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04.01.2007

16:14 Uhr

Weitere Entscheidung am Freitag

Fluglotsen-Streik droht weiterhin

Im Tarifstreit bei den deutschen Fluglotsen droht weiter ein Streik. Nach dem ersten konkreten Angebot des Arbeitgebers teilte die Gewerkschaft mit, eine Entscheidung über das Vorgehen werde erst an diesem Freitag verkündet.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Deutsche Flugsicherung hatte dagegen gehofft, dass die Gewerkschaft bereits am Donnerstag die Rückkehr zu Verhandlungen akzeptiert und von ihrer Streikdrohung abrückt. Ein Arbeitskampf könnte hunderttausende Passagiere in ganz Europa treffen.

„Man muss ganz klar sagen: Die Kuh ist noch lange nicht vom Eis“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), Marek Kluzniak, der Hörfunkagentur dpa/Rufa. Der Arbeitgeber habe Zahlen nahezu grotesk verdreht und Zusagen gebrochen. „Das ist ein Verhalten, dass wir keinesfalls akzeptieren können.“

Die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS) hatte drei Prozent mehr Lohn bei zwölf Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung von 1750 Euro angeboten. Die Gewerkschaft fordert neben einer Einmalzahlung vier Prozent mehr Geld.

Wichtige Kernfragen sind aber weiter offen: Dabei geht es um eine neue Tarifstruktur und die Eingruppierung der Mitarbeiter. Dazu hat der Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt. Dieser Komplex könnte finanziell ein ähnliches Volumen wie die prozentuale Lohnforderung haben, hieß es in Verhandlungskreisen.

„Jetzt ist die Gewerkschaft am Zug“, sagte eine Sprecherin der Flugsicherung. Der Arbeitgeber wolle ein Angebot zur Tarifstruktur noch vor einer Wiederaufnahme der Gespräche vorlegen, allerdings sei dazu noch Zeit notwendig.

Die Arbeitgeber hatten die erste Forderung der Gewerkschaft als ruinös abgelehnt, weil sie auf eine durchschnittliche Gehaltserhöhung von 20 Prozent binnen zwei Jahren hinauslaufe. Zudem hatten sie einen Streik als illegal bezeichnet und mit Schadensersatz gedroht. Die Gewerkschaft reduzierte ihren Forderungskatalog daraufhin um kleinere Punkte, die nach Auffassung der Arbeitgeber den nicht gekündigten Manteltarifvertrag berühren und damit einen Streik unzulässig machen würden. Zudem soll der Tarifvertrag jetzt nur noch ein statt zwei Jahre Laufzeit haben. Inzwischen hält auch der Arbeitgeber einen Streik für legal.

Fluglotsenstreiks haben weit reichende Folgen, weil kein Verkehrsflugzeug ohne die Steuerung durch die Kontrollzentren starten, landen oder über ein bestimmtes Gebiet fliegen kann. Bei einem Streik könnten bis zu 6000 der täglich 8000 kontrollierten Flüge ausfallen. In Deutschland hatte ein Bummelstreik der Fluglotsen in den 70er Jahren mehrere Mill. Passagiere betroffen. Auch im Ausland gab es schon mehrere Male Fluglotsenstreiks.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung hatte als Spezialgewerkschaft erst vor wenigen Jahren gerichtlich durchgesetzt, dass die Deutsche Flugsicherung mit ihr und nicht nur mit der Gewerkschaft ver.di über Tarife verhandeln muss. Die GdF hat rund 2900 Mitglieder. Bei der DFS insgesamt arbeiten rund 5300 Menschen, davon ein Drittel Fluglotsen.

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