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02.11.2014

08:37 Uhr

Wein

Deutsche Winzer profitieren vom Klimawandel

VonVon Matthias Stelzig

Weinbauern erleiden wegen extremer Wetterbedingungen immer häufiger starke Schäden im Berg. Schreitet der Klimawandel so voran, verschiebt sich die Weltkarte des Weinanbaus. Zum Wohle deutscher Winzer.

Blick auf das neuseeländische Weingut Felton Road: Auf 32 Hektar Fläche werden rund 150.000 Flaschen produziert. Seine Pinot Noirs verkauft das Weingut in Deutschland zu einem Preis zwischen 50 und 80 Euro. PR

Blick auf das neuseeländische Weingut Felton Road: Auf 32 Hektar Fläche werden rund 150.000 Flaschen produziert. Seine Pinot Noirs verkauft das Weingut in Deutschland zu einem Preis zwischen 50 und 80 Euro.

Der 2. August 2013 war zunächst ein netter Sommertag in der Charente. Sonnig, vielleicht ein bisschen feuchtwarm. Erst am Abend um halb neun brauten sich die Wolken zu einer dunkelgrauen Masse zusammen, heftiger Wind setzte ein und dann der Hagel. „So groß wie Boule-Kugeln waren die Dinger“, erinnert sich Michel Martineau und formt mit beiden Händen einen Kreis. Zehn Minuten später war alles vorbei. Auch die Weinernte. Von den Trauben des Winzers war nichts mehr übrig. Nicht mal Blätter hatten die Hagelkörner am Stock gelassen.

Regen und Hagelschlag sind nicht ungewöhnlich im Weinbau. Doch die extremen Wetterphänomene werden jedes Jahr mehr und heftiger. Das Bordelais verlor 2013 so fünf Prozent seiner Ernte. Dieses Jahr erwischte es das südwestfranzösische Languedoc am heftigsten. „Wir rechnen mit 60 Millionen Liter Verlust“, erklärt Philippe Vergnes, Präsident der Landwirtschaftskammer von Aude.

In Anbaugebieten weniger gemäßigter Zonen schlägt das Wetter noch brutaler zu. Ein arktischer Wirbelsturm zerstörte diesen Frühling in den nördlichen USA nicht nur einen großen Teil der Ernte. Bei Temperaturen von mehr als 20 Grad Celsius unter dem Mittelwert erfroren in den Finger Lakes und Niagara viele Rebstöcke. Doch auch wenn regelmäßige Extremwetterphänomene unter Forschern als ausgemacht gelten, könnten die langfristigen, weniger spektakulären Folgen des Klimawandels gravierender sein.

Wein wächst in gemäßigten Breitengraden. Auf der Nordhalbkugel ist das etwa zwischen Mainz und dem Maghreb-Gebirge. Heizt sich das Klima auf, ändern sich die Wachstumsbedingungen. „Der Austrieb kommt jedes Jahr früher“, sagt Pierre Frick, elsässischer Biowinzer. „Kommt im Frühling Frost, sind die Triebe hin.“ Um der Hitze zu trotzen, können Winzer auf geeignete Rebsorten zurückgreifen. Auch mit einer schattigen Hang- oder Höhenlage und dem richtigen Rebschnitt können sie die Trauben vor zu viel Hitze schützen. Nachts zu ernten und dann den Traubensaft in einem gekühlten Tank zu vergären ist bereits jetzt eine gern angewandte Praxis.

Manche Winzer versuchen verzweifelt, die Natur selbst zu ändern. Im Burgund schossen unlängst 30 Kanonen Silberjodid in die Wolken, die die Hagelkörner schmelzen sollten. In Kanada verwirbeln Windmaschinen und Hubschrauber die Luft, um Frostschäden zu vermeiden.

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