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16.03.2013

09:56 Uhr

Unterwasserlagerung

Wein vom Meeresgrund

Marketing-Gag oder Geschmackserlebnis? Wein, auf dem Grund der Ostsee gelagert, soll besonders gut schmecken. Auf der Suche nach dem ultimativen Geschmack zieht es Winzer aber auch an andere ungewohnte Plätze.

Symbolische Weinflaschen im Ozeaneum Stralsund. dpa

Symbolische Weinflaschen im Ozeaneum Stralsund.

StralsundDer genaue Ort in der Ostsee vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ist geheim. Denn Alexander Lau fürchtet Plünderer. Schließlich lagern in zehn Metern Tiefe irgendwo zwischen Rostock und Stralsund seit Januar rund 3600 Flaschen Rot- und Weißwein. Der von kühlem Meerwasser umspülte Rotspon und Wittspon im Gesamtwert von knapp 40 000 Euro ist in sechs Gitterboxen verpackt. Die Meeresströmung erzeuge ein leises Schaukeln und bringe den Wein zu einer besonderen Reife, ist der Chef der 1899 gegründeten Hanseatischen Kolonialwaren Gesellschaft überzeugt.

Im Herbst soll der kulinarische Schatz gehoben werden. Die Tourismuszentralen der Hansestädte Rostock, Stralsund, Greifswald, Demmin, Anklam und Wismar warten mit Vorfreude auf das Ergebnis. „Wir sind schon ganz gespannt, wie der Wein aus der Ostsee schmeckt“, sagt der Tourismuschef der Hansestadt Demmin, Ronny Szabo. Zur Visualisierung wurde die Szenerie jetzt in einem Becken des Ozeaneums in Stralsund nachgestellt.

Vor rund fünf Jahren begann der Rostocker Weinhändler eine Tradition des Familienunternehmens wiederzubeleben und die Hansestädte wie bereits vor einhundert Jahren mit französischem Rotspon und Wittspon zu beliefern. Die Städte verkaufen den Merlot und Chardonnay über ihre Tourismuszentralen, auch die Staatskanzlei hat den Wein in ihrem Gastgeschenk-Repertoire.

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Die Idee, den Wein in der Ostsee zu deponieren, kam Lau vor rund zwei Jahren, als die Lagerplätze im Rostocker Weinkeller knapp wurden und Berichte über einen spektakulären Champagner-Fund vor der Küste Finnlands die Runde machten. Im vergangenen Jahr ließ Lau die ersten Flaschen probehalber versenken. „Anfangs haben wir Einiges falsch gemacht“, sagt der 41-Jährige. Über den Korken sei Salzwasser in die Flaschen eingedrungen und habe den Wein ungenießbar gemacht. „In einem zweiten Versuch haben wir die Flaschenhälse mit Wachs versiegelt.“ Nach ersten Verkostungen des Weines ist sich Lau sicher, dass der Wein durch die Unterwasserlagerung an Qualität gewonnen hat. „Durch die leise Schaukelbewegung wurde der Reifeprozess forciert. Der Rotwein ist weicher. Der Weißwein hat an Säure verloren.“

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