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15.07.2011

00:00 Uhr

Der Ingelheimer Grauburgunder. Quelle: Julia Steinbrecht

Der Ingelheimer Grauburgunder.

KölnDas Weingut J. Bettenheimer im alten Teil von Ingelheim war früher ein Gemischtbetrieb mit Äckern, Vieh und ein paar Reben. Aus dem ehemaligen Kuhstall ist eine gemütliche Gutsschänke geworden. Dort hängt an auffälliger Stelle ein großes Foto von einem hageren, schnauzbärtigen Kerl. Der Mann heißt Hätsch Kalberer und ist Kellermeister in der Fromm Winery in Blenheim, Marlborough, New Zealand, gegründet von Schweizern.
"Von ihm habe ich am meisten gelernt, mehr als an der Geisenheimer Hochschule", erzählt Jens Bettenheimer. Kalberer ist von ganzem Herzen Biowinzer, der die Erkenntnisse des Naturphilosophen Rudolf Steiner bei seiner Arbeit strikt befolgt. Das Praktikum bei ihm sollte eigentlich nur ein Vierteljahr dauern; es wurden acht Monate daraus. Für den jungen Ingelheimer war es "die schönste Zeit in meinem Leben".

Vieles hat er von Kalberer übernommen. So weit wie möglich richtet er sich bei der Arbeit nach den Mondphasen. In seinen Rebgärten dürfen Kräuter wuchern, "solange es den Reben gutgeht". Sein Ziel sind gesunde, vollreife Trauben. "Dann läuft's im Keller von ganz allein." Als Junge fand er wenig Spaß am Wein. Er musste bei schönstem Sommerwetter in die Reben, wenn die Klassenkameraden im Schwimmbad waren. In der Schule war Kunst sein liebstes Fach. Er begann ein Studium in Kommunikationsdesign. Beim Zivildienst kam er dann doch auf den Geschmack von Riesling und Burgunder. Nach Neuseeland und dem Diplom als Weinbauingenieur in Geisenheim kehrte er ins Elternhaus zurück und krempelte manches um.


Vater Joachim war verwundert und erschrocken zugleich. Dass da Kräuter wild zwischen den Reben sprießen, passte ihm zuerst gar nicht. Er war gewohnt, dass seine Weingärten wie geputzt aussehen. Anfangs mochte er auch gar nicht gutheißen, dass sein Jens auf trockene Weine setzte. Der Senior fürchtete massive Abwanderung der an Lieblichkeiten gewöhnten Kunden. Andererseits freute er sich über Spontangärung mit natürlichen Hefen und über biologische Entsäuerung. "So hab ich's noch gelernt", sagte er. Auch die Rückkehr zum klassischen rheinhessischen Holzfass unterstützte er. Der 65-jährige Vater ackert noch gerne mit und ist stolz auf das öffentliche Lob für die Weine des Sohnes. Die Vergrößerung des Guts unterstützt er voll und ganz. Ein Schatz ist der Grauburgunder vom neuen Jahrgang. Der Duft von Birnen und Erde ist betörend. Der Tropfen, obwohl gar nicht so schwer, besitzt Schmelz in reichem Maße. Die zwischen Birnen, reifen Bananen und Reineclauden spielende Frucht klingt im Gaumen lange nach. Ein Hauch von Süßholz rundet den cremigen Schluck ab..

Pit Falkenstein ist Weinjournalist in Köln.

Ingelheimer Grauburgunder.
Jahrgang 2010 Rebsorte Grauburgunder.
Anbaugebiet Rheinhessen.
Analyse 12,8° Alkohol, 5,7 g Säure, 4,3 g Restzucker (pro Liter)

Trinken bis 2014 Preis ab Hof 6,90 Euro.
Adresse Weingut.
Bettenheimer Stiegelgasse 32, 55218 Ingelheim.
Tel.: 06132 / 3041 Fax: 06132 / 786795

E-Mail info@weingut-bettenheimer.de www.bettenheimer.de

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