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24.06.2017

13:31 Uhr

Verbraucherzentrale

Der Schmu mit Protein-Shakes

VonThomas Schmitt

Sportler futtern Nahrungsmittel mit viel Eiweiß, um Muskeln aufzubauen. Andere möchten mit Proteinen abnehmen. Ein gutes Geschäft für Hersteller, aber ein schlechter Deal für Nutzer, warnen Verbraucherschützer.

Shakes zum Abnehmen sehen oft verlockend aus und versprechen zudem eine schlanke Figur in Rekordzeit. In den Produkten stecken allerdings häufig verbotene Zutaten und jede Menge Zucker. AP

Zweischneidiges Schwert

Shakes zum Abnehmen sehen oft verlockend aus und versprechen zudem eine schlanke Figur in Rekordzeit. In den Produkten stecken allerdings häufig verbotene Zutaten und jede Menge Zucker.

DüsseldorfKohlenhydrate sind out, mehr Eiweiß in. In jedem Supermarkt sind die Riegel mit hohem Proteinanteil inzwischen zu haben. Schlank soll man damit werden, oder es zumindest bleiben. Sportler wollen so ihre Muskeln schneller wachsen lassen. Protein-Shakes erscheinen praktisch, doch viele Produkte halten nicht, was sie versprechen, warnen Verbraucherschützer und Mediziner.

„Eiweiß ist derzeit der Shootingstar unter den Nährstoffen“, stellt Ernährungsmediziner Hardy Walle fest. Immer mehr Figurbewusste würden zu praktischen Eiweiß-Shakes greifen. Viele im Handel, online oder in Apotheken erhältliche Eiweiß-Shakes enthielten jedoch deutlich zu viele Kohlenhydrate. Damit werde der erwünschte Effekt ins Gegenteil verkehrt.

Bei der richtigen Ernährung seien Proteinpulver und -drinks sogar überflüssig, meint die Verbraucherzentrale Bayern. Das gilt auch für andere Nahrungsergänzungsmittel: „Ein Nutzen ist selten zu erkennen. Und ein Zuviel kann schaden“, stellt die Verbraucherzentrale NRW heraus. Sportler hätten keinen erhöhten Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen.

Verbrauchertipps: Abzocke bei Nahrungsergänzungsmitteln

Aktuelle Warnungen

Die Verbraucherzentrale hat eine Internetseite eingerichtet, auf der sie aktuelle Warnungen zu Nahrungsergänzungsmitteln veröffentlicht. Die jüngsten Beispiele (Stand 23. Juni 2017)
https://www.verbraucherzentrale.de/verbraucherwarnungen

Skrupellose Geschäfte mit Krebs-Wundermitteln

Rund 170.000 krebskranke Menschen leben in Berlin und Brandenburg. Manche setzen in ihrer Verzweiflung auf Wirkstoffe, denen von Portalen wie „Zentrum der Gesundheit“ völlig überzogene Heilversprechen angedichtet werden. Aufgrund von rbb-Recherchen schreitet nun die Verbraucherzentrale ein. (rbb-exklusiv, 12.06.17)

GreenProPowerSlim zauber keine Kilos weg

Der Anbieter verspricht für die Grüntee-Protein-Kombination GreenProPowerSlim unseriöse und unrealistische Fett-Weg-Erfolge. Neben Behauptungen wie „keine Diät erforderlich“ und unglaubwürdigen Vorher-Nachher-Bildern fehlen Informationen zu Lieferbedingungen und Widerrufsrecht. (Verbraucherzentrale Hessen, 26.05.2017)

Abzockmasche Kaffeefahrten

Eine Verbraucherin berichtet, dass ihr Vater auf einer Kaffeefahrt des Veranstalters "Claudias Clubreisen" mit Sitz in Cloppenburg ein Nahrungsergänzungsmittel mit Q10 zum Preis von 2.566 Euro gekauft hatte. In der Apotheke kosten Q10 Produkte zwischen 20 und 200 €, im Mittel 30 €. (Verbraucherzentrale Bremen, 15.05.2017)

Abofalle per Telefon

Hier geht es vornehmlich um den Verkauf des Nahrungsergänzungsmittels „Ginkgo Nova“. Am Telefon werden Verbraucher mit einem Gratis-Monatsvorrat in eine Abofalle gelockt. (Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, 19.04.2017)

„chocolate slim“ ist kein Wundermittel zum Abnehmen!

Das Getränkepulver „chocolate slim“ wird mit unzulässigen Gesundheitsversprechen, unrealistischen Abnehmerfolgen und ohne Angabe der Hersteller- oder Betreiberadresse in Online-Shops zum Kauf angeboten. (Verbraucherzentrale Hessen, 09.03.2017)

Slimsticks: Unzulässige Abos geblockt

Verbraucher melden Probleme mit Bestellungen des Nahrungsergänzungsmittels „Slimsticks“. Auf der Internetseite werden sie in undurchsichtige Abos gelockt. (Verbraucherzentralen, 21.02.2017)

Gefährliche Wirkstoffe: Warnung vor Schlankheitsmittel „Slimix“

Verbotener Inhalt, schlechte Qualität: Das Landesuntersuchungsamt (LUA) warnt vor dem Schlankheitsmittel "Slimix - Green coffee bean extract", das im Internet angeboten wird. Die Kapseln enthalten die beiden gesundheitsschädlichen Wirkstoffe Sibutramin und Phenolphthalein. (Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz, 15.02.2017)

Warnung vor La Pepa „Negra/XXXPlosion“

Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg hat festgestellt, dass "La Pepa Negra/XXXPlosion" 49,3 mg Sildenafil pro Tablette enthält. Sildenafil ist ein Wirkstoff des Fertigarzneimittels Viagra und darf in Deutschland nur auf Rezept durch Apotheken abgegeben werden (Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein, 30.01.2017)

Schlankheitsmittel helfen nur wenig

Einige Geschäftemacher versuchen ihre Schlankheitsmittel wirksam zu machen, indem sie ihnen illegale Substanzen zusetzen. Solche Produkte werden hauptsächlich im Internet vertrieben und häufig als „100 % natürliche“ oder „rein pflanzliche“ Nahrungsergänzungsmittel angeboten. (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 03.01.2017)

Warnung vor illegalen Schlankheitsmitteln

Im Internet werden immer häufiger Schlankheitsmittel angeboten, die z. B. Pflanzenextrakte der traditionellen chinesischen Medizin, natürliche Kräuter oder sonstige angeblich rein pflanzliche Zubereitungen enthalten. Anwender dieser Produkte setzen sich unter Umständen einem hohen gesundheitlichen Risiko aus. (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 15.12.2016)

Wer unbedingt mehr Eiweiß essen möchte, finde gute Proteinquellen in tierischen Lebensmitteln wie Milchprodukten, Eiern, Fleisch und Fisch. „Sportler benötigen keine zusätzlichen Proteine (Eiweiß) in Form von Präparaten“, betonen die Verbraucherschützer seit Jahren. Dennoch boomen Eiweiß-Produkte in Supermärkten.

Nicht ohne Grund: Grundsätzlich begünstige Eiweiß einen gesunden Stoffwechsel, erklärt Walle. Studien zeigten, dass der Protein-Kick am Morgen die Kalorienaufnahme während des gesamten Tages reduziert. Es werde also fast „automatisch“ weniger gegessen. Allerdings funktioniere dies nicht mit jedem Produkt am Markt.

Wichtig sei, dass Molkenprotein in der Zutatenliste enthalten sei. Das vielfach eingesetzte Sojaprotein habe im Gegensatz dazu keinen entfettenden Effekt auf die Leber. Außerdem werde es vom Körper schlechter verwertet, so dass Muskelwachstum beziehungsweise Muskelerhalt geringer ausfielen. Soja sei deshalb nur zweite Wahl.

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