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29.01.2005

12:00 Uhr

Wo Kreuzfahrtschiffe so selten sind wie Christen in Mekka: Landgang in Dschidda

Vorsichtige Annäherung

VonHans-Dieter Kley (Handelsblatt)

Vor Landgängen an der Westküste der Arabischen Halbinsel ließ der deutsche Forschungsreisende Carsten Niebuhr einst einen Dolmetscher aussetzen, um herauszufinden, "ob Krieg oder Friede unter den Stämmen dieser Gegend wäre". Über Dschidda berichtete der Dithmarscher Niebuhr vor fast 250 Jahren: "Wir haben uns nirgends vor den Einwohnern einer Stadt so sehr gefürchtet als zu Dsjidda".

HB DSCHIDDA. Mit ähnlich großer Vorsicht nähern sich heute westliche Touristen Dschidda. Die Ungläubigen, die sich auf dem Kreuzfahrer "MS Bremen" vom Wasser aus nähern, empfängt allerdings ein hypermoderner Hafenturm, dazu ein Wald modernster Kräne.

Durch einen künstlich erweiterten Kanal in der Korallenbank gleiten Containerschiffe aus aller Welt und Personenfähren mit Gastarbeitern oder Mekka-Pilgern aus dem Sudan, Somalia und Ägypten. Doch zum Schutz der anlegenden "Bremen" sind Betonblöcke und Container am Kai aufgestellt.

Saudi-Arabien möchte jetzt auch westliche Touristen ins Land locken, vorerst allerdings nur Gruppenreisende. Andere Länder in der Gegend haben vorgemacht, dass daraus ein wirtschaftliches Standbein nach dem Öl werden könnte.

Doch die saudische Tourismuspolitik ist gespalten: Reformer plädieren für Öffnung, Fremdenfreundlichkeit, mehr Toleranz. Erzkonservative befürchten einen Verfall der Sitten durch westlichen Einfluss.

Auf der Mole wird das ungewöhnliche Ereignis daher mit einem Empfang vorbereitet: Eine Delegation der Touristenkommission des Königreichs wird ebenso erwartet wie der deutsche Generalkonsul. Ein Kreuzfahrtschiff ist hier so selten wie ein Christenmensch in Mekka, wohin gerade die Pilger strömen.

Klimatisierte Mercedes-Busse stehen für eine halbtägige Stadtrundfahrt bereit. Von tropischer Arten- und Farbvielfalt sind die Fänge, die auf dem Fischmarkt präsentiert werden. Inder und Pakistaner preisen die Ware an.

Im Königreich leben weitaus mehr Ausländer als Saudis; das gilt selbst in der Altstadt, zwischen erkergeschmückten Häusern aus der Türkenzeit und dem vermeintlichen Gral der Urmutter Eva, der von religiösen Eiferern zerstört wurde.

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