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13.01.2007

08:06 Uhr

Winter in Stockholm

Arktisch vs. alpin

VonJulia Krohn

Während die gewöhnliche High Skiciety in St. Moritz dicht gedrängt übers Geschäft philosophiert und bei Frühlingstemperaturen modische Thermoanzüge ausführt, ist Stockholm ein wahres Winterziel - auch ohne leises Rieseln.

Stockholm verteilt sich geradezu venezianisch auf 14 Eilande. Von morbidem Charme kann hier aber keine Rede sein. Frisch wie eine Ostseebrise rekelt sich die nordische Schöne unter der blassen Schwedensonne. Und auch wenn hier die Abendstunden schon am frühen Nachmittag beginnen (20 nach drei ist die Sonne abgetaucht), hat die Stadt gerade im Januar ihren Reiz - auch für einen Trip mit der ganzen Familie: Astrid Lindgren (in der Oper läuft Pippi Langstrumpf als Ballett), junge Designer für die Jugendlichen und Junggebliebenen und ein erstklassiges öffentliches Verkehrsnetz - Volvo-Kombi mieten unnötig.

Nach der Nachmittags-Vorstellung von Pippi Langstrumpf (16.30 Uhr) tänzeln Feinschmecker von der Oper direkt ins Restaurant "Operakällaren" - Sterneküche und Jugendstil statt Villa Kunterbunt. Die Bar auf der Terrasse wirkt hingegen eisprinzessinnenkühl und so, wie wir Après Ski gerne hätten, aber nie bekommen.

Wer es nicht nur beim Speisen, sondern auch beim Shoppen exklusiv mag, lustwandelt auf der Biblioteksgatan - Stockholms Pendant zur Fifth Avenue. Eine glühende Kreditkarte wärmt frierende Finger. Die erwachsene Pippi hätte stattdessen wohl aber eher ihre Ringelsocken in der Norrmanstorg gegen strumpfenge Jeans vom schwedischen Label Acne (steht für "Ambition to Create Novel Expressions", den "Ehrgeiz, neue Ausdrucksformen zu erschaffen") getauscht und ihren Lebensabschnittsgefährten bei und mit J. Lindeberg in der Grev Turegatan eingekleidet. Schöner Schweden-Schick. Wer nach ausgefalleneren Boutiquen sucht, muss zwei Inseln weiter südlich ins Viertel rund um die Gotgatan pendeln. Und wenn am Samstag die Koffer immer noch nicht voll sind: das Edelkaufhaus Nordisk Kompaniet - kurz NK - hat auch am Sonntag geöffnet.

Einen schicken arktischen Absacker genießt ein kleiner Kreis in der "Absolute Icebar Stockholm" im "Nordic Sea Hotel". Das komplette Interieur, inklusive Wände, Theke, Möbel und Gläser, besteht aus gefrorenem Flusswasser. Die Temperatur liegt konstant bei fünf Grad Celsius unter Null. Es dürfen sich nie mehr als 30 Leute zugleich in der Bar aufhalten - Taugefahr! Daher unbedingt vorher anmelden (Tel. 0046/8/50 56 31 24 oder www.nordicseahotel.se).

Damit sich niemand erkältet, gibt's Anoraks und Handschuhe gleich am Eingang. Und für die innere Erwärmung Wodka-Variationen. Klar. Zwar kann bei den schwedischen Alkoholpreisen leicht das Blut in den Adern gefrieren, doch in der Icebar ist das erste Getränk im Eintrittspreis enthalten. Die Gedanken schweifen kurz nach St. Moritz. Arktisch-schwedisch vs. alpin-schweizerisch - arktisch gewinnt. Und aus dem Stockholmer Winterhimmel lächelt milde Astrid Lindgren herab. Das hat sie ja schon immer gewusst.

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