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03.08.2015

12:24 Uhr

Umstrittener Fototrend

Wenn der nackte Hintern für Erdbeben sorgt

Immer öfter bringen Touristen nackte Tatsachen nach Hause – in Form von Fotos mit blankem Po oder Busen vor beliebten Sehenswürdigkeiten. In Asien erzürnt dieser Trend nicht nur Sittenwächter, sondern auch die Götter.

Das kambodschanische Heiligtum wird von hemmungslosen Touristen heimgesucht – kein Einzelfall mehr. AFP

Die Tempelruine Angkor Wat

Das kambodschanische Heiligtum wird von hemmungslosen Touristen heimgesucht – kein Einzelfall mehr.

Kuala LumpurEin Reise-Schnappschuss vom Wolkenkratzer Taipei 101 in Taiwans Hauptstadt, dem einst höchsten Gebäude der Welt: Emil Kaminski lässt sich mit nacktem Po fotografieren. Am Eiffelturm in Paris: Zwei Männer lassen sich dort mit heruntergelassenen Hosen ablichten. Vor dem Panorama des Grand Canyon in Colorado: Eine Frau reckt die Arme in die Luft und ihren entblößten Allerwertesten in die Kamera.

Fotos mit nackten Touristen sind „in“. Bei Twitter, Instagram und auf Facebook haben vorwiegend westliche Touristen Tausende Fotos mit nackten Tatsachen hochgeladen. Was sie für Spaß halten, erzürnt aber viele Einheimische, vor allem in Asien.

Dort greift die Polizei nun immer öfter durch. In Malaysia wurden im Juni vier Touristen aus Großbritannien, den Niederlanden und Kanada wegen obszönen Verhaltens zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Sie hatten am Gipfel des Kinabalu blankgezogen und sich dabei fotografiert.

Einheimische machten die Gruppe mit ihrem Verhalten für ein Erdbeben verantwortlich, bei dem 18 Menschen umkamen. „Das Volk der Kadazan und der Dusun, die dort leben, sehen den Berg als letzte Ruhestätte der Seelen ihrer Toten“, sagt der lokale Tourismusminister Masidi Manjun der Deutschen Presse-Agentur. „Sich dort aus reinem Spaß nackt auszuziehen ist ein Sakrileg.“

Am legendären Tempelbezirk Angkor Wat in Kambodscha sind dieses Jahr bei verschiedenen Gelegenheiten fünf Touristen aus Frankreich und den USA festgenommen worden, sagt der Sprecher des Innenministeriums, Phay Siphan. Sie wurden in den Dschungel-Tempeln dabei erwischt, wie sie sich ohne Kleidung ins rechte Bild rücken wollten. Respektlos findet der Sprecher das. „Man stößt doch überall auf der Welt Menschen vor den Kopf, wenn man sich öffentlich entblößt“, meint er.

Emil Kaminski versteht das alles nicht. Der Kanadier rühmt sich, einer der ersten gewesen zu sein, die vor ein, zwei Jahren mit solchen Nacktfotos an Touristenattraktionen anfingen. „Wir hatten einfach keinen Bock mehr auf die langweiligen Urlaubsfotos“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wollten ein bisschen mehr Spaß haben.“ Den Foto- und Videograf, Ende 20, reist viel und schreibt einen Reiseblog.

Kommentare (2)

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Frau Ich Kritisch

03.08.2015, 12:52 Uhr

Ich hoffe, dass zukünftige potenzielle Chefs dieser respektlosen Menschen sich die Bilder ansehen - und solche Menschen nicht einstellen.

Es kommt doch hier auch niemand auf die Idee sich nackt im Kölner Dom zu fotografieren.

Ein wenig Respekt gegenüber der fremden Kultur, ein wenig Toleranz für alte Tugenden würde den Leuten gut tun.

Herr Klaus Wagner

03.08.2015, 15:01 Uhr

Also doch: es handelt sich um asoziale Medien.

Diese Leute mit ihrer Egomanie, Narzissmus, Respektlosigkeit, Fremdenfeindlichkeit bis Fremdenhass, Autismus, Gedankenlosigkeit und was man sonst noch zu diesen widerwärtigen Verhaltensweisen sagen kann, wollte ich mal sehen wenn ihnen jemand auf den Wohnzimmertisch sch...en würde, nur weil der das gerade lustig findet.

Das ist Kolonialismus übelster Art.

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