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24.08.2015

17:23 Uhr

Zu süß und zu fettig

Werbung für ungesundes Essen soll verboten werden

Eigenverantwortung und Aufklärung reichen aus Sicht von Experten nicht mehr aus, um Kinder vor Gewichtsproblemen zu bewahren. Sie fordern ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel. Was die Hersteller dazu sagen.

Nach Ansicht eines Experten für Kinderernährung sollen nur noch gesunde Lebensmittel für Kinder vermarktet werden. Reiswaffeln passen dazu. dpa

Gesundes Essen

Nach Ansicht eines Experten für Kinderernährung sollen nur noch gesunde Lebensmittel für Kinder vermarktet werden. Reiswaffeln passen dazu.

BerlinDeutlich mehr Kinder und Jugendliche als noch in den 1990er Jahren gelten in Deutschland heute als zu dick. Kein Wunder, meinen Experten: „Heute kann man zu jeder Zeit und an jeder Ecke Softdrinks und Industrienahrung bekommen“, sagt etwa Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft und Sprecher der Deutschen Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten. Die Folgen seien verheerend, betont er mit Blick auf Diabetes und andere chronische Krankheiten. Von einem regelrechten „Tsunami an Krankheiten“, der auf die Deutschen und Europäer zurolle, warnt Stefanie Gerlach vom Vorstand der Deutschen Adipositas Gesellschaft.

Eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie, Informationen und Aufklärung über gesunde Ernährung - all das reicht aus Sicht der Experten nicht mehr aus, um einen grundlegenden Wandel zu einem gesünderen Essverhalten von Kindern zu erreichen. Dabei sei es so wichtig, schon bei den Jüngsten anzusetzen. Schließlich würden hier die Grundlagen für das spätere Essverhalten gelegt. „Es wurde viel getan, aber die Strategie ist gescheitert“, sagt Garlichs.

Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft verweist darauf, dass es beim Kampf gegen Übergewicht darum gehen müsse, gemeinsam sinnvolle Ansätze zu entwickeln, die nachhaltig wirken können. Das erklärt Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), laut einer Mitteilung. Darin heißt es: „Wir brauchen Bildung, Bewegung und Balance, gerade für Kinder. Daran arbeiten wir intensiv mit.“

Tipps beim Fleischverzehr

Keimschutz

Die Hersteller von Fleisch wollen ihre Vorschriften bei der Verarbeitung von Fleisch anpassen. Doch vor Keimen können sich Verbraucher auch selbst schützen.
Quelle: Stiftung Warentest

Einfache Regeln beachten

Einfache Hausfrauenregeln werden häufig unterschätzt und nicht beachtet, weiß man bei der Stiftung Warentest. Dabei sei das sehr wichtig. Einen Grund, kein Fleisch mehr zu essen, oder den Fleischkonsum stark einzuschränken, sehen die Test infolge des Tests nicht.

Hinweise lesen und beachten

Auf allen abgepackten Produkten steht zum Beispiel der Hinweis, dass das Fleisch nicht roh verzehrt werden darf. Das sollte man laut dem Test ernst nehmen.

Gründe

Die Produkte enthielten im Fall des Perfetto-Fleisches Enterobakterien und zudem antibiotikaresistente Keime, im Fall des Aldi Produkts ebenfalls Enterobakterien und zudem E.Coli-Bakterien. Beide Fleischsorten schnitten auch beim Geschmack nur mittelmäßig ab. Gesamtnote: 3,1.

Fleisch erhitzen

Es muss bei mindestens 70 Grad für mindestens zwei Minuten gebraten werden – dann müssten alle benannten Keime abgestorben sein.

Fleisch von anderen Produkten fern halten

Zudem sollte rohes Fleisch niemals mit anderen Lebensmitteln in Kontakt gebracht werden, da die Keime dann auf Obst, Brot oder Gemüse übergehen könnten, die man ja nicht unbedingt vor dem Verzehr erhitzt.

Kühlkette einhalten

Neben dieser Küchenhygiene ist es wichtig, die Kühlkette einzuhalten: Das Fleisch sollte in jedem Fall in einer Kühltasche transportiert werden, damit die Kühlung zwischen dem Supermarkt und dem heimischen Kühlschrank nicht zu lange unterbrochen wird.

Nicht nachlässig werden

Wer alle Regeln beachtet, der muss sich nach Einschätzung der Tester keine Gedanken machen. Problematisch werde es nur, wenn man nachlässig sei. Auch auf Gemüse, Obst und anderen landwirtschaftlichen Produkten könnten etwa durch die Düngung mit Tierfäkalien Keime lauern.

Botschaft an Fleischliebhaber

Genießen ja, aber bitte mit Vorsicht. Hinsichtlich der Konsistenz und des Geschmacks, und mit Blick auf die Fleischbeschaffenheit schnitten die meisten Fleischsorten im Test gut oder sogar sehr gut ab.

Eine Entwarnung zum Schluss

Vor dem Hintergrund der jüngsten Skandale etwa rund um Pferdefleisch in Lasagne sind die Testergebnisse beruhigend: In den getesteten Hackfleischsorten sei auch wirklich das drin, was drauf steht: Schwein und Rind – getestet hatten die Prüfer auch auf Känguru, Strauß, Ziege, Pferd und Esel.

Garlichs unterstützt die Forderung der Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“ nach einem Werbeverbot für ungesunde Kinderlebensmittel. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) müsse dafür sorgen, dass nur noch gesunde Lebensmittel an Kinder vermarktet werden dürfen, sagt der Foodwatch-Experte für Kinderernährung Oliver Huizinga.

Aus Sicht von Gerlach wäre der jetzige Zeitpunkt günstig. Erst im Frühjahr habe die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Methode veröffentlicht, die die Einteilung von Lebensmitteln in gesund und ungesund erleichtere. Lange habe darüber Unklarheit geherrscht. Das Modell hilft, Lebensmittel je nach ihrem Gehalt an Fetten, Zucker und Salz in Kategorien einzuteilen. Regierungen könnten es als Grundlage für Werbeverbote nutzen, sagt Gerlach.

Große Hersteller haben sich bereits 2007 ein „verantwortungsvolles Marketing“ für Kinderlebensmittel auf die Fahnen geschrieben. Doch die in dieser freiwilligen Selbstverpflichtung verankerten Nährwertgrenzen sind aus Sicht der Kritiker viel zu lasch. So erlaube die WHO beispielsweise bei Frühstücksflocken einen Zuckergehalt von 15 Prozent, die Selbstverpflichtung aber 30 Prozent, kritisiert Foodwatch. Eine Untersuchung der Organisation zeigt, dass 90 Prozent der Kinderlebensmittel der deutschen Unterzeichner nicht den strengeren WHO-Kriterien genügen. An die Selbstverpflichtung halten sich die Unternehmen laut einem Bericht aber weitgehend.

Der BLL kritisiert die Studie von Foodwatch als „unseriös und effektheischend“. Die Organisation verunglimpfe sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel aufgrund von Nährwertprofilen, die eine reine Empfehlung darstellten, sagt Minhoff laut der Mitteilung. Außerdem informierten die Hersteller über die Inhaltsstoffe und klärten auf.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten laut Studien als übergewichtig. Daran, dass Kunden eigenverantwortlich immer richtig einschätzen, wie viel gesund ist, glauben die Experten nicht. „Die Menschen schaffen das nicht“, sagt Gerlach. Die Industrie stehe ebenfalls in der Verantwortung und müsse gesunde Lebensmittel herstellen, betont Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Dass sie das angesichts der höheren Gewinnspannen bei zucker- und fetthaltigen Produkten zu wenig tue, sei nicht erstaunlich: „Dass hier mit Freiwilligkeit nichts zu holen ist, ist doch klar.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Frau Ich Kritisch

24.08.2015, 18:00 Uhr

Mal ganz davon abgesehen, dass ich Werbung für Lebensmittel per se als unnötig betrachte, bin ich doch der Ansicht, das Werbung niemanden zum Kauf zwingt. Was man für seine Kinder kauft entscheiden immer noch die Eltern selbst. Und wenn die ihre Kinder ungesund ernähren, dann sollte man die Eltern aufklären und nicht die Werbung verbieten.
Ja, unsere Kinder/Jugendlichen werden immer dicker. Das liegt aber nicht an der Werbung sondern an fehlender Zeit. Da wird schon dem 2-jährigen für die Kita die Milchschnitte eingepackt und der joghurtzwerg oder der Kuh-Pudding weil den Eltern diue Zeit fehlt morgens ein Brot zu schmieren, Quark anzurühren oder einen Pudding zu kochen. Die Kleinsten werden damit groß, dass es abends was aus der Microwelle oder vom Schnellrestaurant gibt. Da kann niemand erwarten, dass sich die Jugendlichen anders verhalten. Da wird halt mal was vom Bäcker geholt - und ein süßes teilchen schmeckt oft besser als eine mit Majo geschmiertes brötchen.

Sorgt dafür, das Väter oder Mütter zeit für die Familie haben, kochen und backen können und ihr bekommt von ganz allein wieder schlankere Menschen.

Herr Norman Fischer

25.08.2015, 11:03 Uhr

Für Eltern ist es heute extrem schwierig bis unmöglich, seinen Kindern zu erklären dass das was sie gerne essen würden nicht in Frage kommt, wenn in der Werbung das Gegenteil behauptet wird, und andere Kinder das ja auch essen. Insofern sollte man nicht nur die Werbung dafür verbieten, sondern diese Lebensmittel selbst zumindest höher besteuern. Dann werden sie nicht mehr einfach vom Taschengeld gekauft, und auch nicht von den sozial schwachen und uninformierten Familien, bei denen sie bisher am meisten konsumiert werden.

Herr Hans-Peter Hammer

26.08.2015, 17:57 Uhr

Und auf welchen ECHTEN wissenschaftlich belegten Fakten beruhen die "Empfehlungen" z.B. der WHO? Auf keinen! Welche Lebensmittel sind gesund/ungesund? In meiner Jugend galt Butter als gesund, dann war sie des Teufels und Margarine ja soooo viel gesünder! Jetzt ist die Butter auf einmal wieder gesund und Margarine soll sogar Krebs fördern! Ich mir mal die Mühe gemacht alle mir bekannten Fälle von (angeblich) ungesunden Lebensmitteln aufzulisten (eine lange Liste)! Danach bliebe uns nur noch die Solardiät übrig! Dann würden wie wenigstens gesund verhungern und verdursten!
Ich fordere ein Verbot der Verbreitung von unwahren oder unzulässig verkürzten, bzw. verzerrten Aussagen aller - de facto nur dem eigenen Profit dienenden - "Vereinen" wie z.B. Foodwatch.
Manchmal, wenn wieder eine Ungesunde-Lebensmittel-Sau durchs Land getrieben wird, fällt mir das alte Kinderlied "Oh, hängt ihn auf!" ein! Eine seltsame Assoziation, ich weiß, aber sie blitzt halt manchmal auf! Kann ich nichts gegen tun!

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