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26.11.2015

18:06 Uhr

USA feiern Thanksgiving

Ein Schlachtfest für die ganze Familie

VonFrank Wiebe

Thanksgiving eint die Amerikaner mehr als jeder andere Feiertag. Dabei hat die Tradition des exzessiven Geflügelverzehrs durchaus auch ihre dunklen Seiten. Die USA zwischen Gier auf Geflügel und Gier auf Rabatte.

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New YorkHenry, der Vorzeige-Indianer der TV-Krimiserie „Longmire“, bringt es auf den Punkt. „Thanksgiving? Ach, ihr meint Thankstaking“, sagt er zu seinen weißen Freunden. Und in der Tat: Das Erntedankfest im November eint alle Amerikaner, unabhängig von ihrer Religion. Nur die Ureinwohner sehen es mit anderen Augen als die Nachfahren der Siedler und Immigranten aus allen Teilen der Welt. Aber ihre Sichtweise spielt an diesem Tag, der ein Schlachtfest für die ganze Familie ist, nicht wirklich eine Rolle.

Der traditionell wichtigste Feiertag in den USA hat zugleich eine religiöse wie auch eine sehr weltliche Bedeutung. Fromme Amerikaner feiern hier, dass Gott ihnen, ganz im biblischen Sinne, das Gelobte Land geschenkt hat, oder das „Land der Freien“, wie es in der Nationalhymne heißt. Erntedank ist zugleich ein Familienfest wie auch ein nationaler Feiertag, der tief in die Geschichte zurück reicht.

Noch heute können Touristen in Plymouth die Holzhäuser der „Pilgerväter“ bewundern, der ersten weißen Siedler auf dem Kontinent. Noch heute erzählten dort Nachfahren der Ureinwohner, die den Weißen über den ersten Winter halfen, von ihrer traditionellen Lebensweise. Im Jahr 1621, so sagt es die Tradition, feierten die Pilgerväter zum ersten Mal Thanksgiving und damit auch das eigene Überleben, das sie ihren Nachbarn verdankten. Die anfängliche Harmonie zwischen Weißen und „Wilden“ hielt aber nicht lange, sondern mündete in eine Geschichte von Vertreibung und Mord, die bis heute die schwerwiegende Folgen hat.

In der Praxis ist Thanksgiving heute ein Tag der Familienzusammenführung, beinahe noch wichtiger als der erste Weihnachtstag. Mehr als 40 Millionen Amerikaner machen sich jedes Jahr auf den Weg, um den vierten Donnerstag im November mit ihren Eltern, Kindern oder anderen Verwandten zu verbringen. Häufig nehmen sie für wenige Tage Aufenthalt nicht nur weite Flüge, sondern auch lange Auto- oder Busfahrten in Kauf. Amerikaner wohnen oft weit weg von den Orten, wo sie aufgewachsen sind, und sie haben in der Regel wenige Urlaubstage. Daher spielen Feiertage dort eine weitaus wichtigere Rolle als etwa in Deutschland. Wer keine Familie zum Feiern hat, schafft sich für den Feiertag einen Ersatz im Freundeskreis oder sucht ein wenig Wärme beim Truthahn-Buffet im Restaurant.

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Thanksgiving hat zwar auch eine religiöse Komponente, ist aber letztlich nicht ans Christentum gebunden. Das macht den Tag unkomplizierter als Weihnachten. In der gesamten Adventszeit werden zum Beispiel in New York in vielen Gebäuden aus Gründen der Parität neben Christbäumen auch jüdische Hanukkah-Leuchter aufgestellt, während andere Religionen wie etwa der Islam in dieser Zeit nicht sichtbar ist, ganz zu schweigen von den überzeugten Atheisten.

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