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01.12.2012

14:11 Uhr

Werbekampagne

Das „schlechteste Hotel der Welt“ ist überraschend populär

Quelle:wirtschaftsblatt.at

Die Zimmer sind schmutzig, das Bier ist verdünnt - trotzdem brummt das Geschäft. Das Hans Brinker Budget Hotel in Amsterdam beugt sich nicht denen, die Luxus fordern, sondern setzt erfolgreich auf seinen schlechten Ruf.

Im Hans Brinker Budget Hotel in Amsterdam erfolgt der Check-in auf eigene Gefahr.

Im Hans Brinker Budget Hotel in Amsterdam erfolgt der Check-in auf eigene Gefahr.

Amsterdam„Es kann nicht mehr schlimmer werden. Aber wir geben unser Bestes.“ Das ist einer der Sprüche der schrägen Werbekampagne des Hans Brinker Budget Hotel in Amsterdam. Das Konzept ist einfach erklärt: Reisende sollen für ein Bett zahlen, in dem sie eigentlich nicht schlafen wollen. Der Check-in erfolgt auf „eigene Gefahr“, so die Hinweise auf der Website.

Gäste, die im Hans Brinker Budget Hotel übernachten wollen, müssen tatsächlich etwas Mut mitbringen: Hundekot im Eingangsbereich, ein zubetonierter Innenhof, Haare im Abfluss oder Bettwanzen und anderes Ungeziefer gehörten dort nämlich zum guten Ton. „Verbessern Sie Ihr Immunsystem“ lautet ein weiterer Werbespruch des Null-Sterne-Hotels.

Verantwortlich für die außergewöhnliche Kampagne zeichnet die Agentur KesselsKramer, wie die britische Tageszeitung „The Telegraph“ berichtet. Mit Ekel-Bildern und bitterbösen Humor versucht sie Reisende in das Billighotel zu locken. Und der Andrang ist groß. Schon seit 40 Jahren ist das Hans Brinker Budget Hotel erfolgreich im Geschäft und regelmäßig ausgebucht. Um auch vermehrt internationale Gäste anzulocken, ist die Website inzwischen in sechs Sprachen übersetzt worden.

Pro Nacht sind die neugierigen Gäste bereit, 45 Euro für ein Doppelzimmer zu bezahlen. Die günstigsten Zimmer kosten 25 Euro. Die Luxus Ambassador Suite (mit der einzigen Badewanne im ganzen Haus) kostet noch ein bisschen mehr (52 Euro). Komfort darf man dennoch nicht erwarten. Das bestätigt auch die Werbung für das vermeintliche „Luxus-Zimmer“: „Sichern Sie sich einen Platz in unserer viel zu engen Suite, selbstverständlich ohne Flachbild-TV, ohne Doppelbett und auch ohne kostenlose Nutzung unseres Swimmingpools mit Wellnessbereich, den wir ohnehin nicht haben.“

Die Gästekommentare auf Reiseportalen und der Website fallen unterschiedlich aus, zeugen aber jedenfalls von Humor: „Die beste Absteige, in der ich gepennt habe, seit ich auf Bewährung draußen bin“, schreibt Michael aus New York. „Was soll ich sagen? Es war billig. Aber so billig nun auch wieder nicht. Auf einer Bushaltestelle schläft man genauso bequem“, beschreibt Charlotte aus Texas ihre Erfahrung. Andere behaupten von Wanzen gebissen worden zu sein und beschreiben die Zimmer als Gefängniszellen. Ein Posting bringt es wahrscheinlich am Besten auf den Punkt: „Leider waren die Kundenrezensionen alle wahr.“

Zum Abschluss noch etwas Positives: Die Lage der befremdlichen Unterkunft ist gut. So liegt das Hotel mitten im Grachtenviertel von Amsterdam. Für viele Touristen ist es schon fast zu einer Sehenswürdigkeit avanciert und somit ein beliebtes Fotomotiv.

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