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18.12.2012

20:02 Uhr

Tipps vom Sommelier

Meditationswein für kalte Winterabende

VonJürgen Röder

Sommelier Michael Liebert hat aus den alten Rebsorten Apuliens drei besondere Weine herausgesucht - für den Sofaabend, als Essensbegleiter und einen für die ruhigen Stunden.

Sommelier Michael Liebert Michael Liebert

Sommelier Michael Liebert

Handelsblatt-Online-Autor Jürgen Röder ist durch Italiens Weinregionen getourt und hat seine eigenen Erfahrungen niedergeschrieben. Zusätzlich hat er den Sommelier Michael Liebert, ein Experte für italienische Weine, gebeten, drei Empfehlungen zu schicken. Ausgesucht hat Liebert einen Primitivo von dem führenden Weinmacher Apuliens, einen aus der Rebsorte „Nero di Troia“ und als persönlichen Tipp einen günstigen Negramaro-Wein.

Primitivo di Manduria 2010 ES, Gianfranco Fino

„Ist das überhaupt noch Wein, was Gianfranco Fino aus den Trauben von diesen uralten Primitivo-Stöcken zaubert? Es schmeckt wie ein flüssiges, ungemein kraftvolles Elixier, deren Ursprung wohl in der Fabelwelt liegt. Der Weinmacher des Jahres 2010 behauptet allerdings, es sind einzig und allein die Trauben einer alten Rebanlage unweit vom Meer und deren natürliche Hefen, die hier zum Tragen kommen. Es ist ein Meditationswein für kalte Winterabende.

Wein aus Apulien

Primitivo

Die Rebsorte Primitivo ist mit Zinfandel identisch, daher vermarkten italienische Primitivo-Winzer ihren Wein teilweise unter dem bekannteren Namen Zinfandel. Die bekannteste italienische Anbauzone für Primitivo ist Manduria in der Region Apulien, wo es die DOC-Zone Primitivo di Manduria gibt, allerdings werden auch einige vorzügliche Exemplare unter der IGT Primitivo di Puglia verkauft. In seinen Anbaugebieten gilt er als krankheitsresistent. Zinfandel-/Primitivo-Rotweine können infolge des hohen Zuckergehalts der Traube höhere Alkoholwerte (13 bis 15 Volumenprozent) erreichen. Die Weine zeichnen sich durch ein charakteristisch würziges, an Zimt, Nelken, schwarzen Pfeffer und dunkle Waldfrüchte erinnerndes Aroma aus. Zinfandel wird überwiegend in Kalifornien angebaut.  Früher durfte Zinfandel in Deutschland nicht angebaut werden; erst seit ein paar Jahren gibt es dort auch ein paar Rebflächen.

Negramaro

Negroamaro (auch: Negramaro) ist eine rote Rebsorte. Sie ist vor allem in der süditalienischen Region Apulien zu finden, wo sie seit Jahrtausenden angebaut wird und sehr gute, kräftige Weine ergibt. Negroamaro enthält reichhaltige Fruchtaromen nach schwarzer Johannisbeere und Kirsche. Bis vor kurzem wurde sie vor allem für Verschnittweine eingesetzt; inzwischen erfolgt zunehmend auch reinsortiger Ausbau. Das bekannteste DOC-Gebiet für Negroamaro ist SaliceSalentino, wo die Rebe meist mit etwas Malvasia Nera verschnitten wird. Aus getrockneten Trauben der Sorten Negroamaro und Malvasia Nera wird außerdem die sirupähnliche Würzspezialität Vincotto gewonnen. Der Name bedeutet nach einer Version „schwarze Bittere“, was auf einen hohen Tanningehalt hindeutet.

Malvasia

Malvasia sind in südlichen Ländern sehr verbreitete verschiedene rote und weiße Rebsorten, vor allem aus Italien, Spanien, Portugal und Kroatien. Viele dieser Sorten sind antiken griechischen Ursprungs. In Niederösterreich und Deutschland wird auch der Frührote Veltliner manchmal so bezeichnet. Aus getrockneten Trauben der Sorten Negroamaro und Malvasia nera (Malvasia Nera di Basilicata, Malvasia Nera di Brindisi und Malvasia Nera di Lecce) wird außerdem eine sirupähnliche Würzspezialität Vincotto gewonnen.

Verdeca

Die weiße Rebsorte Verdeca ist eine autochthone Sorte Süditaliens und wird vorwiegend in der Region Apulien angebaut. Sie erbringt einen blaßgelben grünlichen Wein mit neutralem Aroma (in seiner besten Ausprägung verfügt der Weißwein über ein Mandel-Bouquet) und Geschmack. Der mittlere Alkoholgehalt liegt dabei bei mäßigen 11 - 12 Volumenprozent. Die Sorte dient vor allem als Basis für Vermouth und für Verschnitte, zum Beispiel für die DOC-Weißweine Locorotondo und Martina Franca. Er wird häufig mit Bianco d'Alessano, Bombino Bianco, Fiano und Malvasia Toscana verschnitten.

Das Bouquet ist unglaublich! Eine unglaubliche Duftwolke aus purer Frucht. Verwirrend, irritierend, zuviel des Guten? Am Gaumen geht das Spiel weiter. Dunkle Kirschen, Heidelbeeren, Moosbeeren und wohl auch noch Pflaumen. Unheimlich dicht, unheimlich konzentriert und das faszinierende daran, trotzdem hat man das Gefühl von Frische am Gaumen. Wie macht er das? Diese unglaubliche Konzentration, ein mächtiger Alkoholgehalt von 16,5% und trotzdem bleibt der Wein überraschend saftig und ungemein lang am Gaumen präsent! Ein Meditationswein par excellence.“

Optimaler Trinkgenuss: 2012 bis 2018, Preis: 37-42 €

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