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28.03.2012

04:01 Uhr

Teurer Spaß

San Francisco ist die Sugar-Daddy-Hauptstadt der USA

VonAxel Postinett

Er muss reich, großzügig und zahlungswillig sein: Der sogenannte Sugar-Daddy. Und davon gibt es besonders viele in Kalifornien. Im Schnitt ist den Sugar-Daddys ihre Lebensabschnitts-Gefährtin 4357 Dollar im Monat wert.

Eine Straße in San Francisco. Reuters

Eine Straße in San Francisco.

San FranciscoJunge Damen auf der Suche nach einem vermögenden und großzügigen Sponsor liegen in der kultigen Westküstenmetropole im Norden Kalifornien am besten: 3,51 von 1000 männlichen Bewohnern bis zur Hugh-Hefner-Altersgrenze in San Francisco und Umland leisten sich als Belohnung für einen harten Arbeitstag ein kleines Zuckerstückchen für nebenbei. Das hat die älteste Vermittlungsplattform für diese Art von Beziehungen in den USA ermittelt. 2006 von Brandon Wade gegründet, hat sich SeekingArrangements.com schnell zum Marktführer und zur Geheimadresse für Interessenten beiderlei Geschlechts an solch einer Art von Abkommen auf Gegenseitigkeit entwickelt. Tausende Männer sind hier als zahlungswillig und bindungsfreudig registriert und die erste statistische 5-Jahresauswertung liegt vor.

Wer jetzt aber glaubt, lauter alternde Lüstlinge vorzufinden, der täuscht sich gewaltig. Das Durchschnittsalter des amerikanischen Sugar Daddys ist seit 2007 von 44 auf 39 Jahre gefallen. Immer mehr jüngere, wohlhabende Männer sind offenbar die abendliche Jagd durch Clubs und Szenelokale auf der Suche nach der passenden Begleitung leid.

Dazu kommt, dass jüngere Männer in bestimmten Regionen schneller zu Vermögen kommen. Wer an New York denkt, denkt an Wall Street, wer an San Francisco und das Silicon Valley denkt, dem fallen sofort die Börsenmillionäre von Google bis Zynga ein. Wenn im Sommer beim Börsengang von Facebook voraussichtlich die größte Zahl von Millionären und Milliardären an einem einzigen Tag in der Geschichte Amerikas geschaffen wird, wird sich der Vorsprung Nordkaliforniens vor dem Rest des Landes vermutlich weiter ausbauen.

Doch die schiere Masse der verfügbaren Männer ist nicht alleine ausschlaggebend. Die größte Zahlungsbereitschaft herrscht zum Beispiel mit Abstand in der schillernden Entertainmentmetropole Los Angeles vor. Im Schnitt 5710 Dollar ist ihnen ihre Lebensabschnitts-Gefährten im Monat wert, immerhin 68520 Dollar im Jahr. In San Francisco gibt es dagegen nur knauserige 3765 Dollar pro Monat. Und das, obwohl die Lebenshaltungskosten in beiden Städten kaum unterschiedlich sind.

Washington DC, die Hauptstadt von Politik und Moral, kommt nach der Auswertung der Webseite auf den sechsten Platz im Ranking. 2,24 von 1000 Männern pflegen den Lifestyle eines Sugar Daddys, rund 4300 von ihnen haben hier auf SeekingArrangements.com ein Konto angemeldet. Allerdings ist Washington DC an anderer Stelle ganz weit vorne, 47,9 Prozent der Daddys sind verheiratet, laut Gründer Brandon Wade eine „der höchsten Raten im ganzen Land“. Die Berufsbezeichnung „Lobbyist“ führen sieben Prozent aller Sugar Daddys in DC, im Rest des Landes ist es Null. Ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Zerstreuung scheinen auch die Anwälte in Washington zu haben, mit ebenfalls neun Prozent liegen sie zwei Prozent über den Schnitt.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist jedoch selbst an den amerikanischen Sugar Daddys nicht ganz spurlos vorübergegangen. 2007 lag ihr Durchschnittseinkommen noch bei 312 482 Dollar, 2012 waren es noch beklagenswerte 263 589 Dollar, ein Schwund von 18 Prozent. Das Durchschnittsvermögen sank nach Junk Bond-Krise und Immobilienkollaps um 21 Prozent auf 7,1 Millionen Dollar in 2012. Da mussten selbst die Zuckerstückchen den Gucci-Gürtel landesweit etwas enger schnallen, sie bekamen im Schnitt ihr Monatsbudget um 30 Prozent gekappt, von 6231 auf 4357 Dollar.

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