet der Geflügelzüchter-Verband vor, werden diesen Sonntag über eine Milliarde Chicken Wings in Bars und auf Partys verspeist werden. In den Supermärkten zogen die Preise schon Tage zuvor an.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×