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25.09.2012

22:17 Uhr

Wolfgang Joop

„Legenden brauchen Zeit“

Wolfgang Joop ist zurück. Nach längerer Pause zeigt der Modemacher seine neuen Entwürfe bei den Schauen in Paris. Im Interview spricht er über deutsche Designer im Ausland, Kollegin Jil Sander und seine „Wunderküche“.

Designer Joop: „In Paris zählt die künstlerische Vision.“ PR/Werner Reichel

Designer Joop: „In Paris zählt die künstlerische Vision.“

Paris/PotsdamWolfgang Joop ist wieder da. Bei den Prêt-à-Porter-Schauen in Paris, die am Dienstag begonnen haben, zeigt er nach zwei Jahren Pause die neuen Entwürfe seiner Marke Wunderkind. Statt bei einem großen Defilee will Joop seine Damenmode am kommenden Samstag in intimer Atmosphäre präsentieren. Mittelgroße theatralische Mode-Inszenierungen entsprächen nicht seinem aktuellen Zeitgefühl, erklärt der 67-Jährige. Mit der Nachrichtenagentur dpa sprach der Potsdamer über deutsche Designer im Ausland, Kollegin Jil Sander und seine „Wunderküche“.

Wunderkind zeigt wieder in Paris. Was ist das für ein Gefühl?

Joop: „Die Wiederauferstehung von Wunderkind zelebrierten wir in Potsdam, nun aber sind wir wieder dort am Start, wo Mode entsteht. Das ist mehr eine Frage der Ratio als eine des Gefühls. In Paris zählt die künstlerische Vision einer Kollektion mehr als Fragen nach praktischer Relevanz.“

Wie schwer ist es für deutsche Designer in Paris? Und wie sieht es in Mailand oder New York aus?

Joop: „Der Stil und die Formel Wunderkind wurden sofort in Paris angenommen. In Mailand oder New York agiert man eher national als international. Auch stilistisch und geschäftlich hat man dort strengere Verabredungen. Paris bildet als Endpunkt der Fashion-Veranstaltungen auch den Höhepunkt, bei dem intellektuelle und emotionale Qualitäten im Vordergrund stehen. Deutschland hat große Talente, doch gilt Mode noch immer als etwas Vermeidbares. Ganz im Gegensatz zu Bildung und Kultur, die beide unvermeidbar zur Selbstdefinition des Landes gehören.“

In Mailand debütierte ja nun zum wiederholten Mal Ihre langjährige Kollegin Jil Sander bei den Damen. Fühlen Sie sich durch den gleichzeitigen Wiedereinstieg mit ihr verbunden?

Joop: „Im Gegensatz zu Jil Sander, deren Label seit Jahren einer japanischen Holding gehört, arbeite ich für mein eigenes Unternehmen. Sie tritt nun auch nicht nur ihr eigenes Erbe an, sondern auch das ihres großartigen Nachfolgers Raf Simons. In meiner "Wunderküche" kocht der Chef von Anfang an selbst.“

Wird das Bild deutscher Designer international immer noch vom einst gültigen Dreiklang Lagerfeld/Sander/Joop bestimmt?

Joop: „Es ist allerdings bemerkenswert, dass wir drei alle aus dem Biotop Hamburg stammen. Leider kam von dort kein nennenswerter internationaler Nachwuchs. Um eine Marke heute international aufzustellen, müssen viele Bedingungen erfüllt werden: Handwerklichkeit, Vision, Kapital und Kommunikation. Legenden brauchen Zeit.“

Sowohl Frau Sander als auch Sie bewegen sich auf die 70 zu. Herr Lagerfeld ist noch älter. Spielt Ihrer Meinung nach das Alter bei der Wahrnehmung eines Designers heute noch eine Rolle? Schließlich huldigt die Modebranche der Jugend.

Joop: „Es stimmt: Jugend in ihrer selbstverständlichen Bedenkenlosigkeit wirkt stets neu, avantgardistisch und cool. Coolness im Business ist allerdings trainierbar. Voraussetzung ist Sensibilität und Durchhaltevermögen. Alte Augen und ein immer junges Herz. Von uns Dreien bleibt mir ein kleiner Vorsprung. Ich bin und bleibe der Jüngste.“

Von

dpa

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