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06.03.2006

15:37 Uhr

Wintereinbruch

Kein Verkehrschaos nach Schnee

Überraschend normal hat nach dem Schneechaos vom Wochenende für viele Pendler die Woche begonnen. Zwar konnten einige Landstraßen sowie Nebenstrecken der Bahn wegen umgestürzter Bäume und Schneeverwehungen noch nicht wieder befahren werden, aber meist rollte der Berufsverkehr ohne größere Störungen.

HB MÜNCHEN. Auf den Fernstraßen im Freistaat registrierte die Polizei sogar weniger Staus als üblich. „Für einen Montagmorgen war im Berufsverkehr sehr wenig los“, sagte eine Polizeisprecherin. „Die Pendler haben sich offenbar sehr gut auf die Lage eingestellt und sind entsprechend früh losgefahren“, berichtete die Sprecherin der Verkehrsleitstelle weiter. Außerdem wurden an vielen Schulen die Faschingsferien um einen Tag verlängert. Dies wirkte sich positiv aus, wie der Sprecher der Augsburger Stadtwerke, Jürgen Dillmann, sagte: „Nachdem die Schulen in der Stadt und im Landkreis geschlossen blieben, hatten wir im Berufsverkehr keine Probleme.“ Allerdings mussten in Augsburg wie auch in München erneut zahlreiche Straßenbahnen im Depot bleiben. Auf den Gleisen türmten sich hohe Schneeberge. Verlassen und unter dicken, weißen Hauben lagen die Wartehäuschen vor dem Münchner Hauptbahnhof, wo sonst reger Betrieb herrscht. Eine Frau aus Erding schritt suchend den Bahnsteig ab und wunderte sich: „Ich bin überrascht, dass keine Tram fährt“, sagte sie. Eigentlich habe sie erwartet, dass nach dem Stillstand am Wochenende der Straßenbahn-Verkehr wieder funktioniere.

„Unser Hauptproblem ist, die Schneemassen von den Trambahngleisen wegzuschaffen, da wir sie nicht einfach auf die Straße kippen können“, erläuterte Stadtwerke-Sprecher Christian Miehling. Zudem sei bei Weichen an Straßenkreuzungen der Schnee durch die Autos fest in die Schienenspur gepresst. In München fuhren deshalb am Montag nur zwei Hauptlinien der Tram. Rund 260 Mitarbeiter von Stadtwerken, Feuerwehr und THW versuchten, die Schienen wieder frei zu bekommen. „Wir haben auch freiwillige Mitarbeiter im Einsatz, die eigentlich dienstfrei hätten“, sagte Sprecher Miehling. „Für eine Prognose, wann das Netz wieder in Betrieb genommen werden kann, ist es noch zu früh.“ Die Frau aus Erding nahm die Tram-Ausfälle gelassen: „Das ist kein Problem, ich muss ja nicht in die Arbeit.“ Wenn sie es nicht mit Ersatzbussen zu ihrem gewünschten Ziel in München schaffe, „dann gehe ich eben in die Stadt zum Einkaufen“.

Zwtl: „Komischerweise hat alles geklappt“ Bei der Bahn wurden die Wetterschäden in der Nacht auf Montag weitgehend behoben. Am Mittag waren nur noch vier Strecken gesperrt: Neben dem Abschnitt Höllriegelskreuth - Wolfratshausen der S-Bahn waren dies die Strecken Murnau - Oberammergau, Wasserburg - Ebersberg und Günzburg - Mindelheim. Spätestens am Dienstagmorgen sollten dort wieder Züge fahren. Auf der viel genutzten Pendelstrecke Augsburg - München fuhren die Züge zum Wochenstart wieder fahrplanmäßig. Bahn-Service-Mitarbeiter Mario Senkel, der am Morgen selbst mit dem Zug aus Augsburg angereist war und am Münchner Hauptbahnhof Reisenden Auskünfte erteilte, sagte: „Es läuft ganz normal.“ Es gebe nicht mehr viele Verspätungen. Einige Fahrgäste müssten noch ihre Tickets vom Wochenende umschreiben lassen, die sie wegen der Zugausfälle erst am Montag nutzen konnten. „Sonst herrscht normaler Berufsverkehr“, sagte der Bahn-Mitarbeiter. „Komischerweise hat alles geklappt“, wunderte sich Markus Ott, der am Morgen aus der Nähe von Weiden in der Oberpfalz nach München gekommen war. Er sei schon um 05.00 Uhr morgens los, um rechtzeitig am Vormittag in der Berufsschule in der Landeshauptstadt zu sein. „Ehrlich gesagt hätte ich damit gerechnet, dass es Probleme gibt“, sagte der angehende Vermessungstechniker.

Positiv überrascht vom reibungslosen Zugverkehr war auch ein Ehepaar aus Erkner bei Berlin, das sich auf dem Heimweg vom Urlaub in Bayrischzell befand. „Wir sind extra eine Stunde früher losgefahren, weil wir mit Problemen gerechnet haben“, sagte die Frau. Aber in ihrem Zug habe es keine Verspätungen gegeben. Das Paar ging davon aus, wie geplant am frühen Abend zuhause einzutreffen. Nach dem Winterurlaub in Bayern freuten sie sich auf Berlin, sagte der Mann im blauen Skianorak: „Mal kein Schnee ist auch angenehm.“

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