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22.01.2004

10:27 Uhr

Teure Mehrwertsteuer

Auch bei Auslandsreisen kassiert das Finanzamt mit

Bei Auslandsreisen verschenken viele Unternehmen Geld an den jeweiligen Fiskus, weil sie sich trotz ihrer Vorsteuer-Abzugsberechtigung die Mehrwertsteuer im jeweiligen Land nicht zurück holen. Es geht um Größenordnungen – je nach Steuersatz bei den EU-Nachbarn – zwischen 15 und 25 Prozent der beispielsweise für Hotelzimmer, Mietwagen, Restaurantrechnungen oder Fahrkarten gezahlten Beträge.

HB DÜSSELDORF. Auf „mehrere 100 Millionen Schweizer Franken“, so schätzt Creditsuisse-Partner Cashback, wachsen Jahr für Jahr diese unnötigen Reisekosten an. Wettbewerber Vatcollect in München glaubt, dass deutsche Unternehmen sich von rund 1 Milliarde Euro im Ausland gezahlter Mehrwertsteuer allenfalls Bruchteile zurück erstatten lassen. Das „aufwändige und komplizierte Verfahren“, so Vatcollect-Geschäftsführer Anders Flensborg, lasse vor allem kleine und mittlere Unternehmen vor dem Papierkrieg der Rückerstattung zurückschrecken.

Die beiden Unternehmen zählen zu den Spezialisten, die Vorsteuerbeträge gegen Provision aus dem Ausland in die Unternehmenskassen zurückfließen zu lassen. Andere Dienstleister wie die im bayerischen Berg ansässige CP Organisationsberatung, bieten ein komplettes Outsourcing der Reisekostenabrechnung an und kümmern sich dabei auch um ausländische Vorsteuer-Erstattungen.

Nach den Mehrwertsteuer-Richtlinien der EU wird in den meisten Ländern die Mehrwertsteuer beispielsweise für Messestände, Werbungs- oder Frachtkosten zurückgezahlt. In einigen Staaten gehören aber auch Verbrauchersteuern auf Treibstoff, Hotelzimmer, Verzehr und Mietwagen dazu.

Die Devise Geld zurück ist keine Einbahnstraße: Unternehmen aus dem Ausland haben sich 2002 vom Bundesamt für Finanzen laut Vatcollect 720 Mill. Euro zurückzahlen lassen. Die Münchner Geldeintreiber arbeiten mit einem dänischen Konzern zusammen, der die „VAT“-Erstattung weltweit als Dienstleistung betreibt. „Das Unternehmen kommt eigentlich aus dem Transport- und Logistikbereich“, sagte ein Sprecher. „Doch als die gesehen haben, wie viel Geld da bei Auslandsreisen verpulvert wird, haben sie sich auf das Erstattungsgeschäft spezialisiert.“ Das gibt es auch schon in Deutschland. Die Zentrale der Straßenverkehrsgenossenschaften (SVG) betreibt dies für ihre Mitglieder. Rund 2 Mill. Euro erhalten nach eigenen Angaben rund 900 Transportunternehmen pro Jahr auf diese Weise von ausländischen Rechnungen zurück.


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